Wegen eines Fotos verurteilt, darum wehrt sich diese Mutter jetzt

Tausende verurteilten diese Mutter für ein Foto, das sie und ihr Baby am Flughafen zeigt – ohne die Hintergründe zu kennen. Nun ergreift die Mutter das Wort und lehrt uns allen eine wichtige Lektion.


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Mutter wird kritisiert

Das Foto, das Molly und ihre kleine Tochter am Flughafen zeigt, wurde mittlerweile auf Facebook gelöscht.


© Facebook
Das Internet: Raum für wunderbare, herzzerreißende oder witzige Geschichten – aber auch für Cybermobbing und wilde Diskussionen, die teilweise einer Hexenjagd ähneln. Letzteres ist Molly Lensing passiert. Sie und ihre Tochter wurden – ohne ihre Einwilligung – in die Öffentlichkeit gedrängt; Molly wurde Mittelpunkt einer regelrechten Hetzkampagne und wurde von einem Tag auf den anderen mit heftiger Kritik und miesen Beschimpfungen konfrontiert. Das sind die Hintergründe:

Fremder macht Fotos


Molly und ihre Tochter wurden von einem fremden Mann am Flughafen fotografiert. Auf dem Bild zu sehen: Während ihre zwei Monate alte Tochter vor ihr auf einer Decke auf dem Boden liegt, hat Molly ein Smartphone in der Hand und richtet ihren Blick darauf.

Der Mann hält diesen kurzen Moment ungefragt fest und stellt das Bild bei Facebook ein. Sein fieser Kommentar dazu: "Ich fürchte mich vor dem Tag, an dem die Technologie über die Menschlichkeit triumphieren wird. Auf der Welt wird es nur noch eine Generation aus Idioten geben. - Albert Einstein."

Auf Facebook schlägt das Foto hohe Wellen. Zahlreiche User teten unter dem Bild schonungslos ihre Meinung kund. Die junge Mutter wird verurteilt, kritisiert, ja sogar beschimpft. Ihr wird vorgeworfen, sich mehr um ihr Smartphone als um ihr Kind zu kümmern. Sie wird als schlechte Mutter gebrandmarkt – und das alles ohne, dass sie davon Bescheid wusste oder jemals ihr Einverständnis für die Veröffentlichung des Fotos gegeben hatte.

Es dauerte allerdings nicht lange, bis auch Molly selbst das Bild entdeckte – und entsetzt war, wie sehr ihre Privatsphäre verletzt worden war.

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„Ich habe keine Macht über das, was im Internet passiert“

Obwohl niemand die Umstände hinter dem Foto kennt, gehen die Internetnutzer auf Molly los. Sie verurteilen die junge Mutter und bilden sich ihre Meinung über Molly nur aufgrund eines Fotos.

Für Molly sind es nicht nur die fiesen Kommentare, die sie verletzen, auch hatte die junge Mutter Angst, wie sich das Bild auf ihren Beruf auswirken könnte. Denn Molly hatte kurz vor dem Vorfall bei einem neuen Arbeitgeber als Kinderkrankenschwester angefangen. "Ich hatte solche Angst, dass meine Mitarbeiter oder mein Chef dieses Bild und die Kommentare sehen und dann vielleicht denken, ich sollte nicht mehr mit Kindern arbeiten", sagte sie in einem Interview mit „TODAY Parents“. Diese Bedenken sind allerdings nicht Realität geworden, ihr Arbeitgeber steht weiterhin zu Molly.

Trotzdem: Für Molly ist diese Erfahrung ein Schock. Deswegen hatte sie das Bedürfnis, die wahre Geschichte hinter dem Bild mit der Öffentlichkeit zu teilen. Sie erzählt: „Wir hatten das Pech, am Flughafen festzusitzen, weil es an diesem Tag einen Systemabsturz gab.“ Molly war alleine mit ihrer zwei Monate alten Tochter unterwegs und musste Stunden am Flughafen verbringen: „Ich habe Anastasia mehrere Stunden im Arm gehalten und in ihrem Babyträger gehalten. Meine Arme waren müde und sie musste sich ausstrecken. Und ich musste meiner Familie mitteilen, wo ich bin- sie hatten sich schon gefragt, wo wir bleiben.

Und so schnell wird aus der selbstsüchtigen Mutter, die das Smartphone ihrem Kind vorzieht, eine erschöpfte Mama, die nur das Beste für ihr Kind wollte, deren Privatsphäre von einem fremden Mann verletzt worden ist.
Lasst uns nicht über andere richten

Irgendein Mann, der nicht wusste, dass Molly schon seit 20 Stunden mit ihrer Tochter am Flughafen festsaß, hat, anstatt seine Hilfe anzubieten, ein wertendes Foto der Mutter ins Internet gestellt.

Irgendein Fremder hat beschlossen, dass seine vorgefertigte Meinung wichtiger ist als die Wahrheit hinter dem Bild.

Irgendein Fremder hat das Foto unbedarft ins Internet gestellt – und keinen Gedanken daran verschwendet, wie sich die Mutter dabei fühlen könnte.

Tausende Fremde haben über die Mutter geurteilt – nur wegen eines Fotos, das eine kleine Momentaufnahme zeigt.

Dank Smartphone und Sozialen Medien ist es einfach geworden, Fotos von seiner Umgebung im Internet zu teilen und damit andere bloßzustellen. Und natürlich gibt es durchaus Situationen, in denen diese öffentliche Zuschaustellung gerechtfertigt oder sogar (für Ermittlungen o.ä.) hilfreich ist. Aber fällt eine erschöpfte Mutter am Flughafen wirklich darunter? Mal ehrlich, ist irgendwem damit geholfen, wenn jemand ein Foto von dieser Mutter macht, es online stellt und sich zahlreiche Internetnutzer darüber echauffieren? Wäre es stattdessen nicht nützlicher gewesen, die Mutter zu fragen, ob sie Hilfe benötigt? Oder einfach mal das Smartphone in der Tasche stecken zu lassen und sich um seine eigenen Probleme zu kümmern?

In Deutschland hätte der unbekannte Fotograf übrigens durchaus Ärger für sein Bild bekommen können. Denn hierzulande besteht das Recht am eigenen Bild. Es besagt, dass jeder Mensch selbst darüber bestimmen darf, ob und in welchem Zusammenhang Bilder von ihm veröffentlicht werden. 

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von Nicole Metz




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