Kinder verstehen Autoritätswechsel durch Großeltern


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Großeltern helfen Kindern, Autoritätswechsel zu verstehen

Was das Kind bei ihrem Mini-Aufstand gar nicht mitbekam: Sie hat, nebenbei und ganz unabsichtlich, etwas sehr Wichtiges gelernt. Ihr wurde klar: nur weil Oma etwas erlaubt, muss das bei Mama und Papa noch lange nicht der Fall sein. Also suchte sie nach Mitteln und Wegen, um ihre Mutter dazu zu bringen, ihr das Gewünschte doch zu erlauben - da lag Schreien nahe. Für das Kind befeuerte noch ein ganz anderer Aspekt ihren Protest: Kleine Kinder haben noch ein sehr geschlossenes Weltbild. Alles, was dem widerspricht, verursacht Angst und Stress - und löst im Extremfall lautstarke Reaktionen aus. Eine Sache mal erlaubt zu bekommen, dann wieder nicht, ist ein solcher Unsicherheitsfaktor. Noch schlimmer, als den Pudding von Mama nicht zu kriegen, wäre es für Luise aber gewesen, wenn sich die jeweilige „Schokopudding-Politik“ ihrer Bezugspersonen immer wieder geändert hätte. Für die Ohren der Eltern war es schmerzhaft, doch da mussten Kind und sie gemeinsam durch. Denn als Luise erst einmal begriffen hatte, dass ihre Eltern das Puddingverbot auch durchsetzen, war der nötige Entwicklungsschritt getan. „Nur so werden Kinder problembewusst und konfliktfähig“, bestätigt die Hamburger Familientherapeutin Saskia zur Nieden. Wichtiger noch als die Leckerei ist die Sicherheit. Und wenn Eltern den Satz „Bei Oma darf ich das aber!“ nicht als Bockigkeit, sondern als Forderung nach Verbindlichkeit übersetzen, verliert er seinen Schrecken. Er ist vielmehr ein positives Zeichen, dass das Kind das kapiert hat - eine entscheidende Vorbedingung dafür, dass es sich später im Kindergarten und in der Schule, wo wieder eigene Regeln gelten, zurechtfindet.