Perle der Balearen: Menorca

Traumhafte Strände, tolle Pferdeausritte oder spannende Wanderungen: Die Baleareninsel ist perfekt für aktive Familien – und auch zum Erholen ein ideales Reiseziel.


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Wie oft hatten wir schon den dunklen Fleck am Horizont beäugt, den wir vom sturmumbrausten Kap Formentor aus erblickten. Von der nördlichsten Spitze Mallorcas kann man sie nämlich mit bloßem Auge sehen: Menorca, die kleine Schwester und zweitgrößte der vier Baleareninseln.

Es vergingen mehr als zehn Jahre, bis wir uns zu einem Urlaub auf Menorca entschlossen. „Warum haben wir das nicht eher gemacht?“, fragen wir uns bereits am ersten Abend, als wir im goldenen Licht des Sonnenuntergangs am breiten Strand von Son Bou stehen und nach Südwesten schauen, wo am Horizont eine dunkle Masse zu sehen ist: Kap Formentor auf Mallorca.

Strände satt – und auch noch kinderfreundlich


Flacher Einstieg, kaum Brandung, feiner, weißer Sand, Strandbars mit Duschen und Wickeltischen statt Partytouristen – kein Wunder, dass Menorca bei Familien mit Kleinkindern so beliebt ist. Die über 80 Buchten und Strände nur als kinder- und familienfreundlich abzutun, wäre aber geradezu eine Beleidigung.


Cala Macarella

Die Bucht Cala Macarella auf Menorca


© iStock
Der kilometerlange Dünenstrand von Son Bou, Buchten wie die sanft geschwungene Cala Mesquida, die winzige Cala Macarelleta oder die Cala Binigaus mit den hübschen kleinen Felsen sind so unbeschreiblich schön, dass wir uns an die Karibik und an Südostasien erinnert fühlen. Hinzu kommt, dass man auf Menorca aus den Fehlern der großen Schwester gelernt hat: Nirgendwo ruinieren hässliche Hotelburgen den Strandblick.

Das Meer rund um Menorca ist unglaublich blau und glasklar. Da es auf der Insel keine Flüsse gibt, werden keine Sedimente, die das Wasser an der Küste eintrüben, vom Land ins Meer gespült. Was macht es da, dass man viele Strände nur nach einem ordentlichen  Fußmarsch erreicht? Immerhin wandert man dabei durch wunderschöne Natur und stolpert von einem tollen Ausblick zum nächsten.

Da es nur eine große Straße gibt, die quer über die Insel führt, kann man sich kaum verfahren. Abstecher an die Küste wollen aber gut geplant werden, weil es kaum Querverbindungen gibt. Busse fahren außerhalb der Hochsaison nur noch selten – ein Mietauto ist Pflicht!

Menorca ist zwar klein, aber ungemein vielfältig – und sieht ganz anders aus als die Nachbarinsel Mallorca. Faszinierend sind die felsigen, kargen Mondlandschaften und Steilküsten im Norden und Westen der Insel. Auf den Felsenbogen am Pont d’en Gil nahe Ciutadella de Menorca zu klettern ist ein echtes Abenteuer; hier ist nichts abgezäunt oder gesichert. Auch bei der Wanderung zur Cova des Coloms, Menorcas größter Höhle, fühlen wir uns wie richtige Entdecker.


Mahón auf Menorca

Die Haupstadt Maó (Mahón) von Menorca


© iStock
Die sanften Hügel im Inselinneren sind mit einem dichten Netz ordentlich aufgeschichteter Steinmäuerchen überzogen, dazwischen ziehen sich mit dichtem Grün bewachsene Schluchten durch den südlichen Teil der Insel. Ganz anders sieht es im Osten aus: Die sturmerprobten Felsen vor der Hauptstadt Maó sind von vielfarbigen Heidesträuchern bewachsen, die stille Lagune im Naturpark von Es Grau wimmelt von Eisvögeln und Reihern.

