Lebertran & Walfang


(0)

Melden Sie sich in unserer Community an, um Beiträge zu Ihren Favoriten hinzuzufügen.

Jetzt anmelden

Lebertran & Walfang

Besonders lecker ist das Zeug nicht, finden wir, als wir es im Fischereimuseum von Å probieren. Die Igitt-Schreie der Kinder erreichen ungeahnte Höhen, als in der benachbarten Trankocherei auch noch ein Löffel Wal-Lebertran dazukommt. Ein kleiner Dokumentarfilm klärt uns auf: Walfang hob einst das karge Einkommen der Fischer, heute ist es der Tourismus. Jetzt im Sommer, wo die Nächte, kaum angebrochen, schon wieder vorbei sind, kann man sich nur schwer vorstellen, wie dunkel und einsam es hier im Winter ist. Trotzdem sind die Lofoten sogar ein Ziel für deutsche Auswanderer: Auf dem Wikingermarkt in Borg treffen wir eine vierköpfige Arztfamilie aus Düsseldorf. Jan-Niklas und Till hören begeistert zu, als der Vater von seinen Fischabenteuern erzählt und die Kinder von ihren Wikingerspielen mit den Nachbarn. Von wilden Wikingern Auswandern wollen wir nicht, aber zuhören gerne. Schließlich sind die Wikinger ein wichtiges Thema unserer Reise. Wir haben uns gut vorbereitet und schon auf dem Schiff mit dem Vorlesen begonnen. Wir wissen, wie Erik der Rote seine Widersacher im Zweikampf besiegte und dass es sein Sohn Leif Eriksson war, der als erster Europäer die Strände Nordamerikas betrat. Überhaupt: die Entdecker. Jan-Niklas sinniert bei unserer Bergwanderung von Reine nach Å stundenlang darüber, warum es ausgerechnet so viele Norweger waren, die immer wieder als Erste zu den fernsten Ecken der Welt aufbrachen. Schon seit Jahren durchforstet er jedes Ent-deckerbuch und weiß mehr über Fridtjof Nansen und Roald Amundsen als mancher Geschichtsstudent. Seine Stunde schlägt an unserem letzten Reisetag, als wir auf der Museumshalbinsel Bygdoy in Oslo die Schiffe der beiden Forscher, die Fram und die Gjoa besichtigen. Nach fünfstündigem Museumsmarathon sind die Eltern fix und fertig, die Jungs immer noch Feuer und Flamme. Wir bleiben, bis alle Häuser schließen, und versprechen hoch und heilig: Wir kommen wieder!