Antibiotika für Kinder

Antibiotika sind ein Segen im Kampf gegen bakterielle Infektionen. Bei Virusinfekten sind sie allerdings wirkungslos. Wann Antibiotika bei Kindern notwendig sind und was Sie bei der Gabe beachten sollten, erklären wir Ihnen hier.


(0)

Melden Sie sich in unserer Community an, um Beiträge zu Ihren Favoriten hinzuzufügen.

Jetzt anmelden

Antibiotika bei Kindern: Pro und Contra



Antibiotika für Kinder

Für Eltern oft eine schwierige Entscheidung: Antibiotikum - ja oder nein?


© Thinkstock
Wenn der Kinderarzt ein Antibiotikum verschreibt, löst das bei den Eltern unterschiedliche Reaktionen aus. Die einen wollen es tunlichst vermeiden, fürchten Nebenwirkungen und haben Sorge wegen der zunehmenden Resistenz von Antibiotika. Die anderen jubeln über das „Wundermedikament“, in der Hoffnung, dass ihr Kind so möglichst schnell wieder gesund ist. Oft zeigt sich: Eltern sind unzureichend über den Einsatz und die Wirkung von Antibiotikum informiert. Der Wunsch nach einem Mittel, das schnell hilft, wird von den Ärzten häufig als Wunsch nach einem Antibiotikum interpretiert. Nicht verwunderlich, dass gut ein Drittel der Kinder und Jugendlichen ein Mal im Jahr ein Antibiotikum einnehmen. Bei den Drei- bis Sechsjährigen ist es sogar jedes zweite Kind, so der Faktencheck Gesundheit der Bertelsmann Stiftung.

Die wichtigsten zehn Fragen rund um Antibiotika für Kinder
  • 1 / 8
    Warum helfen Antibiotika nicht bei einer Erkältung?

    Eine Erkältung wird durch Viren verursacht - Antibiotika wirken nur bei Krankheiten, die durch Bakterien verursacht werden. Das heißt im Umkehrschluss: Bei einer einfachen Erkältung brauchen Kinder keine Antibiotika.

  • 2 / 8
    Was tun bei einer Mittelohrentzündung?

    Noch immer greifen viele Ärzte bei einer Mittelohrentzündung ohne zu zögern zu einem Antibiotikum. Dabei ist das falsch, wie einige Studien gezeigt haben: Kinder sind bei einer mit Antibiotikum behandelten Mittelohrentzündung durchschnittlich gerade mal einen Tag schneller gesund. Bei Kindern unter zwei Jahren ist eine Antibiotika-Einnahme allerdings ratsam, vor allem, wenn beide Ohren betroffen sind und Eiter austritt.

  • 3 / 8
    Kann ich das Antibiotikum absetzen, wenn es dem Kind besser geht?

    Bitte nicht! Die vorgeschriebene Einnahmedauer (meist fünf bis sieben Tage) sollte immer eingehalten werden. Wird das Medikament zu früh abgesetzt, können widerstandsfähige Bakterien überleben und sich vermehren, sie werden gegen das Antibiotikum unempfindlich. Daraus kann sich eine gefährliche Antibiotikum-Resistenz entwickeln.

  • 4 / 8
    Gibt es spezielle Antibiotika für Kinder?

    Spezielle Präparate oder Wirkstoffe für Kinder gibt es nicht. Da die Dosierung über das Körpergewicht berechnet wird, ist das jedoch kein Problem. Und einen Unterschied gibt es doch: Während Erwachsenen meist Tabletten verschrieben werden, gibt es für Kinder süß schmeckende antibiotische Säfte.

  • 5 / 8
    Wirken alle Antibiotika gleich?

    Nein! Es gibt Antibiotika, die die Bakterien töten, andere verhindern, dass sich die Bakterien vermehren.

  • 6 / 8
    Breitbandantibiotikum - oder lieber ein spezielles Antibiotikum?

    Wenn Sie ein Rezept für ein Antibiotikum bekommen, fragen Sie nach, um was für ein Antibiotikum es sich handelt. Ein speziell gegen die vorliegenden Bakterien wirksames Antibiotikum ist besser als ein Breitbandantibiotikum. Das tötet nämlich grundsätzlich alle Bakterien ab - d.h. auch die für den Körper wichtigen - und fördert eine Resistenz.

  • 7 / 8
    Was hilft zusätzlich zum Antibiotikum?

    Auch wenn Kinder sich bei einer Antibiotikum-Therapie häufig schnell erholen gilt wie bei allen Krankheiten: Ruhe, kein Sport, vitaminreiche Ernährung, viel trinken und viel schlafen!

  • 8 / 8
    Wie geht man gegen Viren vor?

    Viren lassen sich nicht ursächlich bekämpfen. Bei einer viralen Infektion geht es darum, so gut wie möglich die Symptome zu lindern.



Wann helfen Antibiotika?


