Ungeplant schwanger. Oder: die Sache mit dem richtigen Timing

Ja, ich wurde ungeplant schwanger. Viel zu jung, wie ich zu Beginn dachte. Jetzt sehe ich es ein wenig anders - denn ich bereue es kein Stückchen! #insidemom


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Geschockt, unsicher, planlos


Es war ein Sonntagmorgen, an dem ich den positiven Schwangerschaftstest in der Hand hielt. Bis heute, anderthalb Jahre später, habe ich diesen Moment nicht vergessen. Ich war geschockt, unsicher, planlos. Am Boden zerstört. Mit Tränen in den Augen sah ich meinen Mann an, der mir wider Erwarten zulächelte. „Das schaffen wir!“, sagte er und nahm mich in den Arm. Für ihn war klar - wir kriegen dieses Baby. „Wo liegt denn hier das Problem?“, könnte man meinen. Tja. Das Problem war, dass ich mich mit meinen fast 21 und ihn mit seinen 26 Jahren als viel zu jung ansah, um Eltern zu werden.

Plötzlich fühlte ich eine tonnenschwere Last auf mir, so viel Verantwortung, die ein Baby mit sich bringen würde. So viele Sorgen, so viele Gedanken. Als nächstes dachte ich an meine Ausbildung – und es schien mir unmöglich, das alles zu schaffen, war ich doch im letzten Jahr meiner Lehre und so nah am Ziel. Wenn ich schon ein Kind in diese Welt setzte, möchte ich ihm doch etwas bieten können und ihm ein Vorbild sein! Noch nie in meinem Leben hatte ich so viele verschiedene Gefühle auf einmal empfunden. Mein Mann, ebenfalls voll eingebunden in seinem Beruf und kurz vor seinem Meisterstudiengang, war zwar für mich da, dennoch fühlte ich mich alleine. Seit unserer Hochzeit wenige Monate zuvor lebten wir auch noch etwa 50 Kilometer von meiner Familie entfernt. Und obwohl ich bisher damit ganz gut klar kam, wollte ich in diesem Moment unbedingt wieder zurück, mich bei meiner eigenen Mama fallen lassen.

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Der entscheidende Moment

Eigentlich kam eine Abtreibung nicht in Frage. Jedoch: Ehrlich gestanden spielte ich erst mit diesem Gedanken. Aber meine Erziehung und die Wertschätzung für jedes kostbare Menschenleben schaltete sofort mein Gewissen ein. Was kann denn dieses Baby dafür, dass es jetzt da ist? Ich konnte es einfach nicht „loswerden“. Obwohl ich die ersten Monate meiner Schwangerschaft mehr weinend als freudig verbrachte, wurde mir immer mehr bewusst, dass ich dieses Kind kriegen werde – und will. Der entscheidende Moment jedoch, in dem ich das erste Mal Liebe für mein Baby empfand, kam erst mit der 18. Schwangerschaftswoche. Ich war den ganzen Tag unterwegs und hatte bereits am Vormittag Schmerzen und ein starkes Ziehen im Rücken und Unterleib. Da ich mir nichts dabei dachte, startete ich natürlich meinen Alltag wie gewohnt. Gegen Abend wurden die Schmerzen immer heftiger, so stark, dass ich mitten in einer Straßenbahn fast zusammenbrach. Ich wurde sofort untersucht und man sprach von verfrühten Wehen, ausgelöst durch einen Infekt, und dass ich mein Baby verlieren könnte, würde man diese Wehen nicht stoppen. Als mein Mann und ich diese Worte von der behandelnden Ärztin hörten, hatte ich eine riesen große Angst. Ich weinte, betete... und ich merkte, wie sehr ich dieses kleine Wesen in mir liebte und beschützen wollte.


„Warum hatte ich all das nicht schon eher gefühlt? Womit hatte ich die letzten Wochen vergeudet? Ich schleppte Einkäufe und lebte mein Leben, als hätte sich nicht viel verändert. Meinen Bauch versteckte ich mit Body-Shape-Unterwäsche und gut gewählten Kleidungsstücken - bloß soll mir keiner ansehen, dass ich schwanger war!...”

von Nastja

Aber auch Vorwürfe plagten mich: Warum hatte ich all das nicht schon eher gefühlt? Womit hatte ich die letzten Wochen vergeudet? Ich schleppte Einkäufe und lebte mein Leben, als hätte sich nicht viel verändert. Meinen Bauch versteckte ich mit Body-Shape-Unterwäsche und gut gewählten Kleidungsstücken – bloß soll mir keiner ansehen, dass ich schwanger war! In diesem Moment auf dem Behandlungsstuhl des Krankenhauses gingen mir ziemlich viele Gedanken durch den Kopf, und mein Verhalten der letzten Monate kam mir plötzlich so unsinnig vor! Ich wollte doch dieses Baby! Und es hat es verdient, geliebt zu werden.

