... hinter den sieben Bergen!

Besondere Lebensumstände zwingen einen manchmal, wieder hinter die sieben Berge zu den sieben Zwergen zu ziehen. Und wenn sich dann die besonderen Lebensumstände wieder ändern, ist der Stadtrand wesentlich attraktiver.


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Mein altes ICH zog recht zeitig nach dem 18. Geburtstag von zu Hause aus. Schließlich nervte alles, was mit zu Hause zu tun hatte. Vor allem dieses Kuh-Kaff, in dem ich lebte. Ich wollte etwas anderes aus meinem Leben machen und nicht auf ewig in diesem Kaff hocken bleiben. Nicht den ersten Mann in meinem Leben heiraten, gleich 3 Kinder bekommen und aus die Maus. Mir schwante anderes. Ich zog aus in die Stadt und war disco. Ich arbeitete in einem Club und feierte so oft es ging in den Clubs. Und in die Heimat ging es wenn möglich recht selten. Mein altes ICH zog irgendwann in eine bezaubernde 50m² Stadt-Single-Wohnung. Schon bei der Wohnungsbesichtigung wusste ich: das ist mein zu Hause! Hier will ich wohnen!

Ich hatte Glück … ich bekam die Wohnung und fühlte mich sooo wohl.

Doch als der Mäusemann sich dann ankündigte war schnell klar, dass eine kleine Stadt-Single-Wohnung nur für einen Single toll ist. Für eine Mummy-Baby-WG eher ungeeignet. Und noch schneller war klar, dass eine Stadt-Mummy-Baby-Wohnung unbezahlbar werden würde. Schließlich weiß jeder, dass ein Kind quasi ein Luxus-Gut ist! Also entschloss ich mich schweren Herzens, wieder aufs Land in die Nähe der Eltern zu ziehen. Und glaubt mir, mein altes ICH war tot unglücklich. Nun wohnt mein neues ICH also hinter den sieben Bergen mit meinem Mäusemann. Ich muss sagen, es hat schon was für sich, auf der Straße Bobby-Car fahren zu können oder einen Bäcker zu haben, der noch alles selbst von Hand macht und nicht aufbackt. Es ist schön, den Wald ums Eck zu haben und dem Mäusemann die Natur nahe bringen zu können, wenn wir zum Beispiel für die Oma einen Blumenstrauß auf der Wiese pflücken oder ein Eichhörnchen dem Baum hinauf huscht. Wir hören statt Motorengeräuschen morgens die Vögel vor dem Fenster. Wir sehen oft Traktoren - welche den Mäusemann über alles beeindrucken - und Mähdrescher und manchmal auch einen Bus! Auf dem Dorf-Spielplatz ist nicht alles mit Wörtern beschmiert, welche der Mäusemann glücklicherweise noch nicht lesen kann. Dafür stehen da die Mütter, welche im selben Kaff den ersten Freund geheiratet und schwups drei Kinder bekommen haben und aus die Maus. Diese, welche nicht verstehen können, dass mein neues ICH mit dem Nicht-Freund, der nur am Wochenende kommt und welcher im Club kennen gelernt wurde, ein Kind hat. Diese, welche außer Kind nichts mehr anderes kennen und, die die letzten Styling-Tipps mit 16 gelesen haben, wenn überhaupt. Diese, welche nicht meine Freundinnen werden und mich lieber in die Stadt zur Krabbelgruppe fahren lassen. Wenn es dann regnet, stürmt oder schneit und Mum mit dem Mäusemann auf dem Land fest hockt, verflucht Mum oft die sieben Berge. Denn bei den Spritpreisen von 1,58 Euro für den Liter überlegt Mum sich fünf mal, ob Mum mal in die Stadt fährt, um einfach mit einer Freundin einen Kaffee zu trinken, in den H&M und in die Drogerie zu gehen, welche es auf dem Land nun mal nicht gibt. Tun wir es doch, ist der Mäusemann aus dem Häuschen, wenn er eine Straßenbahn sieht. Klingelt diese auch noch war das unser Highlight des Tages. Doch wer sein Ziel kennt, findet den Weg. Deshalb weiß ich, dass ich mit dem Mäusemann an den Stadtrand ziehen möchte, sobald die Jobfrage geklärt ist und der Kindergarten nach dem 3. Geburtstag ruft. Und bis dahin machen wir es uns hinter den sieben Bergen schön ... der Mäusemann und ich!