Ich, mein Kind und die Müttermafia

Der Vergleich mit den anderen Müttern. Das Gefühl, nicht in das Schema zu passen. Mareike hat erkannt, dass es die Müttermafia wirklich gibt - allerdings ganz anders, als sie gedacht hatte. #insidemom


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(K)Eine freie Entscheidung


Wie bei vielen Mamas hat sich das Leben mit dem Kleinen nun gut eingependelt und in Babytreffs oder Krabbelgruppen sprechen wir nun schon über den beruflichen Wiedereinstieg. Ein Großteil der Mütter wird nach einem Jahr arbeiten gehen. Ich habe immer gesagt, dass ich es von der Krippe abhängig mache. Bekommen wir einen Platz, werde auch ich wieder arbeiten gehen. Aber mittlerweile wollen mein Freund und ich ein zweites Kind. Und dieser Wunsch ist aktuell so viel größer als der Wunsch nach dem beruflichen Wiedereinstieg.


„Ich denke es gehört zur Natur der Frau, sich mit anderen Frauen zu vergleichen. Muttersein ändert daran nichts, nur dass sich der Fokus ändert. Ich war wirklich verzweifelt, weil ich irgendwann ernsthaft geglaubt habe, dass ich als Mutter mit platinblonden kurzen Haaren, Nerd-Brille und Sneaker nicht so in das Mutti-Schema passe ...”

von Mareike

Sollte ich jetzt wieder schwanger werden, dann macht es überhaupt keinen Sinn wieder ins Büro zu gehen, um dann drei oder vier Monate später wieder in Elternzeit zu wechseln. Doch im Gespräch mit anderen Müttern tauchten wieder neue Fragen auf: Was passiert mit dem Krippenplatz, falls wir eine Zusage erhalten würden? Muss ich den dann ab 1. September 2015 nehmen oder kann ich zurück treten? Und schaffe ich es, mich um den Kleinen zu kümmern und ihn dann trotz Schwangerschaft in den vierten Stock ohne Aufzug zu tragen. Ich bin schwer am Überlegen! Egal wie ich mich entscheide, es wird weitreichende Konsequenzen auf unser Familienleben haben.

Die Entscheidung zwischen Kinderkrippe oder zweitem Kind ist nun sehr plötzlich und sehr heftig über mich gekommen. Viel länger beschäftige ich mich mit der Erziehung von Nepomuk. Wie soll er aufwachsen? Wie wollen wir ihn erziehen? Dass wir ihm bestimmte Werte und Vorstellungen vermitteln werden ist klar. Aber wie soll ich ihn auf das Leben vorbereiten?

Gestern waren wir in einem riesigen Spiel- und Freizeitmarkt unterwegs und sind an dem Bereich „Kaufladen“ vorbeigekommen. So toll ich einen Kaufladen finde, so unterirdisch finde ich es, dass die großen Marken wie Nestle oder Ferrero schon die Kleinen branden wollen, indem sie Nutellagläser oder Kinder Schokoriegel aus Plastik anbieten. Den Vogel hat aber das Plastikobst abgeschossen, das die Kinder dann zerschneiden können. Ehrlich, was spricht dagegen sich mit dem Kind hinzusetzen und ihm zu zeigen, wie man eine richtige Banane schneidet oder wie man einen echten Kuchen backt? Aus meiner Sicht: Gar nichts. Darum habe ich mich für das Montessori Konzept entschieden. Wie sehr Nepomuk dann Lust auf das Sortieren von Knöpfen oder das Schneiden von Obst hat, das werden wir später sehen.
Auf dem Prüfstand: Passe ich ins Mutti-Schema?
Ich denke es gehört zur Natur der Frau, sich mit anderen Frauen zu vergleichen. Muttersein ändert daran nichts, nur dass sich der Fokus ändert. Ich denke es ist völlig natürlich, dass man sich mit anderen Müttern vergleicht und natürlich auch schaut, wo das eigene Baby im Verhältnis zu anderen steht. Mein Sohn ist im Vergleich zu anderen ziemlich pflegeleicht. Er hatte keine Koliken,  er schreit nur, wenn er Hunger hat, müde ist oder einfach nur Nähe braucht. Mein Sohn muss sich, wie jedes andere Baby, nun wirklich nicht verstecken. Versteckt hätte ich mich am liebsten, wenn es um das Thema „Stillen“ ging. Natürlich habe ich meinen Sohn gestillt, doch mit dem Vollstillen hat es nie funktioniert. Sicher konnte ich ihn ein paar Tage voll stillen, aber dann hat die Milch wieder nicht ausgereicht und wir mussten zufüttern. Als ich im November den New York Marathon gelaufen bin, war Nepomuk drei Monate alt. Wer schon mal in New York oder generell in den USA war, der weiß, dass es dort nicht gern gesehen wird, wenn ein Baby gestillt wird. Ich habe also viel zugefüttert und kaum gestillt.

