Flüchtlinge in Deutschland: Wie erkläre ich’s meinem Kind?

Die Flüchtlingskrise ist für uns Erwachsene schon ein schwieriges Thema. Erst recht für unsere Kinder! Wir helfen Ihnen, mit Ihren Kindern ins Gespräch zu kommen: Mit Buch- und Linktipps - und mit Ideen, wie Sie als Familie helfen können.


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Täglich kommen neue Flüchtlinge nach einer langen, oft lebensgefährlichen Reise in Deutschland, Österreich und anderen Ländern Europas an. Kinder sehen die Bilder dazu in den Nachrichten: Übervolle Flüchtlingsboote, Turnhallen voller Menschen, Kinder, die auf der Flucht ihre Eltern verloren haben. Bilder, die sie extrem verstören, die sie nicht verstehen. Dazu hören sie die Gespräche und Diskussionen in der Familie, sie spüren, wie auch die Eltern hilflos sind. Und für viele Kinder hierzulande sind die Flüchtlinge aus fernen Ländern inzwischen nicht mehr nur ein Thema, das sie aus den Nachrichten und Gesprächen kennen: Von einem Tag auf den anderen sitzen Kinder aus Syrien, dem Irak oder Eritrea plötzlich mit im Morgenkreis im Kindergarten oder als neuer Mitschüler in der Schulbank. In der Turnhalle werden vielerorts Flüchtlinge untergebracht, und nebenan wird hektisch ein neues Flüchtlingsheim errichtet. Das Thema Flüchtlinge ist direkt in unserer Nachbarschaft angekommen.
"Mama, was ist eigentlich ein Flüchtling?"
Kinder haben dazu viele Fragen. Sie möchten verstehen, was es mit Krieg und Flucht auf sich hat. Sie möchten wissen, warum viele der Kinder so traurig schauen und nicht mitspielen und warum sie kein Deutsch sprechen. Sie fragen, warum die Frauen Kopftücher tragen und wann in der Sporthalle endlich wieder Fußball gespielt werden kann. Und sie möchten unbedingt wissen, wie sie selbst helfen können.
Wir haben hier Links gesammelt, die Ihnen als Eltern helfen, Antworten auf die Fragen Ihrer Kinder zu finden. Und wir stellen Ihnen Bilder- und Kinderbücher vor, die anschaulich erklären, was Flüchtlinge bewegt ihre Heimat zu verlassen und wie sich das neue Leben bei uns für sie anfühlt. 
Verstehen, warum so viele Menschen nach Europa fliehen, ist Schritt eins. Schritt zwei könnte sein: Selbst mit anpacken und helfen. Für Kinder ist das eine wichtige und tolle Erfahrung: „Ich bin zwar noch klein, aber ich kann trotzdem etwas tun. Ich kann helfen, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen!“ Kinder sind begeistert von der Idee, die Flüchtlinge in der Nachbarschaft zu unterstützen. Ganz schnell sprudeln da Ideen, wie sie helfen könnten, was sie alles herschenken könnten. Wir haben Ideen gesammelt, wie Sie als Familie aktiv werden können:

So können Sie als Familie helfen
  • 1 / 6

    Gemeinsam den Kleiderschrank, das Kinderzimmer und den Keller ausmisten. Garantiert sind hier Spielsachen zu finden, von denen sich Ihr Kind trennen würde. Und Winterkleidung, die gut erhalten ist und die Sie selbst nicht mehr benötigen. Infos zu Sammelstellen bekommen Sie bei der Diakonie, der Caritas oder der Gemeinde.

  • 2 / 6

    Selbst gebastelte Sachen in der Nachbarschaft oder beim Kinderflohmarkt verkaufen – und das Geld für ein Flüchtlingsprojekt im Ort spenden.

     

  • 3 / 6

    Über sogenannte Mentorenprojekte können Sie bei der Betreuung einer Flüchtlingsfamilie helfen und bei Behördengängen, beim Deutschlernen und beim Zurechtfinden in der neuen Heimat unterstützen.

  • 4 / 6

    Fragen Sie bei der Caritas, Diakonie, Kirchengemeinde oder beim Helferkreis in Ihrer Nähe nach, wie Sie als Familie helfen können. Vielleicht können Sie für eine syrische Mama mit Kind zusammen mit Ihrem Kind einen kleinen Deutschkurs ins Leben rufen. Oder einfach zusammen spielen, Tee trinken und Kuchen backen. Möglichkeiten gibt es viele, auch wenn Sie nicht viel Zeit übrig haben.

  • 5 / 6

    Einfach mal auf die neuen Nachbarn zugehen, sie anlächeln, grüßen. Ganz schnell kommt man ins Gespräch – wenn auch anfangs vielleicht nur mit Händen und Füßen. Wenn die erste Hürde genommen ist, ist es meist ganz einfach Kontakt aufzubauen. Und dadurch Vorurteile abzubauen. Und wenn Kinder spielen, geht das auch ohne viele Worte!

