Forum Kinderwunschmedizin



  1. #41
    Junior Member Avatar von bouvier
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    Hallo ihr lieben!
    Ein Kind zu wollen, ist wahrlich kein zu missbilligender Wunsch. Wenn ein Paar bereit ist, für ihren bisher unerfüllten Kinderwunsch sehr viel Geld zu zahlen und es auf der anderen Seite der Erde eine Frau gibt, die für Geld bereit ist, dem Paar diesen Wunsch zu erfüllen, dann muss man sich schon überlegen, warum man dies verbieten möchte. Die Begründungslast liegt bei demjenigen, der für das Verbot plädiert, nicht umgekehrt.
    Ich finde Leihmutterschaft auch nicht toll. Klar hört sich das irgendwie nach Ausbeutung an, man hat ein komisches Gefühl. Wenn aber das Leben einer ukrainischen Frau und ihrer Familie mit 20.000 oder 30.000 Euro sich fundamental zum Besseren wendet und ebenso das Leben der neuen Familie, wer ist man dann, das zwingend verbieten zu wollen. Auf der Welt zu sein, ist für das Kind ebenfalls allemal besser, als nie geboren zu werden.
    Das Problem ist eben schon: Wer kommt dafür auf, wenn es Komplikationen gibt und die Leihmutter umfangreiche und teure medizinische Versorgung benötigt, auch über die Schwangerschaft hinaus? Das ist das eigentliche Dilemma, das ich sehe.
    Solange die "Mutterschaft" in der BRD nicht entnazifiziert wird, solange zäumen wir das Pferd von hinten auf (egal wie viele positive Berichte die dankbaren deutschen Patienten über die ukrainische Biotexcom-Klinik im Internet verfassen, dies ist keine Lösung des Problems).
    All die Ideale die dem Mysterium "Mutter" und "Schwangerschaft" angehängt werden, kriegen wir in der BRD von klein auf eingetrichtert.
    Eine schwangere deutsche Frau ähnelt einer heiligen Kuh in Bangladesh.
    Bouvier


  2. #42
    Junior Member Avatar von LadyGrey
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    Es ist doch allgemein anerkannt, dass die Kinder, auch wenn sie noch im Bauch der Mutter sind, schon alles mitgekommen ... die Stimme der Mutter hören (und dann auch gleich erkennen, wenn sie geboren sind), den Herzschlag hören, die Atmung, die Emotionen der Mutter spüren. Sie erkennen ja sogar die Musik, die die Mutter regelmäßig hört. Wie kann man dann nur davon ausgehen, dass diese Kinder keine emotionale Bindung zur Mutter haben? Wie kann man das nur ausblenden und solche un-natürlichen (im wahrsten Sinne des Wortes) Formen erlauben oder fördern? Babies erkennen die Mutter auch am Geruch ... Ich finde es grausam, Babies dann von ihren "Müttern" zu trennen, von dem was sie kennen seit ihrem ersten Herzschlag.
    Ein anderes Thema, was mich beschäftigt, ist Identität. Wie wachsen diese Kinder auf? Was ist ihre Mama oder der Papa? Es hat dann also eine Mama und zwei Papas? Aber von wem hat es was? Und wieso kennt es nicht alle? Vielleicht ist es so ähnlich wie bei einer Adoption. Auch da kennt man mitunter seine Eltern nicht. Aber dies ist doch immer sehr schmerzlich und ein großer Verlust für die Betroffenen. Es geht doch nicht darum, diesen Zustand zu fördern oder zu unterstützen, sondern eher darum, dies zu verhindern.
    Es gibt einen Herr in Holland, den von Lesbenspaaren und einsamen Frauen gesucht ist. Er schläft mit diesen Damen, die schwanger werden wollen, sie bekommen ein Baby und werden unendlich glücklich. Alle sagen "was für ein süßer hilfsreicher Typ".
    Aber wenn eine Frau die Entscheidung macht, das Kind wegzugeben, dann ist sie der schlimmste Mensch der Welt.
    Doch ist die LM ein einfacherer obwohl längerer Weg. Ganz egal ob solche Kiwu-Zentren wie Biotexcom in Osteuropa liegen, Hauptsache es wird den Bedürftigen legal geholfen!
    LG,
    LadyGrey


