Das Aus für Deutschland! Die Linie fehlte im deutschen Team. Standards wurden nicht in Tore umgewandelt. 120 zähe Minuten. Aus der Traum.

Schon nach drei Minuten verletzte sich die Mittelfeldspielerin Kim Kulig am Knie und fiel für den Rest des Spieles aus. Später wurde vom DFB-Mannschaftsarzt Bernd Lasarzewski ein Kreuzbandriss bestätigt. Silvia Neid hatte Kim Kulig, der eine Gelbsperrung drohte, extra im Frankreich-Spiel nicht eingesetzt und für die Partie gegen Japan aufgespart. Der Ausfall nach so kurzer Zeit war ein Schock. Eingewechselt wurde Bianca Schmidt, die die rechte Abwehrseite übernahm. Auf Kuligs Position rückte die Außenfeldspielerin Linda Bresonik, die der Anforderung nicht gerecht wurde. "Linda war mit ihrer Aufgabe wohl ein bisschen überfordert", interpretierte Torfrau Nadine Angerer später gegenüber der ZDF-Sportmoderatorin Müller-Hohenstein.
Taktik konnte allerdings nicht in Tore umgewandelt werden. Um die Japanerinnen körperlich einzuschüchtern, wurde beispielsweise ausschließlich Melanie Behringer für Freistöße und Eckbälle eingesetzt. Ohne Erfolg. "Wenn man aus vielleicht 15 Standardsituationen kein einziges Tor macht, kann man wohl auch nicht gewinnen", sagte Neid anschließend. Das Zusammenspiel hat nicht funktioniert. Erarbeitete Chancen lösten sich im Nichts auf. Ein wenig durchdachtes Spiel ohne Präzision.
Die Bälle saßen weiter nicht, die Deutschen kamen nicht ans Ziel. Die Japanerinnen kassierten drei gelbe Karten, die Deutschen eine. Im Spiel wurde immer mehr gekämpft bald nur noch gekrampft. Von Leichtigkeit, die im Spiel gegen Frankreich vorherrschte, keine Spur. Gegen Ende der Spielzeit stand es 0:0, man musste in die Verlängerung, was für die Deutschen nicht von Vorteil war. „Ich glaube wir hätten heute keine Ahnung wie lange spielen können. Ich glaube, wir hätten heute kein Tor mehr gemacht“, resumiert Neid.
Über einen langen Zeitraum erwirkten sie nicht eine Tor-Chance, aber sie waren stark im Kontern. Flink und geschlossen traten sie der deutschen Offensive entgegen. Und dann in der 108. Minute gelang es der japanischen Stürmerin Karina Maruyama, an Saskia Bartusiak vorbei zu rennen und in einem fast undenkbar spitzen Winkel den Ball ins Tor zu schießen.
"Ich habe keinen Gedanken an ein Ausscheiden verschwendet. Selbst als wir im Rückstand lagen, hatte ich immer noch das Gefühl, wir schießen noch einen Treffer", sagte Nadine Angerer, die das Aus der deutschen Frauen bei der Frauenfußball-WM als surreal empfand. So haben es die meisten Spielerinnen empfunden. Fassungslos lagen die deutschen Fußballerinnen nach Abpfiff auf dem Boden, viele ließen ihren Tränen freien Lauf. Als sich die Spielerinnen wieder ein wenig beruhigt hatten, trugen sie ein Plakat durchs Stadion: ’Ein Team, ein Traum, Millionen Fans – Danke’.
Besonders Leid tut es einem für Birgit Prinz und Ariane Hingst. Beide hatten schon vor einiger Zeit bekannt gegeben, mit dieser WM dem Fußballspielen adieu zu sagen. Sie müssen sich nun mit dem wenig ruhmreichen Ende ihrer Karriere vertraut machen. Die Japanerinnen dürfen noch weiter träumen und kämpfen. Auch sie trugen ein Plakat durchs Stadion, auf dem sie sich für die weltweite Unterstützung nach der Atom-Katastrophe in Japan bedankten.
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(leo)

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