Meine Geschichte ging letzten Endes gut aus. Die erste Zeit durfte ich nichts außer Liegen. Mit der Zeit erlaubte man mir, mich einfach nur zu schonen, Stress zwar zu vermeiden, dennoch aber meinen Alltag wie gewohnt wieder aufzunehmen. Wir zogen in mein Heimatdorf, da mir die Stadt einfach nicht so lag. Das Arbeiten war mir zwar für die Zeit bis zur Geburt nicht mehr erlaubt, aber ich besuchte weiterhin die Berufsschule. Mit guter Planung und viel Unterstützung aus dem Umfeld schafften wir es, dass ich bis zur Geburt keinen einzigen Tag fehlte. Wenige Monate nach der Geburt unserer kerngesunden Tochter wurde mir mein Prüfungs- und Abschlusszeugnis überreicht: Als eine der drei besten unseres Jahrgangs hatte ich nun meine Ausbildung abgeschlossen.
Man wächst mit seinen Aufgaben

Was wäre gewesen, wenn wir uns damals gegen dieses Baby entschieden hätten? Vielleicht vieles einfacher. Meine Ausbildung hätte ich womöglich stressfreier beendet. Aber ich hätte dann niemals erfahren, wie wunderbar es doch ist, Mama zu sein.

Ein Leben ohne meine Tochter kann ich mir absolut nicht mehr vorstellen. Ich bin so unendlich stolz auf sie. Jeden Tag sehe ich die fröhlichen Augen meines Mannes, wenn er von der Arbeit kommt und seine Tochter sieht. Man wächst mit seinen Aufgaben – wie oft habe ich diesen Spruch schon gehört. Aber wisst ihr was: Es stimmt! Man wächst tatsächlich mit seinen Aufgaben. All die Sorgen, haben sich als nichtig erwiesen. Natürlich gab es anstrengende Tage. Aber was sind all diese schlechten Momente im Gegenzug zu einem Lächeln eines Babys? Oder den ersten Schritten? Den ersten Worten? Und all den anderen kleinen Besonderheiten dazwischen? Ganz einfach: Nichts!

Ja, ich wurde ungeplant schwanger. Viel zu jung, wie ich zu Beginn dachte. Jetzt sehe ich es ein wenig anders – denn ich bereue es kein Stückchen! Wir erleben tagtäglich viele schöne Momente als Familie zusammen. Mein Mann und ich wuchsen noch näher aneinander, unsere Ehe machte zwar auch einige Tiefs durch, aber auch sehr viele Hochs. Was meine Geschichte zeigen soll: Nichts ist unmöglich! Ihr könnt eure Ziele erreichen, ihr könnt es schaffen. Uns werden im Leben immer Ängste und Sorgen begegnen – aber es liegt an uns, wie wir damit umgehen. Wir können uns ihnen stellen. Rückblickend kann ich mit großer Sicherheit sagen: Ich habe mich richtig entschieden. Denn jedes Leben ist ein Geschenk. Jedes.

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Hier schreibt: Nastja



Ich bin Nastja, 22 Jahre alt. Zusammen mit meinen beiden Lieblingsmenschen, meinem Ehemann Erik (27) und unserer kleinen Tochter (10 Monate), die wir gerne Minnie Maus nennen, lebe ich in einem schönen gemütlichen Dörfchen im Rheinland. Auf unserem Blog Lieblingsmensch &Kinderchaos schreibe ich über alles, was mir so in den Sinn kommt. Sei es unser Alltag, unsere Erlebnisse, Meilensteine, aber auch Rezepte oder sonstige Tipps & Tricks! Ich möchte euch gerne da abholen, wo ihr seid und mit in meine Gedanken und Geschichten nehmen. Genau das hat mir an #insidemom so gut gefallen - ehrlich, offen, direkt und dennoch inspirierend und genug Stoff zum Nachdenken! Deshalb freue ich mich, dass ich nun meinen Teil dazu beitragen kann.
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