Das Ende vom Lied: Kurz nach den USA war meine Muttermilch weg und ich hatte mit einmal abgestillt. Ich habe mich sehr schlecht gefühlt, wenn der Großteil der Mütter um mich herum gestillt hat und es bei mir einfach nicht mehr ging. Über diese Zeit hat mir die Tatsache geholfen, dass ich den New York Marathon gelaufen bin und keine andere Mutter das geschafft hat. In drei Jahren wird es keine Rolle mehr spielen, ob Nepomuk mit drei, sechs oder neun Monaten abgestillt wurde. Und allen Unkenrufen und Hebammengeschwätz zum Trotz: Mein Sohn war bisher noch nicht einmal krank. Doch das Stillen war und wird nie der einzige Bereich bleiben, in dem ich mich mit anderen Müttern vergleiche. Ich sehe Mütter, die so schnell mit anderen Müttern in Kontakt kommen und dann gemeinsam den Kinderwagen durch die Gegend schieben. Das macht mich traurig, denn über Babykurse oder den Geburtsvorbereitungskurs habe ich nie jemanden kennengelernt, mit dem ich spazieren oder Kaffee trinken konnte. Ich war wirklich verzweifelt, weil ich irgendwann ernsthaft geglaubt habe, dass ich als Mutter mit platinblonden kurzen Haaren, Nerd-Brille und Sneaker nicht so in das Mutti-Schema passe. Mittlerweile bin ich froh, dass ich meine Spaziergänge allein machen kann. Einen Bedarf an regelmäßigen Mama-Kontakten habe ich nun nicht mehr. Wir gehen jede Woche in Baby-Treffs und ich freue mich dort die Mamas zu sehen, mir ihre Geschichten anzuhören und sich untereinander auszutauschen. Aber ich bin auch froh, wenn ich dann wieder mit dem Kleinen allein bin und nicht das Gefühl habe, dass ich von anderen in meinem Tun und Handeln beobachtet werde.
Die Müttermafia existiert ...
Gerade weil ich jetzt bei so vielen Kursen und Treffen war, kann ich sagen, dass es die Müttermafia gibt - und zwar in meinem Kopf. Ich habe bis auf ein, zwei Mal keine Mutter erlebt, die mit ihrem Kind geprahlt hat oder jedem erzählt wie einfach alles ist: Kind, Haushalt und Partnerschaft. Im Gegenteil! Oft waren und sind die Mamas ehrlich und sprechen offen über ihre Ängste und Probleme und das finde ich toll. Ich hatte in den ersten Wochen so viele Komplexe, dass ich als Mutter versagt habe, aber mittlerweile bin ich der festen Überzeugung, dass wir alles auf unsere Weise richtig machen. Sicher gibt es Muttis, die denken, dass ich zu viel mit dem Kleinen unternehme, aber für Nepomuk ist jeder Ausflug toll und er liebt es Menschen zu sehen. Selbst der Kinderarzt hat mir bei der U5 gesagt, dass er genau sieht, ob die Kinder in einer guten Umgebung aufwachsen und er Nepomuk als glücklichen und offenen Jungen erlebt. Ein Zeichen dafür, dass wir bisher alles richtig gemacht haben. Ich gehöre nun einfach zu den Menschen, die sich über alles Gedanken machen: Geschehnisse, Aussagen oder Zusammenkünfte. Mein Kopf rattert immer. Ich selbst muss noch lernen, dass gerade im Hinblick auf Kinder vieles spontan und aus dem Bauch heraus geschieht. Ich denke jede Mutter entscheidet in ihrer Situation mit ihrem Background fast immer richtig, egal was die anderen Mütter, Väter oder Großeltern denken mögen.

Natürlich gibt es noch so viele andere Sorgen und Themen, die mir als Mutter und auch als Frau im Kopf rumschwirren, doch das würde jetzt den eh schon sehr breiten Rahmen sprengen.


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#insidemom: Mareike


Hier schreibt: Mareike


Ich heiße Mareike, bin 33 Jahre alt und lebe mit meinem sechs Monate alten Sohn Nepomuk in München. Als ich den Aufruf von familie.de gehört habe, war ich gleich begeistert, denn mich interessiert es sehr, wie andere Mütter denken und fühlen. Im Vergleich zu vielen Müttern bin ich ja eher eine Neu-Mama, aber auch ich mache mir über viele Dinge Gedanken, zum Teil über Themen in der Gegenwart, zum Teil aber auch über welche, die noch weit in der Zukunft liegen.

Seit Januar 2015 schreibe ich regelmäßig auf meinem Blog www.taffmother.de zu verschiedenen Themen, wie meine Umstellung auf vegane Ernährung oder mein Kampf gegen die Schwangerschaftskilos.

In Hashtags lässt sich mein Blog ganz einfach beschreiben: #vegan #rawfood #mama #family #fitness #sport #diet  #munich

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