Zwanghaftes Miteinander von Geschwistern vermeiden - ein Interview


(0)

Melden Sie sich in unserer Community an, um Beiträge zu Ihren Favoriten hinzuzufügen.

Jetzt anmelden

Zwanghaftes Miteinander von Geschwistern vermeiden - ein Interview

„Verantwortungsgefühl muss von selbst entstehen“

Sollen ältere sich um jüngere Geschwister kümmern? Ja - solange sie es freiwillig und gerne tun und die Verantwortung nicht zu groß wird, sagt der Psychologe Ingo Würtl Familie&Co:
Sollten ältere Geschwister lernen, sich auch mal um die jüngeren zu kümmern? Kinderpsychologe Ingo Würtl:
Sagen wir so: Es ist erfreulich, wenn es passiert. Zu sehen, wie das Ältere dem Jüngeren spontan zur Seite springt, ist für Eltern ein wunderschöner Erfolg. Und natürlich ist toll, zu wissen, dass der oder die Große bereit ist, auch mal ein halbes Stündchen für das kleine Geschwisterchen zu sorgen. Aber dieses Verantwortungsgefühl muss von selbst entstehen. Drängeln oder Druck sind also eher hinderlich. Deshalb sollten die Eltern das Zusammensein von Geschwistern niemals erzwingen! Und auf keinen Fall darf das ältere Geschwister den Eindruck bekommen, für das jüngere zeitweise die Hauptverantwortung zu tragen, das wäre eine viel zu große Bürde. Familie&Co:
Woran merke ich, ob mein Kind überhaupt reif dafür ist, auf das jüngere Geschwister aufzupassen? Kinderpsychologe Ingo Würtl:
Am Alter kann man sich jedenfalls nur sehr begrenzt orientieren, denn in dieser Hinsicht entwickelt sich jedes Kind anders. Eltern bleibt nichts anderes übrig, als ihre Sprösslinge zu beobachten und sich auf ihr Gefühl zu verlassen. Was ist es für ein Verhältnis, das die beiden Geschwister zueinander haben? Welche Stimmung herrscht zwischen ihnen? Versuchen Sie, die Lage realistisch einzuschätzen. Tatsache ist nun mal: Manche Kinder sind phasenweise nicht dafür geeignet, sich um ein anderes Geschwister zu kümmern - und sei es nur, weil sie zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind. Familie&Co:
Geht es zu weit, wenn ältere Kinder regelmäßig auf ihr kleines Geschwisterchen aufpassen sollen? Etwa am Nachmittag, bis die Mutter von der Arbeit kommt? Kinderpsychologe Ingo Würtl:
Ja, davon möchte ich auf jeden Fall abraten. Mit dem Schulbesuch und seinen Hausaufgaben hat ein Kind genug feste Alltagspflichten. Die zusätzliche Belastung, täglich mehrere Stunden auf ein jüngeres Geschwister aufzupassen, ist einfach zu viel. Im schlimmsten Fall kann eine solche permanente Überforderung dazu führen, dass das ältere Geschwister das jüngere abzulehnen beginnt. Familie&Co:
Was können Eltern dafür tun, dass das Sitten unter Geschwistern ohne Streit abläuft? Kinderpsychologe Ingo Würtl:
Wie eigentlich immer, können Eltern auch in dieser Frage mit einem guten Vorbild das meiste erreichen. Leben Sie Ihren Kindern einen humorvollen und liebevollen Umgang miteinander vor - und Sie werden erleben, dass sie ebenfalls entspannt und fröhlich miteinander umgehen.