Kinder sind schlimmer als Scheidung und Tod

Die Wissenschaft sagt: Kinder machen Eltern unglücklich. Vor allem junge Eltern sind von ihrer Lebensituation frustriert. Und jetzt?


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© Thinkstock
Ein Kind zu haben ist schlimmer als Arbeitslosigkeit, eine Scheidung und sogar schlimmer als der Tod des Partners. So empfinden es zumindest die Deutschen, sagt eine Studie des Max-Planck-Instituts und der University of Western Ontario, die jetzt im Fachjournal „Demography“ veröffentlicht wurde. Und je unglücklicher Paare mit ihrem Nachwuchs sind, desto unwahrscheinlicher ist es demnach, dass sie sich für ein zweites Kind entscheiden. Tatsächlich hat sich der Durchschnitt seit den letzten 40 Jahren auf unter 1,5 Kinder pro Frau eingependelt. Damit gehört Deutschland  im Europavergleich zu den Schlusslichtern.

Zur Studie: Für die Studie sollten ca. 20.000 Teilnehmer über mehrere Jahre hinweg beurteilen, wie glücklich Sie sind - auf einer Skala von null bis zehn (maximal zufrieden). Zufriedenheit beziehungsweise Glück lässt sich hier also in Einheiten messen. Und das Glück der deutschen Eltern sinkt im ersten Jahr mit Baby im Durchschnitt um 1,4 Einheiten. Nur noch einmal zum Vergleich, durch Arbeitslosigkeit oder den Tod des Partners geht die Zufriedenheit laut vergleichbarer Studien nur um etwa eine Einheit zurück, durch Scheidung sogar nur um 0,6 Einheiten. Was genau macht Eltern also so unglücklich?

Tabuthema Baby-Blues


Zunächst einmal betonen die Studienautoren Mikko Myrskylä und Rachel Margolis selbst, dass die (Un-)Glücks-Einheiten etwas nach unten korrigiert werden müssen. Denn vor dem Baby sind Vorfreude und damit auch die Glücks-Einheiten natürlich zunächst angestiegen. Dem Glücks-Hoch folgt dann ein natürliches Realitäts-Tief mit andauerndem Schlafentzug, Schreibabys und weniger Zeit für sich selbst. Und dass die erste Zeit mit Baby durchaus anstrengend sein kann, das kann keiner leugnen. Nein, leugnen kann man es nicht, aber verschweigen. Denn wer will schon die Geschichten unglücklicher Eltern hören?

Der Frust nach der Geburt ist nach wie vor ein Tabuthema.
Trotzdem ist er da und lässt sich jetzt sogar mit Zahlen belegen. Das Interessante: Vor allem junge Eltern sind unglücklich. Bei ihnen kommt die große Unzufriedenheit mit dem ersten Geburtstag des Babys. „Politiker, die sich Sorgen um niedrige Geburtenraten machen, sollten darauf achten, dass es den jungen Eltern schon beim ersten Kind gut geht – und zwar rund um die Geburt und danach“, gibt Myrskylä zu bedenken.

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Die Zeit danach, das bedeutet nämlich auch die Zeit, in der Themen wie Kinderbetreuung, Wiedereinstieg und Vereinbarkeit von Familien und Beruf ganz aktuell werden. Leider trifft die Studie keinerlei Aussagen darüber, warum genau Eltern so unglücklich sind. Allerdings weiß man auch durch vergleichbare Studien  – sie wurden mit der gleichen Methode durchgeführt -, dass ein fester Job und ein gutes Gehalt die Zufriedenheit entscheidend beeinflussen. Die Vermutung liegt also nahe, dass die Probleme bei der Vereinbarkeit Eltern stark frustriert. Aber: „Trotz der Unzufriedenheit nach dem ersten Kind wirken sich bis zu zwei Kinder insgesamt und langfristig eher positiv auf das Lebensglück aus“, sagt Myrskylä. Zwischen den Zeilen der Studie leben also doch noch glückliche Familien in Deutschland.
Ursachenforschung: Ist die Politik schuld?

Schade nur, dass die statistisch gesehen glücklichsten Eltern Kind Nr. 1 erst mit 34 Jahren bekommen. Wer dann noch über ein Geschwisterchen nachdenkt, der rutscht gleich in das nächste Tabuthema hinein: Risikoschwangere 35+. Vielleicht glauben Gesellschaft und Politik jetzt endlich, dass Deutschland ein Problem hat. Immerhin hat es diesmal die Wissenschaft bewiesen und es sind nicht "nur" Forderungen eines wütenden "Eltern-Mobs" nach mehr Kitaplätzen.

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