Familienregeln gelten auch für Gast-Kinder


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Familienregeln gelten auch für Gast-Kinder

Grundsätzlich sollten für die Gäste der Kinder die gleichen Regeln gelten wie für diese selbst, ganz gleich ob es sich um „Schuhe an der Haustür ausziehen“, „Kein Ballspielen in der Wohnung“ oder „Schimpfwörter, nein danke“ handelt. Aber natürlich kann man von den Gastkindern nicht erwarten, dass sie diese Regeln erahnen. Jede Familie setzt beim Zusammenleben ihre eigenen Prioritäten und die Grenzen im eigenen Elternhaus sind möglicherweise ganz anders gesteckt. „Da Kinder, die allein zu Besuch sind, oft erstmal vorsichtig das Terrain erkunden und daher viel braver sind als zu Hause, reicht es meist, sie freundlich auf die Regeln hinzuweisen“, sagt Wyrwar. Die meisten Kinder würden sich dann ohne weiteres an diese Regeln halten. „Wenn ein Kind an mir vorbei zur Tür hereinstürmt, halte ich es mit einem freundlichen 'Hey, sagst du mir 'Guten Tag?' auf“, erzählt meine Freundin Leah Samwer, die direkt neben der Grundschule ihrer drei Töchter wohnt und dementsprechend viel Kinderbesuch im Haus hat. „Die machen sofort kehrt und geben mir die Hand.“ Ein schlechtes Gewissen hat die 39-Jährige Erzieherin nicht, wenn sie ihre jungen Gäste auffordert, beim Husten die Hand vor den Mund zu halten oder beim Essen gerade zu sitzen, die Ellenbogen vom Tisch zu nehmen und nicht zu schlingen. „Gerade bei den Tischmanieren mache ich keine Abstriche“, sagt Leah. „Ich weiß, dass es vielen Eltern nicht mehr so wichtig ist, aber ich halte das Herumgelümmel am Tisch einfach nicht aus.“ Die Freunde ihrer Mädchen kämen damit gut klar, auch wenn manche zu Hause verwundert erzählen, dass man im Hause Samwer immer so ordentlich essen müsse wie im Restaurant. „Kinder müssen lernen, dass es unterschiedliche Regeln gibt, die sie zu respektieren haben. Das ist Teil des Sozialisationsprozesses“, sagt Leah. Natürlich überwacht Leah nicht jede Bewegung der Kinder, wenn sie bei ihr im Haus sind. „Kleinere Streitereien können die Mädchen meist gut unter sich klären“, sagt sie. „Ich greife nur ein, wenn es gefährlich wird und etwa Gegenstände durch die Luft fliegen oder sich eines wirklich unsozial verhält, zum Beispiel den ganzen Keksteller für sich haben möchte.“ Die Erzieherin nimmt sich dann das betreffende Kind zur Seite und versucht, ruhig mit ihm zu reden. „Das würde ich nur vor den anderen machen, wenn es nicht anders geht“, sagt sie. „Ich will unseren Gast nicht bloßstellen.“ Die Kindern untereinander zu vergleichen findet Leah ungeschickt. „Meine eigene Mutter hat mir immer meine brave Freundin in ihrem Beisein als leuchtendes Vorbild hingestellt“, erzählt sie. „Das fand ich schrecklich.“