Gewinnen ist nicht alles - oder?

Ulrike ist ein echter Sportfan. Und auch ihre Kinder sind sportlich sehr aktiv - sogar recht erfolgreich. Doch mit dem Erfolg kommt die Frage: Wie wichtig ist das Gewinnen? Für #insidemom hat sie eine Antwort darauf gesucht.


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Ich bin trotz meiner fünf Kinder immer noch sehr sportlich und scheue auch nicht vor neuen sportlichen Herausforderungen zurück. Dabei geht es aber lediglich um Aktivitäten im Breitensport. Das bin ich von der Kindheit an gewohnt und habe schon früh gelernt, dass mir die Bewegung einfach nur gut tut. Meine Eltern haben es mir so vorgelebt. Bei mir ist es hängengeblieben. Die Teilnahme an Wettkämpfen, z.B. einem Halbmarathon, macht mir einfach nur Spaß und motiviert.

Eigentlich war es klar und gewünscht, dass meine Kinder ebenfalls bewegungsfreudig werden. Anfangs haben wir viel Zeit draußen verbracht, zu Fuß und später mit dem Fahrrad. Laufrad und Dreirad kamen nicht so gut an. Auch schwimmen waren wir oft und haben Turngruppen besucht. Später versuchten sich meine Jungs im Fussball. Doch das war nicht ihre Sportart. Sie spielen zwar heute noch gern mit dem Fussball just for fun, doch letztendlich sind sie beide beim Fahrradfahren hängen geblieben. Obwohl ich sie auf langen Strecken immer wieder motivieren musste, irgendwann fluppte es mit Spaß! Und dann wollten sie schließlich Rennradfahren. Keine schlechte Entscheidung, denn einen Traditionellen Radsport Verein und eine Radhalle mit Leistungszentrum haben wir in der Nähe. Und mit ca. acht Jahren fingen sie im Radsport an.

Der Erfolg blieb aus: Machen wir etwas falsch?


Anfangs lief es sehr...bescheiden. Manchmal fehlte die rechte Lust am Training und manchmal konnte ich die beiden Jungs einfach nicht zum Training bringen. Da war ja noch die kleine Schwester! Aber wir blieben am "Rad"! Erstaunlich, denn meinen Jungs schien es am Ehrgeiz zu fehlen und so richtig erfolgreich waren sie nicht.

Diese Zeit ist noch gut in meinem Kopf. Sie war hart! Wir sind teilweise einige Stunden zu einem Radrennen gefahren, in dem dann beide Letzte wurden. Da war die Entäuschung riesengroß. Auch mein Mann war dann niedergeschlagen. Wir fühlten uns teilweise wie "Versager"! Es war deutlich spürbar, dass wir in einer leistungsorientierten Gesellschaft leben. Wenn ein Kind keinen Erfolg hat, dann liegt das nur am mangelnden Trainingsfleiß. Ich habe mich manchmal sogar geschämt. Oft habe ich neidisch auf die Gewinnereltern geschaut. Was machen die anders????


„Denn je erfolgreicher der Sportler, desto größer der Druck. Man muss aufpassen nicht in diese Spirale zu geraten. Als Eltern gelingt das am ehesten, indem man sich bewusst macht, dass das Kind nicht das beste sein muss und sein Wohlbefinden im Vordergrund steht. Ein Kind was weniger erfolgreich ist, ist nicht weniger wert. Und wenn die Eltern sich selbst mit den Erfolgen des Kindes aufwerten müssen, ist irgendwas schiefgelaufen!...”

von Ulrike

Manche Eltern übten einen enormen Druck auf ihr Kind aus. Wollten es zu seinem Glück zwingen. Viele dieser Kinder haben mit dem Sport aufgehört obwohl sie erfolgreich waren und es im Radsport viele Prämien und Preise gibt. Nein, so wollte ich das nicht. Meine Jungs sollten doch den Sport als Hobby so lange wie möglich betreiben. Das war mir wichtig. Andererseits erwischte ich mich selbst dabei, sie zu oft zum Training zu zwingen! Alleine aus meiner persönlichen Erfahrung heraus, dass ein systematisches Training die Leistung verbessern kann. Doch wenn Kinder nicht wollen, dann nützt alles Gedränge nichts. Es muss selbst gewollt sein!

