Das Mama-Monster und ich

Die Erwartung an mich selbst sitzt zu oft auf dem hohen Ross. Ich muss sie herunterheben und ihr und dem Mama-Monster auf Augenhöhe begegnen. #insidemom 


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Das Mama Monster

In jeder Mutter steckt es: das Mama-Monster ...


© iStock

„Das Mama-Monster, das ist die nicht so gute Seite an mir. Das Mama-Monster ist laut und genervt und brüllt wie ein Löwe. Es benimmt sich meist nicht weniger „kindisch“ als seine Opfer, stampft mit dem Fuß auf und knallt Türen. ...”

von Katja Niederländer

Kaum eine Sache ist anstrengender und intensiver als das Eltern-Sein. Und manchmal ist es auch wirklich harte Arbeit. Denn Kinder fordern einen jeden Tag heraus und fördern nicht immer nur die besten Seiten an uns Eltern zutage. Ich weiß nicht, wie es anderen Mamas und Papas geht. Aber ich selbst gerate im Alltag mit meinen drei und sieben Jahre alten Töchtern oft in Situationen, in denen ich mich echt überfordert fühle. Momente, in denen ich meinen Koffer packen, ein One-Way-Ticket nach Ganzweitweg kaufen und mich aus dem Staub machen will. Augenblicke, in denen ich nicht ruhig oder logisch oder reflektiert sein kann. Wenn die Große mal wieder einen Vorpubertätstag hat und nahtlos und perfekt zwischen Ignoranz und Zickigkeit switcht, während die Kleine einen noch unverbrauchten Schub Trotzkind in der letzten Ecke gefunden und sich einverleibt hat, dann… Dann muss nur die Mondphase unglücklich sein und der falsche Fuß am Morgen den Boden berührt haben, und schon kommt das Mama-Monster in mir zum Vorschein.

Achtung, Monster inside!


Das Mama-Monster, das ist die nicht so gute Seite an mir. Das Mama-Monster ist laut und genervt und brüllt wie ein Löwe. Das Mama-Monster kann echt keiner leiden - aber so richtig gefürchtet ist es dann auch nicht. Das Mama-Monster benimmt sich meist nicht weniger „kindisch“ als seine Opfer, stampft mit dem Fuß auf und knallt Türen. Kurz: Das Mama-Monster ist eigentlich richtig doof. Und ich glaube, keine Airline der Welt würde diesem Monster ein One-Way-Ticket nach Ganzweitweg verkaufen…

Dann ist der Augenblick auch schon vorbei. Füße wurden aufgestampft, es wurde wie ein Löwe gebrüllt, Türen wurden zugeworfen und alle haben sich wieder lieb. Und dann kommt der Moment, in dem ich das Mama-Monster auf den Mond schießen will. Und genau hier fängt die Arbeit an, die das Eltern-Sein so richtig anstrengend macht: Die Arbeit an sich selbst. Das „Was hast du falsch gemacht?“, das „War das nötig?“. Und schon stelle ich mir die Fragen, die man auch seinen Kindern als Bestrafung aufdrückt. Die Fragen, die ich in guten und friedlichen Momenten immer leicht beantworten kann und deren Lösung ich doch im nächsten Stressmoment wieder nicht parat habe.

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Auch Mama darf trotzig sein

Einen richtigen Weg habe ich für das Mama-Monster und mich noch nicht gefunden. Aber meine beste Freundin sagte mal, dass Menschen, die sich all diese Fragen stellen und so reflektiert mit ihren eigenen Fehlern umgehen, schon auf einem guten Weg sind. Und ich glaube, dass sie damit Recht hat. Denn wie so oft ist der Weg das Ziel. Ich selbst arbeite jeden Tag an mir. Und ich mache manchmal Fort-, dann aber auch wieder Rückschritte. Das hat mich oft sehr traurig gemacht. Und fertig. Und deprimiert. Aber mittlerweile denke ich, dass man einfach weiter daran arbeiten und sich vor allem selbst verzeihen muss. Die Kinder verzeihen dem Mama-Monster nämlich viel schneller, als es sich selbst vergeben kann. Und ich glaube, dass ich als Mutter oft auch zu streng zu mir bin. Meinen Kindern gestehe ich gelegentliche Wutausbrüche mit Türenknallen und Fußaufstampfen doch auch zu. Wir sind so. Wir sind temperamentvoll und sensibel, laut und liebevoll, stinksauer und empathisch. Wir drei Frauen müssen unseren Dampf ablassen. Und dann ist es wieder gut. Dann lachen wir über uns, die Situation und liegen uns in den Armen.

Die Erwartung an mich selbst sitzt zu oft auf dem hohen Ross. Ich muss sie herunterheben und ihr und dem Mama-Monster auf Augenhöhe begegnen. Zusammen Kaffee trinken. Und sowieso, eine nette Monster-Familie kann ja eigentlich auch ganz liebenswert sein.

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#insidemom: Katja Niederländer


Hier schreibt: Katja Niederländer

Ich bin Katja, 35 Jahre alt und Mutter von zwei Mädchen (fast 3 und 6). Zusammen mit meinem Mann leben wir alle im schönen, grünen Tübingen.

Ich blogge als Grummelmama über den Alltag mit Kindern und spreche Themen an, die oft ein Tabu sind. Ich möchte gerne das Bild der Mutter an sich aus dem aufgesetzten Heiligenschein-Bereich ins wahre Leben rücken und Frauen und Müttern so die Chance geben, einfach Dinge sagen zu dürfen, ohne verurteilt zu werden. Das ist auch der Grund, warum ich bei der tollen Aktion #insidemom mitmache.



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