Ich bin nicht egoistisch. Ich bin selbstbestimmt.

Wessen Bedürfnisse kommen zuerst, meine oder die meines Sohnes? Inzwischen hat Anna für sich einen Antwort gefunden. Manche würden sagen, sie sei egositisch ...  #insidemom 


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Nach knapp 15 Monaten Mutterschaft kann ich sagen: Muttersein bedeutet für mich ein ständiges Entscheiden, Ermessen, Abwägen und Austarieren zwischen meinen Bedürfnissen und denen meinen Sohnes.

Die ersten Monate nach der Geburt waren für mich in vielerlei Hinsicht überraschend und hart. Eben auch, weil ich mich mit dieser neuen Rolle als Mutter auseinandersetzen musste. Plötzlich ohne Job und völlig fremdbestimmt hatte ich, glaube ich, eine Art Identitätskrise. Von Anfang an gab es Probleme mit der Hausfrauen- und Mutterrolle. Ich war ziemlich unzufrieden und fühlte mich wie gefangen.

Meine Bedürfnisse und seine


Nach einigen Wochen fing ich an meine Gefühle zu ordnen und meine Bedürfnisse wahrzunehmen. Seit dem setze ich mich ständig damit auseinander, was mein Sohn braucht, wieviel ich ihm geben muss, geben will und geben kann. Was sind seine Bedürfnisse und was muss befriedigt werden? Aber auch: Was sind meine Bedürfnisse und was muss befriedigt werden? Wie sieht ein gesunder Kompromiss zwischen Mutter und Kind aus?


„Die ersten Monate der Geburt waren für mich in vielerlei Hinsicht überraschend und hart. Eben auch, weil ich mich mit dieser neuen Rolle als Mutter auseinandersetzen musste. Plötzlich ohne Job und völlig fremdbestimmt hatte ich, glaube ich, eine Art Identitätskrise ...”

von Anna Hentsch

Das waren und sind sehr emotionale oder auch praktische Entscheidungen: Wie laut und ehrlich darf ich sagen, dass ich Probleme mit meiner Mutterrolle habe? Wie lange stille ich? Wann lasse ich ihn das erste Mal alleine mit seinem Vater und gehe aus? Wird er dann denken, ich liebe ihn nicht? Wie lange kann ich mich ins Nebenzimmer zurückziehen? Wann und wie lange geben wir ihn in die Krippe? Wieviel und wann arbeite ich wieder? Ist es ok, dass es für mich keine Option ist, Hausfrau zu sein? Kann ich einfordern, ein ganzes Wochenende nach Berlin und dann auf ein Festival zu fahren? (Ja!)

Anfangs war ich beim Entscheiden sehr unsicher.
Jetzt ist es viel besser. Im Moment haben wir als Familie einen tollen Weg gefunden, bei dem wir alle als Einzelpersonen und mit allen Facetten unserer Bedürfnisse wahrgenommen werden. Vater-Mutter-Kind, ich denke wir sind glücklich. Die ständige Auseinandersetzung mit Gefühlen, die gerne gemachten Zugeständnisse, die zähneknirschenden Kompromisse haben sich für uns gelohnt.
Ich dachte, mit mir stimmt irgendetwas nicht
In diesen 15 Monaten habe ich viel gelernt. Ich empfand meine Einstellung zu dem Thema Mutterschaft, und dass ich mich auch nach der Geburt als autonome Person wahrgenommen habe, immer als Problem. Jetzt sehe ich das anders: Ich habe verstanden, dass die Erwartungen von außen mein Problem sind. Was von Müttern erwartet wird und was ich deshalb als Maß, an dem ich mich messen muss, ansehe. Dazu noch die (wahrscheinlich gut gemeinten) Ratschläge und Kommentare zu meiner Familienführung von außen. So hatte ich oft das Gefühl, als Mutter nicht auszureichen. Ich dachte mit mir stimmt irgendwas nicht, weil ich nicht ab dem Zeitpunkt der Geburt zur Übermutter mut(t)iert bin.

Ich bin in den Augen vieler Mütter vielleicht egoistisch. Wenn man es aber selbstbestimmt nennt, hört es sich gleich anders an. Ich kenne meine Bedürfnisse und bin nicht bereit, mich völlig für die Mutterschaft aufzugeben. Trotz allem bin ich stolz und glücklich Mutter zu sein. Vielleicht bin ich nicht so wie es manch einer gerne hätte, aber so bin ich eben. Und ich weiß jetzt: Das ist auch gut so. Denn Jeder muss seinen eigenen Weg finden um glücklich zu werden, auch wenn es manchmal ein unpopulärer Mittelweg ist.

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Hier schreibt: Anna Hentsch


#insidemom: Anna Hentsch


Ich bin Anna Hentsch, 33 Jahre alt, Paul ist mein erstes (Wunsch)Kind. Ich bin freie Redakteurin (insb. Im Bereich Food, Living und Lifestyle) und versuche gerade Job und Kind unter einen Hut zu kriegen. Nebenbei blogge ich mit einer Freundin zusammen ganz frisch über unser Mutti-Dasein unter kaeptnmutti.wordpress.com.

An #insidemom interessiert mich, dass es eine Möglichkeit gibt, sich das "Innenleben" von anderen Müttern anzuschauen. Dann kann man sich wiederfinden und merkt, dass es anderen auch so geht, und das es völlig ok ist wie man sich fühlt und wie man sein Muttersein lebt. Außerdem zeigt insidemom, dass es viele richtige und doch so unterschiedliche Wege gibt ein Kind groß zu ziehen. :)
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