Streit zwischen Eltern: So wirkt er sich auf die Entwicklung aus

Häufiger Streit zwischen Mama und Papa kann der Entwicklung des Kindes erheblich schaden, so das Ergebnis mehrerer Studien. Beachten die Eltern beim Streiten aber einige Regeln, können Kinder von innerfamiliären Konflikten auch profitieren.


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Streit kommt in den besten Familien vor – so lautet das schöne Sprichwort. Und es stimmt, nicht immer sind sich alle einer Meinung und es fliegen auch mal die Fetzen. Doch was viele Eltern unterschätzen: Beziehungsstreitereien können ernste Folgen für die Entwicklung des Nachwuchses haben. Das ist das Ergebnis zahlreicher Studien, die in den letzten Jahren weltweit zu diesem Thema durchgeführt wurden.

Häufiger Streit zwischen den Eltern gefährdet die Entwicklung


Im Jahr 2006 warnten zum Beispiel Wissenschaftler der Universität Notre Dame in Rochester und der Katholischen Universität in Washington DC, drunter auch Prof. Dr. Mark Cummings, davor, Streitigkeiten in der Familie auf die leichte Schulter zu nehmen. Das Sicherheitsgefühl und damit die emotionale Stabilität der Kinder seien eng an die Beziehung der Eltern geknüpft. Elterliche Konflikte würden Kindern den Mut und das Selbstvertrauen rauben, sich in der Welt umzuschauen und neue Bindungen einzugehen. So lautete jedenfalls das Fazit zweier Studien, in denen 226 bzw. 232 Familien mit Kindern zwischen Kindergartenalter und Volljährigkeit untersucht wurden.

Streit zwischen Eltern


© iStock
In den folgenden Jahren wurde das Thema weltweit weiter erforscht. Und fast immer lautete das Ergebnis: Häufige und heftige Streitigkeiten zwischen Müttern und Vätern haben negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit von Kindern. So scheinen Kinder aus sehr streit-intensiven Familien häufiger Anpassungsschwierigkeiten zu haben – sie verhalten sich aggressiv oder ziehen sich immer mehr zurück. Außerdem zeigten Untersuchungen ein höheres Risiko für spätere Beziehungsprobleme, Arbeitslosigkeit, Depressionen oder Suchtmittelmissbrauch bei Kindern aus hochstrittigen Familien.
Vor allem kleine Kinder sind gefährdet
Insbesondere kleine Kinder sind von den potenziellen Auswirkungen elterlicher Konflikte gefährdet. Schon Babys und Kleinkinder spüren Feindseligkeiten, können aber weder das Warum verstehen, noch die Konsequenzen elterlicher Konflikte vorhersehen. Sie merken einfach nur: Da ist was faul – und das schürt Unsicherheit. Später wird aus der Unsicherheit schließlich Angst, die Eltern könnten sich trennen, die Familie zerbrechen. Und so sehen sich Kinder mit verstrittenen Eltern immer wieder in der Verantwortung, zwischen Mama und Papa zu vermitteln oder sich für eine Seite entscheiden zu müssen. Was das für ein Ausmaß an emotionalem Stress für die Kleinen bedeutet, kann sich sicher jeder vorstellen. Insbesondere dann, wenn Mama oder Papa die Wut und Enttäuschung über den jeweils anderen am Kind auslassen und schimpfen: „Dein Vater… / Deine Mutter…“

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Heißt das, Eltern sollten sich niemals vor den Kindern streiten?

Jein. Zumindest im Baby- und Kleinkindalter sollten Eltern ihre Konflikte möglichst nicht vor den Kindern austragen. Wichtig ist in dem Zusammenhang aber auch, die Kinder nicht spüren zu lassen, dass da noch irgendetwas Ungeklärtes in der Luft hängt. Ab einem bestimmten Alter ist das jedoch nicht mehr so leicht möglich und die Kinder spüren, dass ihnen eine heile Welt nur vorgespielt wird. Etwa ab dem Grundschulalter sind Kinder in der Lage, zu verstehen, dass Konflikte zwischen den Eltern hin und wieder vorkommen können, ohne, dass jeder Streit die Beziehung der beiden belastet. Voraussetzung dafür ist, dass die Eltern fair streiten und an einer konstruktiven Konfliktlösung arbeiten. Das bedeutet:

➤ Im Streit sollte es immer sachlich bleiben! Konflikte, in denen sich die Eltern persönlich beleidigen und abwerten, haben nachweislich einen erheblich negativen Einfluss auf das Wohlbefinden des Kindes und sind tabu, egal in welchem Alter.
➤ Die Elternteile sollten gemeinsam und aktiv an einer Lösung des Konflikts arbeiten und ihn nicht ungelöst auslaufen lassen.
➤ Streitgespräche sollten grundsätzlich in ruhigem Tonfall geführt werden. Es darf auch mal laut werden – schließlich sind Emotionen im Spiel –  solange die Diskussion aber sachlich bleibt.
➤ Kinder sollten das Ende des Streits erfahren – entweder, weil sie bei der Konfliktlösung anwesend sind oder indem man ihnen im Anschluss erklärt, worauf man sich geeinigt hat. Denn: Ein gut gelöster Streit hinterlässt ein ebenso entspanntes Kind, als hätte es gar keinen Streit gegeben, so ein Ergebnis der eingangs zitierten Studie vom Prof. Mark Cummings.
➤ Für Themen, über die immer wieder gestritten wird, sollte dringend eine langfristige Lösung oder ein Kompromiss gefunden werden. Notfalls sollte die Hilfe einer Familienberatungsstelle in Anspruch genommen werden.

Außerdem gilt: Kinder sind aus reinen Beziehungsstreitereien zwischen Vater und Mutter herauszuhalten! Eltern sollten ihre Wut nicht beim Kind abladen und schlecht über den anderen Elternteil reden. Das ist ein absolutes No-Go, denn erstens tragen Lästereien und Beschimpfungen nichts zur Konfliktlösung bei. Und zweitens hinterlassen solche abwertenden Kommentare über den jeweils anderen Elternteil tiefe Spuren in der Seele des Kindes – schließlich liebt es beide.
Kinder können auch aus Konflikten der Eltern lernen
Halten sich die Eltern an die oben genannten Streitregeln, können Kinder aus Konflikten innerhalb der Familie aber auch eine Menge lernen. Wie man richtig streitet zum Beispiel, oder welche Strategien es gibt, um gemeinsam eine Lösung für ein Problem zu finden. Sie lernen, dass es manchmal nötig ist, Kompromisse einzugehen, aber auch, wie man den eigenen Standpunk zu einem Thema vertreten kann, ohne dabei die andere Konfliktpartei abzuwerten. Außerdem lernen sie, dass ein Streit nicht gleich das Ende einer guten Beziehung bedeutet, sondern dass man nach einem Streit immer wieder zueinander finden und gestärkt daraus hervorgehen kann. 

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