Alles verbindet der Cami de Cavalls, auf dessen Markierungen wir überall stoßen: ein historischer Reiterweg, der einmal rund um die Insel führt. Hier auf dem Rücken eines Pferdes zu reiten, ist für Philine, mit zwölf Jahren unsere Große, eindeutig das Highlight des Urlaubs. Auch als Gelegenheitsreiterin darf sie mit dem Papa ohne lange Einführung hoch zu Ross ins Gelände, auf schmalen Pfaden durch den Küstenwald und durch die Brandung traben.

Über dem Örtchen Es Mercadal thront El Toro, der höchste Berg Menorcas. Von oben genießen wir einen großartigen Überblick über die gesamte Insel – die 357 Meter stellen selbst für Höhenängstliche keine Bedrohung dar. Ein echter Geheimtipp für Familien liegt nur einen Katzensprung entfernt von Ciutadella de Menorca. In Pedreres de S’Hostal liegt der Steinbruch „Líthica“. Hier wird Marès abgebaut, der rotgelb leuchtende Kalkstein, der so typisch für viele Gebäude auf den Balearen ist.

Die Qual der Wahl – Maó oder Ciutadella de Menorca?



Kinder auf Menorca im Urlaub

Geheimnisvoll und spannend: der labyrinthische Steinbruch „Líthica“


© privat
Dass man schon vor Jahrtausenden solche Steinblöcke abgebaut hat, erkennt man an den prähistorischen Stätten auf Mallorca und Menorca. In den verwinkelten, alten Steinbrüchen stoßen wir auf verborgene Ecken und abgeschiedene Bereiche – und fühlen uns wie in einem Märchen. Das kleine Labyrinth eines kürzlich noch benutzten Steinbruchs ist das Sahnehäubchen für unsere drei Kinder Juno (2), Leo (8) und Philine.

Zwischen der Inselhauptstadt Maó, die im Osten der Insel liegt, und der verschlafenen Mittelmeer-Schönheit Ciutadella de Menorca im Westen kann man sich kaum entscheiden. Beide Städte haben ihren Charme. In engen Gässchen verbergen sich Kellergeschäfte, die leckeren
menorquinischen Hartkäse (und „Xoriguer“-Gin für Mama und Papa) verkaufen. Die Marktplätze und Hafenpromenaden laden zum Flanieren, Kaffeetrinken und Herumtoben ein, und ehe man sichs versieht, ist ein Urlaubstag vorbeigezogen wie eine warme Brise.

Ein Besuch Maós lohnt sich auch an einem Regentag, mit dem uns Menorca überrascht. Mit Schuh-Shopping – Menorcas wichtigstes Handelsgut sind die schlichten, hübschen „Avarques“ – Käseverkostung und einem Bummel durch die überdachten Markthallen, die in einem ehemaligen Kloster untergebracht sind, vergeht die Zeit wie im Flug.
Von UNESCO-Welterbestätten bis zum Designer-Dorf
Auf den Zinnen von Fort Marlborough im Süden der Stadt klappen wir die Regenschirme schon wieder zu. Die Burg ist der Rest einer riesigen Festungsanlage, mit der sich die Menorquiner erst vor Piraten, später vor Franzosen und Spaniern schützten. Vor 250 Jahren hielten die Mauern ein halbes Jahr stand, bevor die Spanier sie stürmten. Vor den lebensgroßen Figuren in den dunklen Gängen haben sich nicht nur unsere Kinder ordentlich erschreckt …

Wir hätten noch so viel mehr entdecken können – angefangen bei den vielen Leuchttürmen, die hoch über Menorcas Küsten thronen, über die wilde Natur mit Bergpfaden und Tropfsteinhöhlen sowie die zahlreichen prähistorischen Siedlungen, allesamt UNESCO-Welterbestätten, bis hin zum schneeweißen Designer-Dorf Binibequer Vells. Aber wir sind bestimmt nicht zum letzten Mal hier gewesen!

(von Jenny Menzel / erschienen in der familie&co 08/2017)

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