Wie präsent ist der Computer im Klassenzimmer?


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Wie präsent ist der Computer im Klassenzimmer?

Darüber sprachen wir mit Dieter van Holst, Lehrer für Politik und Wirtschaft an der Ernst-Reuter-Schule in Frankfurt. Als Fachberater Neue Medien organisiert er auch Lehrerfortbildungen zum Thema Familie&Co: Viele Eltern wünschen sich, dass Kinder in der Schule einen sinnvollen, praxisorientierten Umgang mit dem Computer erlernen. Wird das geleistet?
Dieter van Holst:
Leider wird diese Aufgabe noch nicht optimal erfüllt. Zwar ist die technische Ausstattung vieler Schulen sehr verbessert worden, ausreichend ist sie aber nicht. Das Hauptproblem liegt allerdings woanders: Dort, wo Rechner vorhanden sind, werden sie oft wenig benutzt - oder zumindest recht planlos. Im Regelunterricht ist der Computer nach wie vor die Ausnahme. Und woran liegt das?
Es fehlen Konzepte für die Einbindung des Computers in den Lernprozess. Oft ist der Einsatz des Rechners im Lehrplan festgelegt, ohne dass beschrieben ist, wie das konkret aussehen soll. Das führt etwa dazu, dass in vielen Gymnasien in der Sekundarstufe nach wie vor nicht mit Excel gearbeitet wird - obwohl der Lehrplan es klar verlangt. Trifft dieses Problem alle Schultypen und Altersklassen gleichermaßen?
Prinzipiell gilt: Je höher das Bildungsniveau, desto weniger ausgereift sind die Vorstellungen vom Einsatz des Computers. Insgesamt sieht die Situation in den Grundschulen noch am besten aus. Hier wird oft schon sehr planvoll mit Rechnern gearbeitet. Könnte man nicht einfach Computerkurse für alle Schüler einführen?
Das wäre ein konzeptioneller Rückschritt. Die Idee wurde in den 90er Jahren verfolgt und inzwischen verworfen - zu Recht, wie ich finde: Der Umgang mit dem Computer sollte nicht abstrakt sein, sondern immer auf die Lösung konkreter Problemstellungen zielen. Viele Schüler verwenden den Computer für die Hausaufgaben. Haben sie überhaupt die Kompetenz dafür?
Meist wird der Computer einfach nur als Schreibmaschine benutzt, wogegen bei den Älteren auch nichts zu sagen ist. Leider existiert die Vorstellung, eine aufwendige Gestaltung könne über andere Mängel hinwegtäuschen. In solchen Arbeiten stecken oft besonders viele Fehler. Finden Sie es gut, wenn für Hausaufgaben Internetrecherche betrieben wird?
Ja - wenn es sich tatsächlich um Recherchen handelt. Leider werden die Schüler von Jahr zu Jahr findiger dabei, Internetquellen unzulässig zu nutzen. Wenn ich keine Kopie aus dem Internet vorgelegt bekommen will, muss ich schon sehr genau überlegen, wie ich das Thema formuliere. Es kommt aber auch vor, dass ich meinen Schülern die Hausaufgabe stelle, etwas im Internet nachzuschauen. Allerdings muss ich sie dabei sehr gut begleiten. Denn viele beherrschen den Umgang mit Suchmaschinen nicht wirklich. Sie geben zwei, drei Schlagwörter bei Google ein und fischen dann unter 100000 Treffern nach letztendlich beliebigen Informationen.