Kinder stören?! Die Frage nach der Toleranz

Kinder sind laut. Sie kichern, singen - und brüllen manchmal. Warum ist das so problematisch, fragt sich Mama Katja. #insidemom


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Kinder stören?!


Immer weniger Kinder gibt es in Deutschland. Der Alltag scheint von älteren bis alten Menschen dominiert - und wenn man sich unser Land so betrachtet, dann wird sich das in den nächsten Jahren nicht ändern. Denn Kinder scheinen immer mehr im Stadt- und Alltagsbild zu stören. Warum eigentlich?

Warum müssen Kinder kompatibel sein?

Warum müssen Kinder kompatibel sein?


© iStock
Als meine Kinder Babys waren, haben sie viel geweint. Vor allem meine Große hat in der Stadt und unterwegs oft gebrüllt, als gäbe es kein Halten mehr. Das stört die Menschen in Staßencafés oder in Bussen, in Parks und Geschäften. Sie rollen mit den Augen oder beschweren sich einfach direkt und ohne Umschweife. Ich gab die Flasche, aber ich kann mir vorstellen, wie man zusätzlich als stillende Mutter noch mehr aneckt. Einmal stieg ich aus dem Bus aus, weil mein armes Baby so laut brüllte, dass mehrere Menschen genervt "gute" Tipps zum Ruhigstellen abgaben.

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Meine Kleine ist drei Jahre alt. Sie tobt und albert gerne herum und ist beim Schaukeln oder Hüpfen auch mal etwas lauter als ein sich normal unterhaltender Erwachsener. Manche Nachbarn und Menschen in Geschäften finden das nicht gut. "Muss das so laut sein?" oder "Mütter haben ihre Kinder nicht mehr unter Kontrolle heutzutage" hörte und höre ich öfter. Und je mehr ich als Mama unter den Druck des gewünscht stillen Kindes gerate, je öfter ich "Nicht so laut!" zische, desto lauter scheint die Dreijährige zu werden. Selbst im eigenen Garten darf man nicht mehr entspannt sein.

Meine Große ist in der ersten Klasse. Sie singt für ihr Leben gerne und kichert und tuschelt mit ihren gleichaltrigen Freudinnen. Manchmal passiert es dabei, dass die Mädchen ihre Umwelt nicht wahrnehmen und nicht schnell genug Platz machen oder einem auf dem Gehweg fahrenden Fahrrad (warum auch immer...) den Weg nicht zügig genug frei machen. Viele Erwachsene sind sehr genervt von ihr und ihren Altersgenossen. Und ich habe ihr schon gesagt, dass sie sich ruhig wehren darf, wenn sie sich in dieser Richtung ungerecht „angemotzt“ fühlt, doch so richtig traut sie sich das nicht.

Ich selbst kann mich noch an meine Teenager-Zeit erinnern. Ich war oft in Gedanken, alles drehte sich um meine eigene kleine Welt und ich war einfach nicht fähig dazu, im Bus höflich für eine alte Frau aufzustehen - einfach, weil ich es nicht merkte! Meine Welt musste erst wachsen, um alles darin auch wirklich als gegeben und wichtig wahrnehmen zu können.
Warum müssen Kinder kompatibel sein?


„Kinder sollen lieb und still, höflich und zuvorkommend sein. Sie sollen nur reden, wenn sie gefragt werden und sie sollen leise sein beim Spielen....”

von Katja Niederländer

Heute als Mama merke ich, wie schwer der Alltag mit heranwachsenden Kindern ist. Wie schwer er einem gemacht wird. Als hätte man nicht schon genug Hürden zu nehmen. Und ich glaube, dass das nicht immer so war. Und auch nicht in allen Ländern ist es so. Ich finde es schlimm, immer diesen Druck zu verspüren und diesen an die Kinder weitergeben zu müssen. Kinder sollen irgendwie kompatibel sein, glaube ich. Aber womit? Kinder sollen lieb und still, höflich und zuvorkommend sein. Sie sollen nur reden, wenn sie gefragt werden und sie sollen leise sein beim Spielen. Und rücksichtsvoll. Manchmal denke ich, dass ich selbst auch gerne solche Kinder hätte. Aber dann merke ich, dass das gar nicht geht. Weil das einfach eine beschissene Kindheit und schrecklich wäre!


Echt, authentisch, persönlich


Klar erziehe ich meine Kinder dazu, nicht permanent laut brüllend und schubsend durch die Gegend zu laufen. Und ich bringe ihnen auch das bei, was ich als Mutter so verdammt wichtig finde: Respekt. Doch ich bringe ihnen auch bei, dass Respekt nur derjenige verdient, der ihnen selbst auch Respekt entgegenbringt. Denn nur weil jemand erst ein, drei oder sieben Jahre alt ist, hat er nicht weniger Rücksicht und Toleranz verdient als ein erwachsener Mensch. Und wenn ich einen Wunsch freihätte, dann wünschte ich mir für mich selbst, dass ich entspannter mit meinen augenrollenden Mitmenschen umgehen kann - und somit auch mit meinen Kindern. Das wäre eine echte Win-Win-Situation für uns alle.



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