  • 6 / 6

    Gemeinsam Sport treiben und dabei Geld sammeln - eine tolle Idee! Mit einem Spendenlauf können Kindergärten oder Schulen Geld für ein soziales Projekt sammeln und spenden.



Kindgerechte Antworten zur Flüchtlingskrise
Einfache Antworten auf die schwierige Fragen zur Flüchtlingskrise gibt es leider nicht. Wir haben trotzdem versucht, die Antworten möglichst einfach und kindgerecht zu formulieren:

Was ist ein Flüchtling?
Ein Flüchtling ist jemand, der sein Land verlassen muss, weil dort Krieg herrscht, weil seine Familie aufgrund seines Glaubens verfolgt wird, weil er Hunger leidet oder weil es eine schlimme Naturkatastrophe gab. Wer in ein anderes Land flieht, kann dort Aysl, das heißt Unterschlupf, beantragen.

Warum kommen so viele Menschen zu uns?
In vielen, vielen Ländern gibt es momentan Krieg. In den Krisengebieten ist das Leben für die Menschen furchtbar: Sie fürchten dort um ihr Leben, oft gibt es nicht genug zu essen und zu trinken, viele Städte sind zerstört. In anderen Ländern wiederum herrscht zwar kein Krieg, aber die Leute finden keine Arbeit und haben so keine Möglichkeit, für ihre Familie zu sorgen. In vielen afrikanischen Ländern gibt es nicht genug zu essen für die Menschen. Die einzige Möglichkeit, die diese Menschen sehen, ist die Flucht. Oft können die Menschen kaum etwas mitnehmen, wenn sie ihre Heimat verlassen. Der Weg in sichere Länder wie zum Beispiel unser Land ist weit und voller Gefahren. Bei uns oder in Nachbarländern hoffen die Flüchtlinge auf ein besseres und vor allem sichereres Leben.

Warum kommen die Flüchtlinge zu uns?
Die Flüchtlinge sind auf der Suche nach einem Ort, wo sie in Frieden leben und arbeiten können, ohne um ihr Leben fürchten zu müssen. Deutschland und die anderen europäischen Länder haben riesengroßes Glück: Hier herrscht kein Krieg, es gibt Arbeit und genug zu essen. Zudem hat Deutschland besonders gute Aufnahmebedingungen und die Chancen Arbeit zu finden, sind hier größer als in anderen Ländern.

Wo kommen die Flüchtlinge her?
Die meisten Flüchtlinge, die zu uns kommen, sind aus Syrien. Danach kommen Serbien, Eritrea, Afghanistan, Irak und Kosovo. Übrigens: Im letzten Jahr war jeder dritte Flüchtling ein Kind oder Jugendlicher.

Warum kommen die Flüchtlinge nicht mit dem Flugzeug?
Um in ein Flugzeug zu steigen, braucht man zwei Dinge. Erstens: Viel Geld. Das fehlt den Menschen in den Krisenregionen häufig. Und zweitens braucht man ein Visum, das heißt eine Einreiseerlaubnis. Diese bekommen die Menschen in ihren Heimatländern bei der Botschaft. Viele Botschaften in Krisenregionen haben allerdings entweder gar nicht mehr offen oder monatelange Wartezeiten.

Wieso sind so viele Männer unter den Flüchtlingen?
In vielen Familien reicht das Geld für die Flucht nur für eine Person. In vielen Fällen beschließt die Familie, dass der Vater oder der älteste Sohn fliehen soll. Für Frauen und Kinder sind die Gefahren unterwegs noch größer. Ziel ist es, dass der Vater seine Familie möglichst schnell nachholen kann, wenn er selbst als Flüchtling anerkannt ist.

Was passiert mit den Menschen, wenn sie hier ankommen?
Die erste Station ist eine sogenannte Erstaufnahmeeinrichtung. Das kann ein Zelt, eine Traglufthalle, eine leerstehende Kaserne oder eine Turnhalle sein. Meist handelt es sich um eine große Halle, in der viele Menschen auf sehr engem Raum zusammenleben, ohne Platz zum Spielen oder um sich zurückzuziehen. Bei der Asylbehörde müssen die Flüchtlinge angeben, wie sie heißen, woher sie kommen und weshalb sie aus ihrer Heimat geflohen sind. Dann wird geprüft, ob die Flüchtlinge in Deutschland bleiben dürfen. Meist ziehen die Flüchtlinge nach drei Monaten in ein Flüchtlingswohnheim oder eine Wohnung um, wo sie ein bisschen mehr Platz haben und mit ihrer Familie zusammenleben können.

Müssen die Flüchtlingskinder in die Schule gehen?
Das ist in jedem Bundesland ein bisschen unterschiedlich geregelt. In den meisten Bundesländern müssen Kinder zur Schule gehen, sobald sie nicht mehr in einer Erstaufnahmeeinrichtung leben. Da die Kinder ja allermeist kein Deutsch sprechen, gehen sie erstmal in sogenannte Willkommensklassen, wo sie vor allem Deutsch lernen und erfahren, wie das Leben von Kindern in Deutschland aussieht.

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