Finden Sie die beste Krankenkasse

Gesetzliche Krankenkassen unterscheiden sich zum Teil erheblich in Leistung und Service. Wann sich ein Wechsel wirklich lohnt.


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Baby benötigt Krankenversicherung

Foto: Thinkstock


Soll ich in meiner Krankenkasse bleiben – oder lieber wechseln? Das fragen sich derzeit Millionen Mitglieder. Denn seit Einführung des Gesundheitsfonds hat sich in der gesetzlichen Krankenversicherung einiges geändert. Erst wurden die Beitragssätze vereinheitlicht – jetzt verlangen erste Krankenkassen von ihren Versicherten einen monatlichen Zusatzbeitrag, der nach Beschlusslage der Bundesregierung nach oben offen ist und somit erhebliche Mehrkosten bedeuten kann. Aber sind diese Mehrkosten im Hinblick auf die Leistungen auch gerechtfertigt – oder kann man sich getrost eine andere Krankenkasse suchen? Fakt ist: Etwa 95 Prozent der Kassenleistungen sind gesetzlich festgelegt und damit identisch. Was medizinisch notwendig ist, wird bezahlt. Bei den restlichen fünf Prozent bleibt den Krankenkassen jedoch Spielraum für freiwillige Mehrleistungen. Und die variieren zum Teil erheblich, können leicht sogar einen Unterschied von mehreren hundert Euro im Jahr ausmachen. Auch der Service ist längst nicht immer gleich gut. „Da kann es sich schon lohnen, die Leistungen zu vergleichen und zu prüfen, ob man nicht zu einem anderen Anbieter wechseln will“, sagt Kai Vogel von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Welche Krankenkasse passt zu mir?

Wer künftig einen Zusatzbeitrag zahlen soll, hat dafür einen guten Anlass – und sogar ein Sonderkündigungsrecht. Der Gesundheitsexperte rät jedoch, nicht nur aufs Geld zu schauen: „Das Wichtigste ist, dass das Angebot der Krankenkasse zu den individuellen Bedürfnissen passt. Wer mit seiner Versicherung zufrieden ist, sollte sich informieren, ob er anderswo vergleichbare Leistungen erhält.“ Falls nicht, kann es sich auch trotz des Zusatzbeitrags lohnen, seiner Krankenkasse treu zu bleiben. Oft finden sich aber auch bessere Alternativen für die individuellen Ansprüche. Um die optimale Krankenversicherung zu finden, sollten Sie sich zunächst darüber klar werden, auf welche Art von Service Sie Wert legen. Wer alle Angelegenheiten am liebsten per Telefon oder Internet regelt, braucht nicht unbedingt eine Geschäftsstelle vor Ort. Telefonisch gut erreichbar sollte eine Krankenkasse aber sein, zu medizinischen Fragen am besten auch nachts – gerade für Versicherte mit kleinen Kindern. Weitere Serviceunterschiede können in der Bereitschaft zu Hausbesuchen liegen, falls Sie mal nicht in die Geschäftsstelle kommen können. Ebenso hilft nicht jede Krankenkasse bei der Vermittlung von Facharztterminen. Zusatzangebote sichten Prüfen Sie zudem: Welche Zusatzleistungen, die über den gesetzlichen Standard hinausgehen, zahlt die Krankenkasse? Bietet sie im Bereich Frühgeburtenprävention z.B. einen Glukosetoleranztest an? Gerade für Schwangere interessant sind außerdem: Kurse in Yoga, Tai Chi, Qi Gong, Autogenem Training und zur Geburtsvorbereitung sowie Wassergymnastik. Auch für den Partner interessant sind Kurse zur Raucherentwöhnung. Ein großes Loch in die Familienkasse können Reiseschutzimpfungen reißen. Eine Impfung gegen Hepatitis A und B – mit Kosten von über 200 Euro – wird selbst für die Mittelmeerländer empfohlen. Gut, wenn dann die Krankenkasse zahlt oder sich an den Kosten beteiligt. „Interessant für Familien sind auch Mehrleistungen für eine Haushaltshilfe, wenn die Mutter krank ist und den Haushalt nicht führen kann“, sagt Kai Vogel. Gesetzlich vorgeschrieben ist eine solche Hilfe nur bei bis zu zwölfjährigen Kindern. Manche Krankenkassen zahlen jedoch bis zum 14. Geburtstag. Homöopathie & Co. Vielleicht wollen Sie aber auch alternative Behandlungsmethoden in Anspruch nehmen? Achten Sie dann darauf, ob die Krankenkasse Sie darin unterstützt – zum Beispiel, indem sie die Kosten für ein ausführliches Erstgespräch bei einem homöopathischen Vertragsarzt übernimmt. Wer gerne Sport treibt oder etwas für seine Gesundheit tun möchte, für den lohnt auch ein Blick auf die Präventionsmaßnahmen der Krankenkassen. Kurse für Bewegung, Ernährung, Entspannung sowie Suchtprävention bieten alle an. Die Breite des Angebots und die Höhe der Förderungen variieren aber. Boni für gesundes Leben Manch Krankenkasse belohnt gesundheitsbewusstes Verhalten mit Bonusprogrammen. Nimmt der Versicherte an Vorsorgeuntersuchungen oder Gesundheitskursen teil, erhält er dafür Punkte – und später eine Geld oder Sachprämie. „Prinzipiell lassen sich dadurch über hundert Euro im Jahr sparen. Man sollte aber genau studieren, welcher Aufwand verlangt wird und ob man den leisten kann“, rät Kai Vogel. Darüber hinaus bietet die ein oder andere Krankenkasse Wahltarife an, etwa spezielle Programme für chronisch Kranke, Modelle der integrierten Versorgung oder Hausarzttarife. „Bei solchen Tarifen ist das Sparpotenzial eher gering. Bei der Teilnahme können Prämien, eine Ermäßigung der Zuzahlungen oder der Praxisgebühr locken. Man sichert sich vor allem eine bessere Versorgungsqualität. Und die kann interessant sein“, erklärt Kai Vogel. Vorsicht bei Wahltarifen Bei Wahltarifen mit Selbstbehalt oder Beitragsrückerstattung rät der Experte, ganz genau abzuwägen. Hier ist der finanzielle Anreiz zwar größer – ein paar Hundert Euro Prämie im Jahr sind je nach Vertrag drin. Die erhält aber nur, wer gesund bleibt – für bereits Erkrankte also ohnehin keine Alternative. „Bei Selbstbehalt trägt man im Krankheitsfall immer auch ein finanzielles Teilrisiko. Hinzu kommt, dass man sich mit solchen Wahltarifen für drei Jahre an die Krankenkasse bindet“, sagt Kai Vogel. Und das will gerade in Umbruchszeiten wie diesen gut überlegt sein.




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