Auf Umwegen zum Kinderglück

Sechs künstliche Befruchtungen - erfolglos. Das ersehnte Wunschkind - aussichtslos. Hier erzählt Tina König, wie sie ihr Mutterglück am Ende doch noch fand. #insidemom


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Schon früh wusste ich, dass ich später einmal Mama sein wollte. All die Jahre malte ich mir aus, wie es sein würde, mein Baby in den Armen zu halten. Ich würde mit ihm kuscheln, es umsorgen, meinem Kind beim Aufwachsen zusehen und einfach nur Mama sein. Doch es war alles nicht so einfach ...


„Insgesamt sechs künstliche Befruchtungen hielten wir durch. Dann war ich mit meiner Psyche am Ende und es war vorbei. Auch die letzte künstliche Befruchtung war erfolglos geblieben. Es wollte sich kein Baby in meinem Bauch einnisten. Mein Bauch würde für immer leer bleiben, ohne Sinn ...”

von Tina König

Denn unser Wunsch nach einem leiblichen Kind blieb unerfüllt. Jahrelang versuchten wir auf natürlichem Wege und später durch künstliche Befruchtung ein Kind zu bekommen. Es waren anstrengende Jahre, die unsere Partnerschaft auf eine harte Probe stellten. Viele Babys im Freundeskreis wurden geboren, während wir nur sehnsüchtig zusehen mussten. Ich zog mich aus meinem Freundeskreis völlig zurück, da ich die glücklichen Mütter und Väter nicht ertragen konnte. Ich fing an auf offener Straße zu weinen, wenn ich einen Kinderwagen sah. Mein Leben bestand nur noch aus der Spirale, in die man gerät, wenn man sich einer Kinderwunschbehandlung unterzieht. Einer Achterbahnfahrt der Gefühle. Einem Kreislauf aus Warten, Hoffnung, Vorfreude auf eine Schwangerschaft und dem Fall ins Bodenlose, Verzweiflung, Wut und Enttäuschung nach einem negativen Schwangerschaftstest. 
Mein Bauch bleibt leer - für immer

Insgesamt sechs künstliche Befruchtungen hielten wir durch. Dann war ich mit meiner Psyche am Ende und es war vorbei. Auch die letzte künstliche Befruchtung war erfolglos geblieben. Es wollte sich kein Baby in meinem Bauch einnisten. Mein Bauch würde für immer leer bleiben, ohne Sinn. Ich war wie erstarrt. Aber auch froh, dass die Tortur in der Kinderwunschpraxis vorbei war. Erst mit einem Tag Verzögerung konnte ich weinen. Auch mein Mann verdrückte nach der letzten Behandlung Tränen, obwohl er sonst immer versucht hatte, stark für uns zu sein. 

Nun stand es also fest: Wir würden kein leibliches Kind mehr bekommen. Es war einerseits wie ein Befreiungsschlag, auf der anderen Seite kam tiefe Traurigkeit in uns auf. Jahrelang hatten wir uns von Behandlung zu Behandlung gehangelt, mit jedem Versuch hatten wir neue Hoffnung geschöpft und nun war es vorbei. Die Zeit des Abschieds vom leiblichen Kind war gekommen.

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Es war kein einfacher Schritt. Wir trauerten um unser Kind, das nie geboren werden würde. Ich verspürte eine tiefe Traurigkeit darüber, dass ich auf etwas würde verzichten müssen, auf das ich mein ganzes Leben lang gewartet hatte. Ich wollte eigentlich meinem Kind Liebe schenken, es mit  Zuwendung überschütten, ihm so vieles in dieser Welt zeigen, mit ihm Lachen und Weinen und einfach nur glücklich sein. Das alles sollte mir nun vergönnt sein?

Wir nahmen beide sehr unterschiedlich Abschied. Mein Mann ging als rationaler Mensch sehr schnell zur Tagesordnung über und trauerte auf seine Weise. Ich selbst suchte lange die Schuld bei mir und war regelrecht verzweifelt. Der Sinn in meinem Leben war verloren gegangen. Ich zog mich in mich zurück und weinte viel. Irgendwann schaffte ich es, mit meinem Mann über unser verlorenes Glück zu reden. Es tat gut. Und nach vielen Tränen kam auch ich aus meinem tiefen Tal wieder heraus. Wir lernten wieder das Lachen und Leben, das wir während der Kinderwunschbehandlungen fast vergessen hatten. Und wir fassten einen Entschluss: Wir wollten nicht kinderlos bleiben!
3 Jahre Wartezeit - dann wurde ich endlich Mama

Und so stellten wir nach vielen Gesprächen einen Antrag auf Adoption . Wir sahen es als Schicksal an, einem fremden Kind die Möglichkeit auf ein geborgenes und liebevolles Zuhause geben zu können. Die Anerkennung über das Jugendamt war angenehm und bereichernd und gab uns einen ganz neuen Blickwinkel. Wir wussten, wir waren auf dem richtigen Weg. Irgendwann würde ein Kind den Weg zu uns finden.

Nach drei Jahren Wartezeit war es endlich soweit. Völlig unvorbereitet klingelte eines Tages das Telefon. Ein kleines Baby, kerngesund, wartete auf uns! Wir konnten es kaum fassen. Nun durften wir doch noch Eltern werden! Wir hatten Gefühle wie unglaubliche Freude, Staunen, aber auch eine klitzekleine Portion Angst vor dem was kommen würde. Abends lagen wir uns weinend in den Armen vor Glück. Ein paar Tage später war es dann soweit. Wir durften unseren Sohn für immer zu uns nach Hause holen. Es fühlte sich wunderbar vollkommen an. Überglücklich tauchten wir ein in das große Abenteuer „Familie“.

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#insidemom: Tina König


Hier schreibt: Tina König


Mein Name ist Tina König. Ich bin 41 Jahre alt und glückliche Mutter zweier Adoptivkinder (5 und 2 Jahre alt). Momentan bin ich in Elternzeit und genieße es sehr, nur für meine Kinder da zu sein. Bevor meine Kinder zu uns kamen war ich als „Headhunter“ in einer Personalberatung beschäftigt.

Über meinen langen Weg der Kinderlosigkeit und der Entscheidung für eine Adoption habe ich das Buch „Auf Umwegen zum Kinderglück“ geschrieben. Ich möchte damit anderen Menschen Mut machen bis zum Ende durchzuhalten und eventuell auch ein Umdenken zuzulassen. Man ist mit dem Thema „unerfüllter Kinderwunsch“ nicht alleine auf dieser Welt. Nur leider spricht kaum jemand darüber.

Mehr Infos über Tina und ihr Buch finden Sie auf www.tinakoenig.de


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