Eltern, ihr erzieht zu viel

Kindererziehung: Darüber zerbrechen sich viele Mütter den Kopf. Günes nicht. Sie ist der Überzeugung, Kinder muss man gar nicht erziehen. Arbeite lieber an dir selbst, ein guter Mensch zu sein. #insidemom 


(0)

Melden Sie sich in unserer Community an, um Beiträge zu Ihren Favoriten hinzuzufügen.

Jetzt anmelden
Als Mutter von drei Kindern habe ich dreimal das Wunder erleben dürfen, dass Kinder auf die Welt kommen und absolut positiv eingestellt sind. Sie kennen nicht, was Rassismus ist, was häßlich ist und was Stress bedeutet. Sie lachen jeden an, solange er sie nicht erschreckt. Doch je größer sie werden, desto mehr sind sie Einflüssen ausgesetzt. Durch uns, die Eltern, durch andere Eltern, durch andere Kinder und durch Werbung.

Ein Kind ist ein unbemaltes Blatt Papier mit tollen Talenten und einer positiven Einstellung. Wir machen sie zu Prinzessinnen und Rittern. Wir stecken sie in Rollen und drücken ihnen unsere Erwartungen auf. „Wann krabbelte deiner? Wann drehte sich deiner? Ach, er schläft immer noch nicht durch?“ Wir belehren sie, wir sagen ihnen, wie naiv sie sind. Wir setzen sie unserem Leistungsempfinden aus, wir stressen sie, weil wir uns stressen und wir übertragen unsere Ängste auf sie: Geh da nicht hin, du fällst da runter, benimm dich, hör auf zu trödeln.

Meine Kinder sollen ihr eigenes Tempo finden


Und soll ich eines sagen? Es interessiert mich nicht, was andere über meine Kinder denken. Meine Kinder sollen ihr Tempo finden und sich nicht davon ablenken lassen, dass andere finden sie seien zu lahm, zu dumm, zu aktiv oder zu ruhig. Meine Kinder sind toll wie sie sind. Eure Kinder auch. Warum geben wir uns dann dem Stress überhaupt hin? Wieso vergleichen wir uns und unsere Kinder?


„Ein Kind ist ein unbemaltes Blatt Papier mit tollen Talenten und einer positiven Einstellung. Wir machen sie zu Prinzessinnen und  Rittern. Wir stecken sie in Rollen und drücken ihnen unsere Erwartungen auf ...”

von Günes Seyfarth

Ich denke, weil wir verlernt haben, auf unsere Intuition zu hören. Wir trauen dem Gefühl in uns drin nicht. Deswegen lesen wir Ratgeber, rennen wegen jedem bisschen zum Arzt und kontrollieren – anstatt zu sehen, zu fragen und zu fühlen. Daher plädiere ich dafür, sich Zeit zu nehmen und zu geben.

Und ganz ehrlich: Wenn wir uns weniger dem Zeitdruck hingeben, wenn wir uns weniger dem Konsum hingeben und wenn wir weniger fernsehen würden, hätten wir mehr Zeit. Zeit, um unsere Kinder anzusehen, sie zu beobachten, jede Nuance ihrer Entwicklung wahrzunehmen, ihre Neugier zu sehen, uns davon anstecken zu lassen. Zu erkennen, dass Fragen gut sind, dass Fremde freundlich sind und dass wir es in der Hand haben, ob wir gestresst sind oder nicht.
Wenn wir selbst wissen wo wir stehen ...

Das bedeutet nicht, nicht zu arbeiten, seine Rollen als Frau, Geliebte, Engagierte, Feiernde und Arbeitnehmerin oder Selbständige zu vernachlässigen, sondern es heißt, präsent zu sein. Da zu sein – in jedem Moment unseres Lebens. Das sollten wir eh mehr tun und uns nicht ablenken lassen von Smartphones und den Todos des nächsten Tages. Sondern da sein, mit anderen sein, bei sich sein. Und wenn wir erstmal wissen wo wir stehen, werden unsere Kinder auch wissen wo sie stehen. Ohne sich schlecht zu fühlen, weil der Schulkamerad mehr hat, mehr kann oder mehr weiß.

Denn wie Karl Valentin bereits sagte: Wir brauchen Kinder nicht zu erziehen. Sie machen uns eh alles nach. In diesem Sinne: Lasst uns bei uns ansetzen, nicht bei den Kindern.

 Das könnte Sie interessieren: Ist mein Kind normal?

Wie weit geht normales Verhalten bei Kindern – und wann werden ihre Eigenheiten kritisch? Antworten auf eine oft gestellte Frage junger Eltern.



_________________________________________________________________

Hier schreibt: Günes Seyfarth


#insdiemom: Günes Seyfarth


Ich bin Günes und habe die Tausch- und Verkaufsplattform Mamikreisel für alles rund um Babys, Kinder und Schwangere ins Leben gerufen. Ich bin 35 Jahre, habe drei süße Jungs im Alter von knapp zwei, vier und sechs Jahren und lebe in München. Da ich immer nach Lösungen suche, habe ich auch eine Krippe und Kindergarten gegründet, in der meine Kinder betreut werden. So kann ich meiner Arbeit nachgehen und weiß, dass es meinen Kindern gut geht.

Die Aktion #insidemom finde ich gut, da in unserer heutigen Gesellschaft jede Mama ihren Weg findet, wie sie lebt, Mama ist und Mensch bleibt. Ich finde es spannend, die Geschichten anderer Mamis zu lesen und mich davon inspirieren zu lassen.

_________________________________________________________________



Logo #insidemom


© vision net ag

Alle Beiträge zu #insidemom lesen Sie auf unserer Themenseite. Hier erzählen Frauen - absolut ehrlich und offen - was ihr Mutter-Herz wirklich bewegt.

Das Ziel? Ein buntes Mosaik von Gedanken, Erfahrungen, Erlebnissen und Standpunkten. Jede Erfahrung am Mutter sein, jedes Thema ist willkommen und steht für sich selbst. Steht stellvertretend für einen Weg. Ohne Vergleiche und ohne Wertung.



mehr zum Thema
#insidemom Freizeit kontrovers Mama
Artikel kommentieren
Login