Frau oder Mutter - wer bin ich eigentlich?

Plötzlich ist man nicht mehr nur "Frau", sondern auch und vor allem Mutter: Juliana schreibt für #insidemom über diese anfängliche innere Zerrissenheit und einen langsamen Anpassungprozess. Weil am Anfang eben nicht alles grandios ist.


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Frau und Mutter - als der innere Dialog startete


Juli 2014 - ich war schwanger. Schock - Freude - Angst - Fragen über Fragen und dann war da plötzlich diese kleine immer lauter werdende Stimme in mir.  Nichtsahnend stolperte ich in die Rolle der Schwangeren und nichtsahnend ging es weiter ins Mutter-Sein. Die Freude war so groß – mindestens genauso groß, wie die Ahnungslosigkeit darüber was mich erwarten sollte. Denn bis dato war ich als Frau nur Freundin, Weggefährtin, Arbeitnehmerin, WG-Mitbewohnerin, Tochter, Enkelin, etc. Wie sollte sich das alles mit dem Mutter-Sein ändern?

Nach der Verkündung der frohen Botschaft, gab es nur noch ein Thema: unseren kleinen Höhlenbewohner. Schnell fühlte ich mich als Frau beraubt. Beraubt von Nachfragen, die nur mich betrafen, beraubt von meiner geplanten Zukunft, beraubt von meiner WG, beraubt von einem Körper, der nur mir gehörte, beraubt von meiner Arbeit. Während die neue Stimme – die bald Mama - in mir jubelte, sich freute, weil sie mit ganz vielen Freunden von sich schwanger geworden ist, ganz kribbelig vor Aufregung war und in Gedanken schon einmal den Nestbau durchging.

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Ein neues Ich?

Ambivalente Gefühle machten sich in mir breit. Wie sollte ich damit nur fertig werden? Meine alten Rollen bekamen Gesellschaft von etwas Neuem. Einer neuen Rolle, die komplett neue Gefühle in mir zu Tage beförderte. Sie brauchte Platz, Platz um sich mit der Frau in mir, meinem ICH zu vereinen. Aber so wie man in die Rolle der Tochter, der Arbeitnehmerin oder Freundin hereinwächst, musste die Mama-Rolle auch erst einmal wachsen.


„So war es der Mama herzlich egal, ob sie es am Tag einmal unter die Dusche schaffte, aber die Frau sorgte dafür, dass es jeden Tag zu diesen 5 Minuten Erholung kam. Dieses Mal entschied die Mutter den Schlagabtausch für sich und die Frau steckte zurück....”

von Juliana

Gut, dass die Mama von Natur aus viel Verständnis aufweist, denn während der Schwangerschaft hatte definitiv die Frau in mir die Oberhand. Ich buchte Kino-, Theater- und Konzerttickets, machte Treffen mit Freunden aus und verplante unsere gesamte Freizeit, denn so wie ich gehört hatte, gab es demnächst nur eins: 24/7 das Baby und wir. Zusammengefasst - Torschusspanik im Sinne „mein Leben wie ich es kannte, wird zu Ende sein“ überkam die Frau in mir und der vollgestopfte Terminplaner wurde nahtlos abgelaufen.

Die Mutter in mir rebellierte nicht, ich bin gern viel unterwegs und verplane mich – sie forderte nur ihren Tribut, wollte Babysachen shoppen auf der Freizeit-Todo-Liste wissen und genoss die Momente, wenn ich abends auf dem Sofa lag und schaute, ob mein Bauch gewachsen wäre, über meine Kugel streichelte oder meinem kleinen Krümel beim Boxtraining zusah.

Der erste Konflikt zwischen Frau und Mutter tat sich im vierten Monat auf. Die beiden prallten ungebremst aufeinander. Zündstoff lieferte die Frage, ob man noch in den Urlaub (Sri Lanka) fliegen darf? Gott sei Dank, gibt es in dieser schwierigen Zeit eine diplomatische Partei namens zukünftiger Papa. Erste Aufgabe seinerseits war die Hormone aus dem Ringkampf zu entfernen – viel Kuscheln, Tränen wegwischen, im Internet recherchieren und Sicherheit geben. Zweite Aufgabe war es eine Aussage treffen, wie er sich entscheiden würde. Er machte alles großartig, sodass schließlich die Frau die Mutter in mir überzeugte. Wir flogen.

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Mutter-Sein vs. Vorstellung davon, Mutter zu sein

Nach der Geburt meines Krümels entfachte der Dialog der beiden Seiten in mir auf ein Neues. Denn beide waren einfach überrumpelt von der neuen Situation mit Kind. Sie bekamen wenig Schlaf - waren entzückt von ihrem kleinen Schatz - waren angespannt, ob sie alles richtig machen würden - fühlten sich wie fremdgesteuert - spürten die Nachwirkungen von der Geburt - und - und - und. So war es der Mama herzlich egal, ob sie es am Tag einmal unter die Dusche schaffte, aber die Frau sorgte dafür, dass es jeden Tag zu diesen 5 Minuten Erholung kam. Dieses Mal entschied die Mutter den Schlagabtausch für sich und die Frau steckte zurück. Die Frau ordnete sich unter und bekam so das Gefühl fremdgesteuert zu sein. Der Konsens war, dass es zu diesem Zeitpunkt ganz klar um das Wohl des Krümels gehen würde. Und sobald, sich alle besser mit ihren neuen Rollen identifiziert hatten, die Karten neu gemischt werden könnten.
Wie das Zusammenwachsen funktionierte
Das Wohlfühlen und Annehmen der neuen Rolle ging einher mit dem Heranwachsen des kleinen Krümels. Er lernte wahnsinnig schnell und je selbstständiger der Krümel wurde, desto mehr bekamen die Mama und die Frau in mir gewisse Freiheiten zurück.

Stück für Stück fügte sich alles. Zeit und Verständnis für einen selbst waren dabei wichtig. Vielleicht kennt diesen inneren Dialog die ein oder andere Neu-Mama? Die anfängliche innere Zerrissenheit über die Bedürfnisse des Babys und die eigenen Bedürfnisse? Der wackelige Start, der von Unsicherheit geprägt ist? Das Vertraute eintauschen und das Ungewisse mit offenen Armen zu empfangen?

Die Dialoge werden so langsam weniger – was gut ist, denn das erklärte Ziel am Ende ist nicht Frau und Mutter zu sein, sondern einfach wieder ICH zu sein und mich macht es aus Freundin, Arbeitnehmerin und Mutter zu sein.

 
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insidemom Juliana Schmidt


Hier schreibt: Juliana Schmidt
 
Ich bin Jule (27) und seit März 2015 Mitglied im Mama-Club. Da ich mich beruflich mit dem Thema Online Marketing beschäftige, stand für mich fest, dass ich in der Elternzeit ein eigenes Online-Projekt starten wollte - das findet sich nun auf kruemel.space und kugeltastisch wieder.

Die Reihe #insidemom ist vom Grundgedanken her einfach großartig. Sie zeigt, wie unterschiedlich Mütter und ihre Kinder sind und wie sie sich gleichzeitig mit ähnlichen Fragen und Problemen beschäftigen. 
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