Nach dem ersten Trainingslager hatte sich beim Großen etwas verändert. Plötzlich musste ich weniger ans Training erinnern und durch seinen Fleiß wurde er schnell viel besser. Plötzlich wurde er ein richtiger Radsportler, der es dieses Jahr in den Landeskader schaffte. Der Jüngere ist noch nicht ganz so intensiv bei der Sache. Ja, Erfolge entstehen im Kopf! Auch wieder eine wichtige Erfahrung für mich.

Es stimmt, viele Aspekte aus dem Sport lassen sich in andere Lebensbereiche übertragen. Mein Großer war dann auch in der Schule fleißiger und entwickelte Ehrgeiz. Zudem konnte er sich besser für Unangenehmes motivieren und an seine Grenzen gehen. Auch eine Selbständigkeit und sein Selbstwertgefühl besserten sich. Toll, ein schönes Gefühl für mich als Mutter.

Und nun durfte ich stolz sein auf meinen Sohn! Da man als Eltern immer das Beste für sein Kind will, möchte man es am liebsten nur siegen sehen! Doch ganz vorne weg fährt mein Sohn nicht immer. Die Sieger sind noch aus anderem Garn gestrickt. Oder sind es deren drängenden Eltern? Wahrscheinlich ist es beides.

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Je erfolgreicher, desto größer der Druck

Eigentlich widerstrebt mir dieser Wettkampfgedanke. Andererseits ist er gewollt und natürlich. Wettkämpfe gab es schon immer! Und der Mensch sucht nach diesem Messen und Vergleichen. Allerdings muss man doch aufpassen, es damit nicht zu übertreiben! Das sehe ich leider auch oft. Schnell werden Kranke ode Verletzte trotzdem in den Wettkampf geschickt. Auch wenn es verwerflich ist, der Griff zu Medikamenten ist schnell gemacht und Doping manchmal die einzige Lösung. Denn je erfolgreicher der Sportler, desto größer der Druck. Ich kann es sehr gut nachvollziehen! Man muss aufpassen nicht in diese Spirale zu geraten.

Als Eltern gelingt das am ehesten, indem man sich bewußt macht, dass das Kind nicht das beste sein muss und sein Wohlbefinden im Vordergrund steht. Ein Kind was weniger erfolgreich ist, ist nicht weniger wert. Und wenn die Eltern sich selbst mit den Erfolgen des Kindes aufwerten müssen, ist irgendwas schiefgelaufen!

Natürlich freue ich mich über Erfolge! Und wenn es weniger gut läuft, dann bin ich auch enttäuscht. Manchmal schmiede ich Pläne, um die Leistung etwas zu steigern, doch die werden nie umgesetzt. Manchmal suche ich Entschuldigungen "er hat schlecht geschlafen" usw. Doch schon am nächsten Tag ist alles vergessen. Dann genieße ich es einfach mit meinen Kindern aktiv zu sein: Gemeinsam zu radeln und zu laufen, gesund zu kochen und einfach Spaß mit meinen Kindern zu haben.

Dann müsste es keine Wettkämpfe geben.
Denn die Angst vor einem schweren Sturz ist größer als vor einem Misserfolg.
 

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Hier schreibt: Ulrike


#insidemom: Ulrike von Kleckerklein und Liebelein


Ich bin Ulrike, eine 42 jährige 5-fach Mama und verheiratet. Meine Sprösslinge sind 15, 14, zwölf und acht Jahre alt, der kelinste 19 Monate. Ich treibe gerne Sport im Fitnessstudio mit meiner Freundin, Laufe und fahre Rennrad. Ich ernähre mich vorwiegend vegan, weil ich mich damit gut fühle. Dadurch lernen meine Kinder die vegane Küche kennen, essen aber "alles" um sich später selbst entscheiden zu können. Ich bin eine Langzeitstillende und trage meinen Jüngsten am liebsten im Tuch oder Tragesystem. Mit Abitur und sehr gutem Examen in der Krankenpflege, möchte ich gern nochmal die Schulbank drücken. Wenn der Jüngste gross genug ist, würde ich eine Ausbildung zur Physiotherapeutin beginnen.

In meinem Blog Kleckerklein und Liebelein dreht sich alles um unser abwechslungsreiches Leben. Aber die Alltagsgeschichten bilden nur den Rahmen für vielfältige Informationen zu den Themen: Vegane Küche, Sport, Ernährung, Produkttests und Familienleben.

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