
Von Karin Harms
So manches Kinderprodukt wird mit Aroma aufgepeppt. Doch der Geschmack von frischen Lebensmitteln ist unschlagbar. Darauf sollten Eltern achten.
Aromastoffe leisten Lebensmittelherstellern treue Dienste: Bei durchschnittlich 15 bis 20 Prozent aller Lebensmittel, die im Supermarkt angeboten werden, wird in puncto Aroma nachgebessert. Bei Produkten, die als Zielgruppe kleine Konsumenten ins Visier nehmen, klettert der Anteil der Produkte mit Aroma sogar auf 70 Prozent – von Tütensuppen über Kartoffelpüree bis Puddingpulver. Das haben Untersuchungen des Dortmunder Forschungsinstitutes für Kinderernährung (FKE) gezeigt.
Außer Joghurt werden vor allem Tee, Fruchtnektare, Fruchtsaft- und Kakao- Getränke, Tütensuppen, Babybreie, Eis, Back- und Süßwaren mit Aroma aufgepeppt. Das spart teure Zutaten und gleicht Geschmacksverluste durch Zubereitung und Lagerung bei den Fertigwaren aus. Sogar viele Bio-Produkte kommen nicht ohne Aromastoffe aus – auch wenn die Selbstauflagen der Verbände sehr viel weiter gehen als bei konventionell erzeugten Produkten.

Noch bis Ende dieses Jahres unterscheidet das Lebensmittelrecht natürliche, naturidentische und künstliche Aromastoffe. „Natürliche Aromastoffe werden aus pflanzlichen und tierischen Rohstoffen gewonnen“, erklärt Ernährungswissenschaftlerin und Fachbuchautorin Annette Sabersky. „Sie müssen aber nicht unbedingt aus dem Lebensmittel stammen, nach dem sie schmecken.“ Solch ein „Erdbeer-Aroma“ kommt also nicht zwangsläufig aus den roten Sommerfrüchten: Günstiger kann es aus Kartoffeln und Holzrinde gewonnen werden. Laut Definition ist das immer noch „natürlich“ genug. Wenn aber „natürliches Erdbeeraroma“ auf der Verpackung steht, muss es auch zu 90 Prozent aus diesem Lebensmittel stammen. „Naturidentische Aromastoffe“ haben viel weniger mit der Natur zu tun. Sie sind synthetisch hergestellt, gleichen im chemischen Aufbau allerdings dem natürlichen Aroma. Für „künstliche Aromastoffe“ gibt es dagegen in der Natur überhaupt kein Vorbild mehr. Dabei handelt es sich um reine Kunstprodukte. Weil das verdächtig nach Chemiebaukasten klingt, werden diese Geschmackspusher auf der Verpackung nur dezent mit „Aroma“ angegeben – damit bei ernährungsbewussten Eltern nicht sofort alle Alarmglocken klingeln. Ab 2011 gilt verbindlich eine neue europäische Verordnung, nach der nur noch bestimmte Aromastoffe verwendet werden dürfen, die in einer Positivliste aufgeführt sind. Dann gibt es nur noch die Kategorie „Aromastoffe“, die werbewirksam als „natürlich“ bezeichnet werden dürfen, wenn sie zu 95 Prozent aus dem genannten Ausgangsstoff gewonnen wurden.
Doch egal, wie Aromastoffe als "Geschmacksveredler" angepriesen werden: Warum sind Ernährungswissenschaftler von dem Einsatz von Aroma eher wenig begeistert? „Wer nur Erdbeerjoghurt aus dem Becher oder Gulasch aus der Dose kennt, mag oftmals das selbst zubereitete Essen nicht“, bringt Annette Sabersky den Hauptnachteil auf den Punkt. „Es erscheint fad und langweilig.“ So machen Speisen mit Aroma bei kleinen Feinschmeckern nach und nach die Zunge „platt“. Wer seine Kinder vor einem einseitig auf Industriekost mit Aroma geprägten Geschmack bewahren möchte, sollte deshalb so oft wie möglich natürliche Lebensmittel auf den Tisch bringen.

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