Umfeld und Persönlichkeit bestimmen Hang zum Teilen


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Durch Teilen mehr gewinnen als verlieren

Doch wie schafft man es, dass sich Kinder gar nicht erst um Dinge zanken? „Sobald Kinder merken, dass sie dadurch mehr gewinnen als verlieren, ist Teilen kein Problem mehr“, meint meine Freundin Mareike. Und wenn immer genug da ist für alle, müsste auch keiner anfangen zu horten. Doch sie hat gut reden: Ihre beiden Töchter Lara (8) und Matilda (4) teilen sich friedlich Zimmer und Spielsachen - das war schon immer so. „Als ich mit Matilda aus der Klinik kam, hat Lara mir ihr Puppenbett für ihre Schwester angeboten“, erzählt Mareike. Natürlich war Lara damals, wie viele Berliner Kinder, durch fast drei Jahre Kita-Erfahrung im Teilen geübt. „Kinder sind viel gnadenloser als Eltern oder Großeltern. Wer in der Kita nicht teilt, macht sich unbeliebt und steht beim Spielen schnell allein da“, sagt Mareike. Zudem merken Kinder, dass sie bei den anderen hoch im Kurs stehen, wenn sie Kekse oder Bonbons verteilen können: „Lara wollte eine Zeit lang immer Süßigkeiten mitnehmen, nur weil das Verteilen so schön war. Und da sie von der Freigiebigkeit der anderen profitierte, wurde Teilen für sie zu etwas Gutem.“ Zwar ist das Vorbild der Eltern, wie bei allen sozialen Fertigkeiten, auch beim Teilen-Können entscheidend, aber auch das Verhalten anderer Kinder - vor allem, wenn sie etwas älter sind - färbt stark ab. „Landet ein Kind in einer Kita, in der Teilen eine Selbstverständlichkeit ist, übernimmt es dieses Verhalten“, fasst Hartmut Kasten zusammen. Sind die anderen eher von der Sorte: „Nimm, was du kriegen kannst, koste es, was es wolle“, wird das Kind davon geprägt.
Persönlichkeit und Umfeld bestimmen Hang zum Teilen Ob ein Kind freigiebig seine Sachen verleiht, ist allerdings nicht nur eine Frage des sozialen Trainings, sondern auch der Persönlichkeit. So können Eltern, die ihren Besitz sorglos verborgen, ganz pingelige Kinder haben. Wer mit 10 ungern sein Fahrrad verleiht, wird wohl auch nicht als Student lässig den Autoschlüssel herausgeben. „Bei der Herausbildung der Persönlichkeit hängt viel von der frühkindlichen Prägung ab“, sagt der Entwicklungspsychologe. Kinder, die sich immer darauf verlassen konnten, dass ihre Eltern sie mit allem, was sie gerade brauchten, versorgten, können mehr Sicherheit aufbauen. „Wer immer genug hatte, tut sich mit dem Teilen später meist leichter.“ Die These vom Einzelkind, das nicht teilen kann, sei aber ein Mythos, betont Kasten. Geschwisterkinder glauben eher, ihr Territorium verteidigen zu müssen. „Die meisten Einzelkinder haben Spielzeug im Überfluss, finden es aber langweilig, allein damit zu spielen“, erklärt der Experte. Bei aller sozialen Harmonie muss es aber Dinge geben, die nicht geteilt werden. Selbst in Mareikes „Wir teilen alles“-Haushalt gibt es Gegenstände, an die nur der Besitzer darf. Der Computer der Eltern und Mareikes Handtasche sind für fremde Hände ebenso tabu wie Laras Kuschelhase und Matildas Panther. „Wenn ich die Stofftiere waschen möchte, muss ich einen Antrag stellen“, sagt Mareike. „Aber wenn ich möchte, dass die Mädchen mein Eigentum respektieren, muss ich ihnen das Gleiche zugestehen.“ Und so muss es bei aller Gemeinsamkeit eben doch auch immer das Private geben.