Daddys Prinzessin: Warum Väter ihre Töchter anders als ihre Söhne behandeln

Väter gehen mit ihren Kindern unterschiedlich um – das behauptet jetzt eine aktuelle Studie. Das hat nichts mit Bevorzugung zu tun, sondern damit, ob das Kind ein Mädchen oder ein Junge ist. Alle Hintergründe zur Studie.


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„Papa hat mich lieber als dich!“


Das Wichtigste vorweg: Es geht nicht darum, dass ein Vater ein Kind lieber hat als das andere – ganz und gar nicht. Was aber laut den Ergebnissen der Studie der American Psychological Association nicht zu bestreiten ist, dass Väter eine Tochter anders als einen Sohn behandeln. Dafür untersuchten die Forscher die Beziehung zu ihren Kindern bei 50 Vätern, die sowohl Söhne als auch Töchter im Kleinkindalter haben. Die Väter bekamen jeweils einen Mini-Computer angeschnallt, der einen Wochentag und einen Tag am Wochenende aufzeichnete.

Daddys Prinzessin


© iStock
Gefühlsbetonter Umgang mit Mädchen

Die Forschungen ergaben, dass die Väter gegenüber ihren Töchtern aufmerksamer als gegenüber ihren Söhnen sind. Zudem zeigen sich Väter einer Tochter interessierter daran, wie es ihrem Kind geht. Weint zum Beispiel ein Kind, reagieren Väter von Mädchen schneller und öfter als Männer mit einem Sohn.
Mit ihrer Tochter sprechen Väter häufiger über Emotionen, zum Beispiel Traurigkeit oder Freude und geben sich insgesamt gefühlsbetonter als in Gesprächen mit ihrem Sohn. Außerdem singen Väter mehr mit ihrer Tochter.

Insgesamt verwenden Väter, wenn sie mit ihrer Tochter sprechen, eine gehobenere Ausdrucksweise als mit ihren Söhnen. Laut einer vorangegangenen Studie ist der Grund, dass Väter bei Mädchen eher davon ausgehen, dass sie akademische Erfolge erzielen werden als bei ihr männlicher Nachwuchs. Zudem sprechen Väter mit ihren Töchtern häufiger über Körpermerkmale und Körperteile als das Väter von Söhnen tun. Laut den Forschern ist dies ein Grund, warum jugendliche Mädchen sich mehr mit ihrem Körper beschäftigen als Jungs im gleichen Alter.


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Väter verbringen dreimal mehr Spielzeit mit ihren Sohn, als mit ihrer Tochter. Im Umgang mit ihrem kleinen Jungen verwenden Väter häufiger Worte, die auf Erfolg und Zielerfüllung hinweisen, wie „stolz“, „gewinnen“, „Erster“.

In der Veröffentlichung der Studie rufen die Wissenschaftler dazu auf, die Ergebnisse ernst zu nehmen und auch bei Jungen mehr auf die Vermittlung von Empathie zu achten. Die Studie sei der Beweis dafür, dass trotz aller Fortschrittlichkeit die Rollenmuster vom starken, unempfindlichen Mann und der zarten, gefühlvollen Frau weiterhin bestehen und anerzogen werden.
Faszinierende Ergebnisse beim Gehirnscan
Die Studie erweiterte ihre Untersuchungen auf die Gehirnaktivitäten von Vätern in Bezug auf ihre Kinder. Die Ergebnisse sind faszinierend: Väter von Töchtern hatten die stärkste Reaktion im Gehirn, als ihnen die Forscher ein Foto vorlegten, auf dem ihre Tochter glücklich wirkt. Die stärkste Reaktion bei Vätern von Söhnen wurde bei Fotos hervorgerufen, auf denen die Kinder einen neutralen Gesichtsausdruck hatten. Die Forscher erklären dies damit, dass Väter mehr auf die Gefühle ihrer kleinen Mädchen achten als auf die ihrer Söhne. Ob es einen biologischen Hintergrund hat oder es eine Konsequenz der Geschlechterrollen in unsere Gesellschaft ist, dass Väter unterschiedlich auf die emotionale Verfassung von Tochter und Sohn zu reagieren, konnten die Forscher nicht beantworten.

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Sophia Gesierich

von Sophia Gesierich




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