Von eingeschränktem Interesse und neuen Horizonten

Frisch gebackene Mütter interessieren sich nur für ihr Baby - das stimmt, sagt auch Andrea. Doch letztlich ist das besonders wichtig für die eigene Persönlichkeit. Warum, das erklärt Andrea hier. #insidemom


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Wofür interessieren sich Mütter? Für nichts! Und für alles! Zwischen diesen Extremen pendle auf jeden Fall ich, seit meine Tochter auf der Welt ist.

Als sie gerade geboren war, gab es sehr wenig Babyfremdes, für das ich mich interessiert habe. Die letzte Staffel „Gossip Girl“ habe ich im Wochenbett gesehen, weiter ging mein Horizont in den ersten Wochen nicht. Dafür habe ich mir aber die Finger wundgegoogelt, nach Geburtsberichten, Erlebnissen von den ersten Tagen mit Kind, Babyblueserfahrungen. Mein Interesse am Leben war zielgerichtet auf diesen neuen Abschnitt, auf den neuen Erdenbürger, auf mein Zusammenleben mit Mann und Kind.

Interessen werden vielfältiger


In den folgenden Monaten weitete sich der Radius ein wenig, die Themen Impfen, Kinderarzt, Windelinhalt und Entwicklungssprünge hielten Einzug in mein Leben. Aber dennoch, außerhalb von Kinderthemen war da nicht viel. Ich fand das aber auch nicht dramatisch, denn in der ersten Zeit fehlte mir die Konzentration. Ich war froh, wenn meine Tochter gewickelt, gestillt und glücklich war. Wenn sie nicht schrie sondern ihre Welt entdeckte. Ihre Finger, ihre Zehen, ihr Lächeln.

Nach einem halben Jahr ging mein Mann in Elternzeit und mein Interessenfeld wurde wieder größer. Plötzlich war mein Beruf wieder wichtig. Ich bin freie Journalistin und schreibe viel über Kinder- und Elternthemen. Es drehte sich also nach wie vor viel um das Leben mit Kind, nun eben nur auch aus einer beruflichen Sicht. Litt ich darunter? Nein, es war wirklich einfach kein Platz für anderes in meinen Gedanken. Ich fand das nicht schlimm, ich hatte nicht das Gefühl, mir würde etwas fehlen. Weil alles so schön und so perfekt war. Mein Mann, meine Tochter und ich.
Reisen bildet – auch Interessen
Dann gingen wir auf Reisen und alles änderte sich. Ich begann wieder Bücher zu lesen, gute Bücher, nicht nur Zeitschriften und Ratgeber. Mein sehr ausgeprägtes Interesse an Kleidung kehrte zurück. Das hatte ich ob dem Afterbabybody, den ich sehr mochte, der aber nicht Neue-Kleider-tauglich war, vollkommen einschlafen lassen. Im Urlaub aber fühlte ich mich gelöst, gelassen und bereit für neue Kleider. Und Jumpsuits. Auch gutes Essen war plötzlich wieder ein Thema. Selber kochen, in Ruhe genießen. Gemeinsam zusammensitzen, erzählen und lachen. Auf die einzelnen Zutaten achten, Neues zusammenmixen, Zucker weglassen.
Interesse am selber machen
Apropos selbst herstellen. Dies scheint inzwischen eines meiner absoluten Herzensthemen zu sein. Ich interessiere mich nicht nur für Selbstgekochtes, sondern auch für Selbsterzeugtes. Ob Honig, Obst und Gemüse oder Brot, am liebsten würde ich alles selbst herstellen, selbst anpflanzen. Weil ich dann diesen ganzen Prozess überblicken kann. Weil ich weiß, wieviel Arbeit es macht, ein Beet mit Möhren oder Kartoffeln anzulegen, das Gemüse zu hegen und zu pflegen und es schließlich als Gericht auf dem Teller zu haben. Den ganzen Kreislauf mitverfolgen, das interessiert mich plötzlich sehr.


„Mein Interessenhorizont ist unendlich groß geworden, sehr viel größer als er vor der Geburt meiner Tochter war ...”

von Andrea Zschocher

Was ich nie nie nie für möglich gehalten habe, ist vor einigen Wochen passiert. Ich habe angefangen, die Kleidung für meine Tochter selbst zu nähen. Und experimentiere nun auch mit selbstgenähten Kleidern für mich. Nicht, weil ich das müsste, sondern weil ich es lernen will. Weil ich meiner Tochter eben gern einen Pullover selber nähen möchte, statt ihn einfach irgendwo zu kaufen. Es hat für mich viel mit Hingabe und Liebe zu tun, Dinge für jemand anderen herzustellen. Es macht mir Freude und ich entdecke beinahe täglich neue Sachen. Und ja, ich lerne auch mich noch einmal neu kennen, durch meine neuen Interessen.

Was ich mit all den Sachen zeigen will: Mein Interessenhorizont ist unendlich groß geworden, sehr viel größer als er vor der Geburt meiner Tochter war. Wenn ich mich in den ersten Wochen zu Dritt für gar nichts interessiert habe, bin ich jetzt für so viele Dinge offen. Meine Tochter hilft mir dabei Neues zu entdecken und meinen Horizont zu erweitern. DAS ist wohl die größte Überraschung von allen. Aber ich liebe es.

Wie ist das bei euch? Habt ihr etwas ganz Neues entdeckt, von dem ihr nie geglaubt hättet, dass es euch interessiert?


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insidemom: Andrea Zschocher


Hier schreibt: Andrea Zschocher

Andrea Zschocher ist freie Journalistin und schreibt vor allem Artikel rund um das Thema Familie. Darüber hinaus bloggt sie auf „Runzelfüßchen“ über das Leben mit Kleinkind und die schönen Momente dabei. Denn egal wie anstrengend das Zusammensein mit einem kleinen Wirbelwind manchmal ist, jeder Tag ist doch auch wunderschön. 
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