Diagnose von ADHS

Lesen Sie hier alles rund um die Diagnose ADHS: wie wichtig eine professionelle Diagnose ist, wer sie durchführt und wie ADHS diagnostiziert wird.


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Diagnose ADHS oft zu voreilig


Vorsicht ist geboten: Nicht jeder Wirbelwind mit vermeintlich „typischen“ Symptomen ist von ADHS betroffen. Kinder haben unterschiedliche Temperamente - und auch Kinder ohne ADHS wirken oft unkonzentriert. Früher Leistungs- und Termindruck, immer kleinerer Aktionsradius, neue Informationen und schrille Reize an jeder Ecke: Die Welt ist in mancher Hinsicht nicht gerade kindgerechter geworden.

ADHS ist nicht immer der Grund.
Es gibt zudem zahlreiche andere Gründe wie Schlafstörungen bei Kindern, Hörprobleme oder seelische Vernachlässigung, die bei Kindern nervöses Verhalten auslösen können. Ursachen, die dringend aufgedeckt werden müssen, so Schulte-Markwort, denn „jede Fehldiagnose wird dem eigentlichen Problem nicht gerecht“. Und sie kann die Situation des Kindes noch verschlimmern, warnt Hultzsch: „Kinder leiden unter einer falschen Diagnose zusätzlich und fühlen sich oft zu Unrecht stigmatisiert.“

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Die Diagnose scheint also der Schlüssel zu einem verantwortungsvollen Umgang mit ADHS zu sein. Eine umfassende Diagnostik, die es sich nicht einfach macht. Die alle anderen Eventualitäten weitgehend ausschließt, keine voreiligen Schlüsse zieht und nicht leichtfertig in eine medikamentöse Therapie mündet. Eine, die das Umfeld des Kindes nicht aus den Augen verliert und die sicherstellt, dass die Kinder wirklich die Hilfe bekommen, die sie tatsächlich brauchen.
Diagnose beruht auf dem subjektiven Eindruck des Arztes
International anerkannte Leitlinien unterstützen die Fachleute mittlerweile bei einer solch sorgfältigen Beurteilung. Das Problem: Nach wie vor beruht die Diagnose hauptsächlich auf dem subjektiven Eindruck des Arztes. Hierfür braucht es Erfahrung, Fachwissen - und viel Zeit. „Eltern sollten sich nicht damit zufriedengeben, wenn nach einem kurzen Gespräch die Diagnose ADHS gestellt wird. Eine fundierte Diagnostik mit Erstellung eines Behandlungsplanes dauert drei bis fünf Stunden“, so Schulte-Markwort.

Remschmidt rät betroffenen Eltern: „Es lohnt sich, einen Experten aufzusuchen. Eine verlässliche Diagnose können nur Ärzte für Kinder- und Jugendpsychatrie garantieren sowie Ärzte für Kinder- und Jugendmedizin und andere Ärzte, die sich auf ADHS spezialisiert haben.“

ADHS Diagnose

Für die ADHS-Diagnose braucht es Zeit und einen kompetenten Arzt.


© Thinkstock
So wird ADHS diagnostiziert  

•   Erhebung der Krankengeschichte der Familie und des Kindes
•   Befragung der Eltern, Geschwister, Erzieher bzw. Lehrer zu Sozial- und
    Lernverhalten und Persönlichkeitsstruktur
•   Fragebogentests (verschiedene Versionen für Lehrer bzw. Erzieher und Eltern)
•   Körperliche und neurologische Untersuchung, z.B. Beurteilung des Seh- und
    Hörvermögens
•   Entwicklungs-, Intelligenz- und Aufmerksamkeitstests, wenn für die Symptome
    Leistungs- und Verhaltensstörungen infrage kommen
•   Verhaltensbeobachtung während der gesamten Untersuchungen
•   Evtl. Videoaufzeichnungen
•   EEG-Untersuchungen, falls ein Anfallsleiden vorliegen könnte


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