Skigebiet Nauders: Pssst … echt geheim!

Es gibt sie doch noch, coole Insidertipps, die sogar ausgebuffte Wintersportler überraschen. Nauders ist so einer – und der stellt unseren Autor vor eine ganz andere Frage: Ist Snowboarden out?


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Ich nehme die Antwort hier schon mal vorweg: Natürlich ist Boarden nicht von gestern und schon gar nicht out. Aber dazu später mehr.

Nauders am Reschenpass in Tirol

Nauders am Reschenpass in Tirol


© iStock
Als uns die Einladung des Skigebiets Nauders in der Redaktion erreichte, war ich zunächst eher skeptisch. Eine Reisereportage im Schnee, eine Woche nach Ostern? Das kann doch nichts werden... Zum Glück überwog die Neugier dann doch. Ein kleines, aber feines Familienskigebiet im Dreiländereck Österreich/Italien/Schweiz und dazu noch der Kaunertaler Gletscher fast um die Ecke – das hörte sich irgendwie interessant an. Und auch wenn beim Start in Freiburg noch Frühlingsgefühle herrschten, spätestens nach dem Arlberg-Tunnel, bei leichtem Schneefall, wurde mir und meinen zwei Mädels (Biggi, 45, und Carlotta, 12) klar: Das kann sehr wohl was werden!

Talabfahrt bis zumSaisonende – Hut ab!


Während im Dorf selbst wenig Winterfeeling zu spüren war, empfing uns das Skigebiet an der Talstation Nauders mit einer lupenrein präparierten Talabfahrt. „Ob die noch lange hält?“, meldet sich meine Frau bei der ersten Gondelfahrt zum Bergkastel (2200 Meter ü. NN) zu Wort. Sie sollte halten, und zwar selbst bei später einkehrenden Frühsommertemperaturen um 19 Grad. Erstaunlich!

Die Bergbahnen Nauders leisten allerdings nicht nur hier exzellente Arbeit, wie wir schon bei unseren ersten Abfahrten feststellen. Und, glauben Sie mir, als Boarder der ersten Stunde habe ich schon vieles „erfahren“ dürfen. Der Präparationsstandard in Nauders sucht im positivsten Sinne seinesgleichen.

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Am nächsten Tag begrüßt uns Snowboardlehrer Günter – den uns die örtliche Skischule zwecks Gebietserkundung zur Seite stellt – mit einem breiten Grinsen. Es hat über Nacht tatsächlich 20 Zentimeter geschneit und die Sonne lacht nun mit dem braungebrannten Tiroler um die Wette.

Haben uns die Pisten am Vortag schon beeindruckt, wird es uns nach den folgenden zwei Stunden Freeriding-Spaß à la Günter gänzlich warm ums Boarderherz. Völlig euphorisiert platzt es aus meiner Tochter heraus: „Wie geil! Snowboarden ist einfach nur geil!“ Günters Konter kommt eiskalt: „Eigentlich fahre ich kaum noch auf einem Brett durch die Gegend“, und nach einem Blick zur  erstaunten Carlotta fügt er vorsichtshalber hinzu: „Aber heut’ ist’s wirklich lässig!“

Die nachfolgende, sehr emotional geführte Diskussion fasse ich hier besser kurz in Fakten zusammen. Günter wusste zu berichten, dass tatsächlich mehr und mehr Kids wieder die Ski dem Snowboard vorziehen würden, und seine  Skischule entspräche diesem Trend natürlich. Daher rührten seine eher reduzierten Boarderzeiten.

Kind fährt SKi im Skigebiet Nauders


© Nauders Tourismus
Die Stockschwinger sind tatsächlich überall

Das Thema verfolgt uns die nächsten Tage. Und Günter hat recht: Wenn man darauf achtet, ist es wirklich erstaunlich, wie wenige Boarder man auf den Pisten sieht. Wir drei Einbrett-Rutscher lassen aber zunächst die Stockschwinger Stockschwinger sein und erkunden das Skigebiet nun wieder auf eigene Faust.
Neben dem zweigeteilten Snowpark am 8er-Sessel Zirmbahn – der natürlich speziell Carli begeistert – sind wir Eltern insbesondere von den vielen, wirklich urig-gemütlichen Hütten angetan. Ein angenehmes, familienfreundliches Detail des Skigebiets, das insbesondere Familien mit kleineren, noch nicht so ausdauernden Kindern immer eine P/Jausenmöglichkeit gewährt.
Großer Schmarrn für kleines Geld

Eröffnung der Stieralm

Blick auf die Stieralm


© Nauders Tourismus
Positiv fällt uns das Preisniveau der Hütten auf. Die „Lärchenalm“ z. B. serviert ihren Gästen eine mehr als großzügige Portion „Kaiserschmarrn mit Apfelmus und Zwetschkenröster“ für dezente 8,50 Euro. Einen ehrlichen Café Latte gibt’s für 3,30 Euro. Vergleicht man das mit den großen, bekannten Alpenskigebieten, kann man durchaus von einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis sprechen. Zudemgibt’s auf allen Hütten gratis WLAN. Ein vorbildlicher wie nicht selbstverständlicher Service.

Als ich später mit Karl „Charlie“ Folie von den Nauderer Bergbahnen über das hohe Servicelevel und die Familienfreundlichkeit seines Skigebiets spreche, spüre ich eine gewisse Genugtuung. „Wir investieren Jahr für Jahr und freuen uns natürlich, wenn die Gäste das zu schätzen wissen“, setzt er an und fährt gleich fort: „Das sind manchmal ,Kleinigkeiten‘, wie die Ausrüstung sämtlicher Lifte mit einem Rausfallschutz für die Kleinsten oder eben wie heuer der komplette Neubau einer Hütte, der ,Stieralm‘, und die aufwendige Umgestaltung der Talstation."
Den Nachwuchs mit Action überzeugen
Man spürt in Nauders tatsächlich, dass alle mit viel Herzblut bei der Sache sind. So wundert es uns kaum, dass die Talabfahrt eben auch am letzten Tag der Saison noch 1a zu befahren ist. Die Schwünge fallen dementsprechend Hingebungsvoll aus. Was nicht unbemerkt bleibt: „Guck mal, Mama, krass!“ ruft ein ca. fünfjähriger Steppke und zeigt auf meine Mädels. „Das will ich auch mal lernen. Voll cool!“ Sag ich doch, von wegen Snowboarden ist out …

Top 6 Familientipps
  • 1 / 6
    Show in Snow „Der Berg groovt“

    Skiakrobaten, Pistenbullys in Action und Feuershow; jeden Dienstagabend auf der Lärchenalm.

  • 2 / 6
    Winterwunderwelt

    Eislaufen, Eisstockschießen, Zipfelbob, Tube, Punsch u. v. m.; am Ortsrand Richtung Skigebiet

  • 3 / 6
    Schloss Naudersberg

    Erste urkundliche Erwähnung 1239 als Sitz des Herrn von Nauders. Heute wöch. Führungen, Museum und Restaurant.

  • 4 / 6
    Samnaun

    Familien-Shopping im Zollfreigebiet von Samnaun. Nur ca. 30 Autominuten entfernt im Engadin/Schweiz gelegen.

  • 5 / 6
    Bergkastelrodelbahn

    Die längste Natur-Rodelbahn Tirols – satte acht Kilometer! Schlittenverleih direkt an der Talstation Nauders.

  • 6 / 6
    Reschensee

    Durch die künstliche Seestauung 1950 versanken 163 Häuser in den Fluten, nur der Kirchturm schaut noch heraus; am Reschenpass.



(von Hauke Johannsen / erschienen in der familie&co 13/2015)

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