Die Antwort auf diese Frage ist in der Theorie ganz einfach: Bei Erkrankungen, die durch Bakterien verursacht wurden. In diesen Fällen sind Antibiotika oft lebenswichtig. Der Knackpunkt ist aber: Die meisten Erkrankungen, die Kinder jahrein, jahraus mit nach Hause bringen, werden durch Viren verursacht. Allen voran die Krankheiten, die sich Kinder in der kalten Jahreszeit einfangen, von Husten über Schnupfen bis zu Halsschmerzen - in acht von zehn Fällen stecken Viren hinter den Beschwerden. Nicht selten schickt der Kinderarzt Eltern trotzdem mit einem Antibiotikum nach Hause. Das ist übrigens vor allem an Freitagen der Fall, wenn das Wochenende vor der Tür steht und Eltern „sicher gehen wollen“, dass die Kinder bis Montag wieder fit sind. Bei den üblichen Erkältungssymptomen, auch den gravierenderen, ist das Antibiotikum jedoch allermeist wirkungslos: Antibiotika wirken nur gegen Bakterien, nicht gegen Viren.
Wie lässt sich erkennen, ob es sich um eine bakterielle oder eine virale Infektion handelt?
Die Unterscheidung ist auch für Ärzte nicht immer leicht, eine definitive Aussage kann nur eine Blutuntersuchung im Labor treffen. Die braucht aber Zeit. Eine gute Alternative ist ein CRP-Schnelltest, der vom Arzt innerhalb weniger Minuten in der Praxis ausgewertet wird. Bei diesem Test wird auf das C-reaktive Protein (CRP) untersucht. Ist dieser Wert hoch, spricht das für eine bakterielle Entzündung. Für Kinder angenehm: Der Test kommt mit wenig Blut aus, ein kleiner Piks in den Finger reicht aus.

Antibiotika für Kinder

Bei einer Blutuntersuchung können Bakterien erkannt werden.


© Thinkstock

Krankheiten, die durch Bakterien verursacht werden und mit einem Antibiotikum behandelt werden sollten, sind zum Beispiel
Lungenentzündung
Hirnhautentzündung und Gehirnentzündung
Harnwegsinfektionen
eitrige Mandelentzündung
Mittelohrentzündung bei Babys und Kleinkindern

„In der Regel wägt jeder Kinderarzt sehr gut ab, ob das Kind auf die Hilfe eines Antibiotikums angewiesen ist“, so Dr. Bernd Hinrichs, Oberarzt in der Kinderklinik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Bei den genannten Krankheitsbildern jedoch mache eine Behandlung ohne Antibiotika, wenn überhaupt, nur im Einzelfall und unter enger ärztlicher Überwachung Sinn. Die Vorteile des Medikaments sind nicht von der Hand zu weisen:
• Antibiotika verkürzen die Krankheitsdauer (wenn sie richtig angewendet werden),
• ihre Wirkung ist fast immer verlässlich, und
• oft geht es dem kleinen Patienten schon nach den ersten Gaben besser.

Auch wichtig: Die weitverbreitete Vermutung, durch Antibiotika verlerne das Immunsystem, sich mit Krankheitserregern auseinanderzusetzen, sei schlichtweg unzutreffend, so Dr. Hinrichs. Zur Therapie wählt der Arzt ein Antibiotikum aus, das gegen die jeweiligen krankmachenden Bakterien erfahrungsgemäß wirksam ist. Ist genügend Zeit vorhanden, kann im Labor ein Antibiogramm erstellt und für eine gezielte Therapie ein sicher wirksames Mittel gewählt werden.

Umfrage

Was ist Ihre Meinung zu Antibiotika bei Kindern?



Wenn Sie sich nicht blind auf die Empfehlung Ihres Arztes verlassen möchten, sondern mitentscheiden möchten, ob Ihr Kind ein Antibiotikum einnimmt oder eben nicht, hilft der "Faktencheck Gesundheit" der Bertelsmann Stiftung weiter. Wenn es darum geht, Klarheit zu bekommen, ob ein Antibiotikum wirklich sinnvoll ist, schlägt er Eltern einige Fragen an den Kinderarzt vor:

➤ Sprechen die Symptome eher für einen bakteriellen oder für einen Virus-Infekt?
➤ Ist erst einmal eine Abwartezeit sinnvoll? Wie lange sollte sie sein? Welche Kontrollen sind sinnvoll?
➤ Kann ein Schmerzmittel meinem Kind während des Abwartens helfen? Wenn ja, welches Mittel in welcher Dosierung?
➤ Welche weiteren Maßnahmen können die Heilung unterstützen?
➤ Welche Argumente sprechen für, welche gegen eine Antibiotika-Einnahme?
 
Tipp: Sind Sie unsicher, ob Sie den Einsatz eines Antibiotikums für Ihr Kind wirklich möchten, sprechen Sie mit dem Arzt darüber, mit der Medikation noch einen Tag abzuwarten. Oft zeigt sich bei der Kontrolluntersuchung am nächsten Tag, ob eine Besserung auch ohne Antibiotikum eintritt oder ob der Verlauf doch schwerwiegender ist.
 

Fazit: Keine Frage: Antibiotika sind lebenswichtig, bei normalen Erkältungskrankheiten bringen sie aber mehr Schaden als Nutzen.

Weitere Informationen
Hier finden Sie Informationen über die möglichen Nebenwirkungen von Antibiotika. Und: Wir erklären Ihnen, worauf Sie bei der Einnahme von Antibiotika achten sollten.

 Das könnte Sie interessieren: Hausmittel gegen Erkältung

Wie man Schnupfen und Halsweh sanft, aber nachhaltig kuriert: Die besten Rezepte gegen Erkältung







mehr zum Thema
Krankheiten Medikamente
Artikel kommentieren
Login