Mit viel Nähe und Liebe kann man kein Kind verwöhnen

Dein Kind ist verwöhnt! Ein Vorwurf, den Renate häufig hört. Doch sie ist der Überzeugung, eine Mutter kann ihrem Kind gar nicht genug Liebe schenken. Warum, erklärt sie hier #insidemom.


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„Verwöhntes Kleinkind“, „Die hat Euch voll im Griff“ oder „Lasst Euch doch nicht auf der Nase herumtanzen“ sind nur einige der Kommentare, die ich mir schon öfter anhören musste, wenn es um unsere Tochter geht. Immer wieder lasse ich mich von solchen schlauen Ratschlägen verunsichern und überdenke, ob wir vielleicht doch etwas anders machen müssten oder strenger sein.

Natürlich hört unsere Tochter mal ein NEIN, wenn etwas nicht für ihre Hände bestimmt ist. Allerdings ist es kein Nein, das allein für sich steht, sondern immer verbunden mit einer Erklärung, z.B. weil es ihr nicht gehört, weil es kaputt geht oder sie sich sonst weh tut. Häufig akzeptiert sie es, manchmal weint sie auch. Verstanden hat sie es, aber sie möchte natürlich auch ausprobieren und selbst erleben, was wir so oft wie möglich zulassen, um sie in ihrer Entwicklung zu unterstützen.
Wir brauchen eigentlich keine Zeit für uns

Mit ihrem Weinen, ihrer Traurigkeit, ihrer Wut lassen wir sie nie alleine. Ohne viele Worte sind wir dann einfach für sie da und geben ihr das, was sie in der Situation am Meisten braucht: Nähe und Sicherheit! Egal wie beschäftigt ich bin - wenn sie sagt „Arm nehmen“, dann nehme ich sie in den Arm und sie kuschelt sich an mich. Ich genieße es, dass sie sich regelmäßig die Nähe holt, die sie braucht. Auf der anderen Seite ist sie sehr offen und neugierig und beschäftigt sich auch einige Zeit allein mit ihren Spielsachen. So sehe ich es als richtig an, ihr die Bedürfnisse so zu erfüllen. Inzwischen hat sich unser Tagesablauf gut eingespielt und es klappt problemlos, eventuelle Termine so zu organisieren, dass es zu ihrem Ablauf passt.

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„Kommt Ihr denn dann als Paar nie zu kurz, wenn Ihr Euch nach ihr richtet?“, ist dann der nächste Satz, den wir hören. Wir haben uns bewusst für die Kinder entschieden und wussten, dass dies auch Kompromisse bedeutet. Wir nutzen die Zeit entweder jeder für sich oder auch als Paar bei einem gemütlichen Abend, wenn die Kleine schläft.

Dass dies je nach Entwicklungs- und Wachstumsphase mal mehr und mal weniger Zeit übrig lassen wird, ist uns bewusst und wir leben damit.
Wir haben beide zeitlich flexible Hobbys, sodass wir das gut daran anpassen können. Wenn unsere Tochter lacht und zufrieden ist, dann ist es das schönste Geschenk – auch für uns als Paar. Und wenn sie eine schwierige Phase hat, sind wir für sie da – mit dem Wissen, dass sie uns braucht. Irgendwann ist jede Phase vorbei und wird von einer neuen (leichteren oder schwierigeren, das weiß man vorher glücklicherweise nicht) abgelöst.


„Mein Mann und ich haben uns beide eingestanden, dass wir sie vermissen und gar nicht mehr Zeit für uns brauchen. Es wird schon früh genug soweit sein, dass unsere Tochter ihre eigenen Wege ohne Mama und Papa gehen möchten. Bis dahin genießen wir die Zeit als Familie  ...”

von Renate

Auch wissen wir es zu schätzen, dass wir eine liebevolle und gleichgesinnte Tagesmutter gefunden haben, die genauso bedürfnisorientiert denkt wie wir. Dafür sind wir sehr dankbar, weil es nicht selbstverständlich ist. Trotzdem geht sie zu ihr nur so oft wie nötig, nämlich während ich arbeiten bin. Und wenn einer von uns nicht arbeiten muss, ist ganz klar, dass sie dann bei uns ist. Seit unsere Tochter auf der Welt ist, waren wir einmal auf einem Konzert, einmal zum Brunch und zweimal in der Sauna, während unsere Tochter bei der Tagesmutter war, also im Durchschnitt zweimal pro Jahr für ein paar Stunden.

Glücklicherweise denken mein Mann und ich hier gleich und haben uns beide eingestanden, dass wir sie vermissen und das gar nicht öfter und länger brauchen.
Wir freuen uns, dass sie sich wohl fühlt bei der Tagesmutter und auch viel von ihr und den Kindern dort spricht. Es wird schon früh genug soweit sein, dass unsere Tochter sich von allein abnabelt und ihre eigenen Wege ohne Mama und Papa gehen möchte. Dann haben wir immer noch die Gelegenheit, diese Zeit anders zu nutzen. Bis dahin genießen wir die Zeit als Familie.
Wir bleiben unserem Motto treu

Es ist unser Weg
und es tut gut, dass mein Mann und ich da gleich denken und besonders Themen wie Familienbett, Langzeitstillen und Bedürfnis-Orientierung nicht für Zündstoff und Diskussionen sorgen. Auch dafür bin ich sehr dankbar.

Die Kritik von außen stimmt gerade mich immer wieder traurig und regt immer mal wieder zum Nachdenken an.
Wenn ich dann aber unsere Tochter anschaue weiß ich, dass es ihr gut tut, was für uns die Hauptsache ist, und wir nichts ändern müssen. Immer wieder komme ich zu dem Fazit „NEIN – es ist genauso richtig, für uns und für unsere Tochter“

Nun ist unsere zweite Tochter gerade auf die Welt gekommen und ich bin gespannt, wie wir das dann mit zwei Töchtern, die aufgrund des Altersunterschiedes von zwei Jahren sicherlich auch unterschiedliche Bedürfnisse haben, hinbekommen. Auch hier bin ich sicher, dass wir das gut vereinbaren können, wenn wir unseren Weg beibehalten und das Motto „Mit zu viel Nähe und Liebe kann man kein Kind verwöhnen“ weiter aufrecht halten. Bekanntlich muss ja die vorhandene Elternliebe bei der Geburt des zweiten Kindes nicht geteilt werden zwischen den Geschwistern, sondern sie wächst. Ich vertraue auf uns als Eltern und auf unsere große Tochter, dass auch das Baby in den Genuss der Bedürfniserfüllung kommen wird.

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Hier schreibt: Renate


#insidemom: Renate


Ich bin Renate von Mamis Blog, bin 34 Jahre alt und lebe mit meinem Mann und unseren Töchtern in Leverkusen. Unsere Große ist zwei Jahre alt und Tochter Nr. 2 ist gerade auf die Welt gekommen. Auf meinem Blog schreibe ich über Themen, die mir gerade in den Sinn kommen, alles um das Thema „Bedürfnisorientierte Erziehung“ und was damit zusammen hängt.

Ich finde es toll, die Vielfältigkeit der Themen, die Eltern bewegen, hervorzuheben und zu sammeln. Täglich auf den verschiedenen Blogs, die ich lese, bekomme ich mit, wie unterschiedlich die Gedankengänge sind und was den Eltern am Herzen liegt. Dies einmal gesammelt darzustellen ist sicherlich sehr aufschlussreich. Deshalb leiste ich gern einen Beitrag zu #insidemom.

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