  3. #43
    Junior Member Avatar von cocoify
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    Hallo!
    Wir leben in einem Land, in der Frauen ihre Vagina vermieten dürfen, aber nicht ihre Gebärmutter. Grotesk.
    Und noch interessanter ist, dass man in den USA die Gebärmutter vermieten darf, aber nicht die Vagina.
    Dabei ist doch eine Schwangerschaft ein weitaus schwerwiegender körperlicher Eingriff, als Sex zu haben.
    Und das man sich als Deutsche ein Baby in der Ukraine Legal „kaufen“ kann, ist auch bekannt und absolut in Ordnung: http://de.newseurope.info/?p=46541
    Tja, warum machen wir das dann nicht einfach? Wäre doch allen geholfen?
    Die dritte Person wird im Allgemeinen bei Schwangerschaften ignoriert. Keiner fragt das Kind ob es geboren werden will oder zu welchem Eltern( wie auch). Bewusst ein Kind zu bekommen ist ein egoistischer Akt mehr nicht. Wenn das Kind auf der Welt ist mag das dann meist anders sein, aber vorher nicht..
    Grotesk ist auch, dass darüber, welche Teile der Frau "vermietet" werden dürfen oder in welcher Form verwendet oder nicht verwendet werden dürfen/müssen, zu 90% Männer entscheiden.
    Gerade so erst wieder geschehen in den USA. It's true!
    Also wird in Zukunft bei Gesetzgebungsverfahren immer nur der Teil des Parlaments gefragt, der das richtige Geschlecht hat? Und welches ist das? Heutzutage würden Sie doch damit die ganzen unentschiedenen Menschen ausschließen. In Fragen der Unisex-Toilette werden dann nur Menschen im entsprechenden Beratungsgremium befragt, die trans_x oder trans.x oder ähnliches sind. Und was ist mit den restlichen Menschen? Dürfen die eine Meinung haben? Dürfen sie Handlungen ethisch reflektieren? Macht ab jetzt jeder seine eigene Moral?
    Cocoify


  4. #44
    Junior Member Avatar von alegraboselli
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    Schöne Begründung um auch in Zukunft Frauen in armen Ländern - aber auch bei uns - weiter maximal auszubeuten. Der Körper als Handelsware.
    Manchmal soll es einfach nicht sein. Aber statt sein Schicksal anzunehmen, nutzt man monetäre Ressourcen und kauft von denen, die von der Hand in den Mund leben. Man kauft, was einem selber von der Natur verwehrt bleibt: Die Fähigkeit ein Kind auszutragen.
    Gibt es ein soziales Gefälle zwischen Auftraggebern und Leihmüttern oder begegnet man sich für gewöhnlich sozial auf Augenhöhe? Das hätte mal erforscht werden müssen. Wobei wir uns die Antwort alle denken können...(einige Infos zum Thema: http://de.newseurope.info/?p=45853)
    Alle gesundheitlichen Risiken trägt wer anders. Die "Eltern" verlieren maximal Geld, die Leihmutter büßt im schlimmsten Fall Ihre Gesundheit ein.
    Nun erzählt uns ein "Pariser Kolloquium" mal eben wie schön und emotional unkompliziert so eine Leihmutterschaft über die Bühne gehen kann.
    Na prima, dann sind wir ja moralisch fein raus. Und en passant werden schwule Männer erwähnt, die nun mal kein Kind austragen können. Unausgesprochener Umkehrschluss: Wer gegen die Leihmutterschaft ist, der diskriminiert Schwule.
    Aber so leicht geht das nicht. Man kann vieles für Geld kaufen. Aber das ist nicht immer moralisch in Ordnung. Auch wenn die Verfasserin sich große Mühe gibt daran was zu ändern.
    Das seelische Wohlbefinden der so erzeugten Kinder bleibt übrigens genauso unerwähnt wie die soziale Komponente.
    Auch so kann man sich die Welt zurecht machen. Wie sie mir gefällt...
    Schönes Wochenende wünsche ich euch, liebe Mitstreiterinnen!
    Alegra



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