Warum die Vaterrolle so schwer auszufüllen ist

Ein Vater, der Zeit alleine mit seinen Kindern verbringt, scheint noch immer eine Rarität zu sein. Er erntet Lob, aber auch Spott und Häme. Warum ist das so? Ein persönlicher Erklärungsversuch von Mama Katja. #insidemom


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Nicht immer einfach, in den Schuhen von Papa zu stecken

Nicht immer einfach, in den Schuhen von Papa zu stecken.


© iStock

„Warum ist das, was für Mütter und Frauen so selbstverständlich ist, was für Mütter und Frauen einfach ALLTAG ist, so ein unfassbar großartiges Ereignis, wenn es ein Mann übernimmt? ...”

von Katja Niederländer

Mein Mann ist ein Vater. Und das ist er seit genau 7 Jahren und 2 Monaten. Er liebt seine beiden Töchter über alles und nimmt intensiv Anteil an ihrem Leben. Er war bei beiden Geburten dabei. Er fuhr beide Kinder als Babys durch die Gegend. Oder trug sie. Er geht mit ihnen auf Spielplätze, er übt mit ihnen Radfahren und Ballspielen, er turnt mit ihnen auf dem Klettergerüst und schaukelt mit ihnen zusammen, bis ihm (oder ihnen) übel wird. Er ist, wenn es der Job zulässt, bei jedem Schul- und Kindergartenfest dabei und drückt sich auch nicht um Elternabende in Schule und Kindergarten. Er macht die Mädchen bettfertig und geht mit ihnen zum Kinderarzt, wenn sie krank sind und er Zeit hat. Und ich kann nicht sagen, dass ich irgendetwas davon besser machen würde als er. Soweit die Fakten.

Das machen Sie aber gut!


Wenn er mit ihnen alleine mit dem Kinderwagen unterwegs war oder mit ihnen auf dem Spielplatz tobt, wenn er mit ihnen beim Kinderarzt sitzt oder beim Waldnachmittag im Kindergarten herumalbert - dann hört er sehr oft die Worte „Das machen Sie aber gut! Toll, einen Vater so zu sehen!“. Und das ist der Satz, der viele Frauen heute auf die Palme bringt. Warum ist das, was für Mütter und Frauen so selbstverständlich ist, was für Mütter und Frauen einfach ALLTAG ist, so ein unfassbar großartiges Ereignis, wenn es ein Mann übernimmt?

Mich selbst nervt das. Nicht, dass die heutigen Väter so oft für Dinge gelobt werden, die für Mütter ganz normal sind, sondern dass sich darüber so sehr echauffiert wird von Seiten der Frauen. Das finde ich traurig. Denn warum macht mein Mann all das mit unseren Töchtern? Weil er mit stolz geschwellter Brust beim Kinderarzt gelobt werden will? Weil er auf dem Spielplatz darauf aus ist, von fremden Müttern neidisch betrachtet zu werden und den ein oder anderen anerkennenden Schulterklopfer zu ernten? Nein. Er tut es, weil er es gerne tut! Warum ist das so schwer nachzuvollziehen? Darf ein Vater nicht gerne Zeit mit seinen Kindern verbringen? Umgekehrt hören Väter, die all das tun, auch oft Sätze von Geschlechtsgenossen wie „Du stehst ganz schön unterm Pantoffel, Kumpel“ oder ähnliches. Mann zu sein in unserer Zeit ist auch nicht gerade einfach, wie mir scheint... Wie Mann es macht, scheint Mann es auch leicht falsch zu machen!

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Veränderungen brauchen Zeit


„Wir müssen diesen Prozessen einfach die Zeit geben, die sie brauchen. Und den Vätern unserer Kinder einfach das Lob und die anerkennenden Blicke gönnen....”

von Katja Niederländer

Als mein Vater geboren wurde, schrieb man das Jahr 1954. Damals waren Väter nicht bei der Geburt dabei. Sie schoben auch keine Kinderwagen oder gingen zu Elternabenden. Sie spielten nicht mit ihren Kindern auf dem Spielplatz und sie wuschen sie nicht, um ihnen dann Schlafanzüge anzuziehen. Und ganz sicher gingen sie nicht mit ihnen zum Kinderarzt. Mein Opa schob seine Söhne trotzdem alleine im Wagen durchs Dorf. Und ihm waren die Blicke und das Getuschel der Menschen egal. "Das ist doch mein Sohn!", sagte er nur zu meiner „wegen der Nachbarn“ besorgten Oma. Und schob weiter. Heute, über 60 Jahre später hat sich die Welt ein Stück weitergedreht. Die Rollen haben sich verschoben und sind im Begriff, zu verschwimmen und sich Stück für Stück aufzulösen. Ich bin froh und stolz, in dieser Zeit zu leben - und meine Töchter sicher auch.

Und wenn mein Mann für all das, was er von Herzen gerne tut, gelobt wird, dann ist das eben so. Neues fällt immer auf. Aber viele Dinge, die in den 1950ern noch so gar nicht gingen, sind doch heute schon längst Alltag. Wir müssen diesen Prozessen einfach die Zeit geben, die sie brauchen. Und unseren Männern und den Vätern unserer Kinder einfach das Lob und die anerkennenden Blicke gönnen. Und dann, ganz bald, sprechen wir über andere Dinge und das heute ist „damals“ -  und ganz normal geworden.

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