Mit dem Schiff übers Mittelmeer

Dirk Müller, Chefredaktuer der familie&co, berichtet von sieben Tagen Kreuzfahrt im Mittelmeer - eine Tour für Familien, die in kurzer Zeit viel sehen wollen.


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Es gibt einfach eine ganze Menge zu sehen, wenn man mit dem Schiff unterwegs ist und fast täglich die Möglichkeit hat, an Land eine neue Gegend, eine andere Stadt, eine weitere Sehenswürdigkeit zu entdecken. Das ist es, was wir uns von der Schiffsreise mit der Norwegian EPIC versprochen hatten. Und wir wurden nicht enttäuscht: Metropolen wie Barcelona, Neapel, Pisa, Cannes und Palma in so kurzer Zeit kennen- und ein bisschen auch lieben zu lernen, das ist nur mit dem Schiff möglich. 

Schwimmende Stadt voller Möglichkeiten


Dass der 330 Meter lange Koloss mit bis zu 4.200 Passagieren und 1.700 Crewmitgliedern das drittgrößte Kreuzfahrtschiff der Welt ist, war uns dabei im Vorfeld gar nicht so bewusst. Reichlich Gelegenheit jedenfalls für Luis (13) und Merle (9), von Deck zu Deck zu streifen und den ganzen Apparat auf eigene Faust zu erkunden. Und das dauert, denn wir befinden uns auf einer schwimmenden Stadt – mit 19 Decks, etlichen Mode- und Kosmetikboutiquen, einem Aqua-Park mit riesiger Wasserutsche, dem weltgrößten Spa- und Fitnessbereich auf hoher See, einer Spielbank, einem Theater- und Kinosaal sowie betreuten Kinder- und Teenie-Clubs, die nach fünf Altersklassen sortiert sind.

Norwegian Cruise

Die Norwegian EPIC.


© Norwegian Cruise
Kulinarische Vielfalt, enge Kabinen

Geschlemmt wird in neun Spezialitäten- und drei Hauptrestaurants, für den „kleinen Hunger“ stehen weitere fünf Bars, Cafés und Grills sowie ein Pizza-Lieferdienst zur Verfügung. Hier hat der Superlativ Methode, und es ist erstaunlich, wie unaufgeregt und ohne lange Warteschlangen die Abläufe an Bord funktionieren, ob zu den Essenszeiten, bei den Landgängen oder den Abendveranstaltungen. Und wie wenig man trotz der Menschenmassen den Eindruck hat, das Schiff sei irgendwie überfüllt.

„Ganz schön eng hier!“ Der spontane Eindruck unserer Kinder beim erstmaligen Betreten unserer Kabine lässt sich allerdings nicht schönreden. Der Raum ist wirklich eher knapp bemessen, ein Doppelbett für die Eltern, direkt daneben ein Etagenbett für die Kinder, Dusche und WC, damit ist der Platz fast ausgefüllt. Immerhin haben wir einen kleinen Außenbalkon, somit den Blick aufs offene Meer und stets eine frische Seebrise in der Nase. Und: Viel mehr Zeit als mit Schlafen verbringt man in der Kabine ohnehin nicht, der Tag gehört dem Schiff – und den Landgängen. 
Zeit für Sightseeing, aber nicht allzu viel davon

Mittelmeer-Kreuzfahrt: Familie Müller in Pisa

Familie Müller in Pisa


© privat (Dirk Müller)
Denn natürlich sind die Landgänge das eigentliche Salz in der Suppe einer solchen Schiffsreise. Nach der Abfahrt in Barcelona und einem reinen Seetag, bei dem wir das Mittelmeer ostwärts durchqueren und dabei Korsika links und Sardinien rechts liegenlassen, landen wir am dritten Tag unserer Reise im Hafen der typisch südländisch geprägten Stadt Neapel mit ihren breiten Boulevards in Ufernähe und den engen, wuseligen Gassen abseits der Hauptstraßen. Intensive Gerüche aus kleinen Fischläden und Metzgereien sowie Motorroller-Auspuffen ergeben einen eindrücklichen Mix, den wir beim Eisessen aber schnell vergessen. Aber Neapel sehen und sterben? Neapel als magischen Ort zu erleben, dafür reicht die Zeit natürlich nicht.

Die Zeit überhaupt: Sie ist schon manchmal knapp bemessen, und das gilt leider auch für den einzigen geführten Halbtages-Landausflug, den wir zusätzlich gebucht haben. „Entdecken Sie Pisa“ ist das Motto, es ist der fünfte Tag unserer Reise, und immerhin reicht die Zeit, um festzustellen, dass der Schiefe Turm von Pisa auch nach seiner teilweisen Begradigung und Wiedereröffnung 2001 noch immer sehr, sehr schief ist. Ein bisschen Zeit bleibt noch, um die Gassen rund um den „Platz der Wunder“ zu erkunden, dann geht es mit dem Bus auch schon wieder zurück aufs Schiff. Und doch: Gelohnt hat sich der Ausflug, schon allein wegen der Fotos!
Ausführlicher Streifzug durch Cannes
Noch mehr Hochglanzatmosphäre vermittelt Cannes: Die mondäne Hafen- und Filmstadt im Herzen der Cote d’Azur entern wir mit dem Tenderboot, erklimmen den Kastell-Museumshügel und werden mit einer märchenhaften Aussicht auf die Altstadt, den Strand und die Bucht mit ihren Yachten und Segelbooten belohnt. Deutlich mehr Zeit als in Pisa bleibt anschließend für einen ausführlichen Streifzug durchs Zentrum mit seinen prächtigen Einkaufsstraßen, Casinos und Residenzen, entlang der Seepromenade mit ihrem feinen Sandstrand und durch die riesige Markthalle mit ihrer Farbenpracht voller Obst- und Gemüsesorten sowie Fisch- und Fleischwaren. 

Cannes von oben

Cannes von oben


© Thinkstock
Spannend für Familien, die viel sehen wollen

Fast noch getoppt wird Cannes von Palma, dem letzten Besuchsziel vor der Rückkehr nach Barcelona: Wir entdecken inmitten pitoresker Gassen, die gesäumt sind von Händlern und Porträtmalern, das wunderbare Bagel-Café in der Carrer dels Set Cantons. Ein letzter Höhepunkt unserer Tour, die Familien, die in kurzer Zeit viel sehen wollen, durchaus zu empfehlen ist.

(von Dirk Müller / erschienen in der familie&co 06/2015)

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