"Auf diese Sache habe ich nach der Geburt verzichtet - nun bereue ich es"

Bloggerin und Autorin Suzanne Jannese schreibt in einem ehrlichen Artikel über einen Fehler, den sie nach ihren Schwangerschaften gemacht hatte: Sie vernachlässigte die Rückbildungsgymnastik und bereut es nun bitterlich.


(0)

Melden Sie sich in unserer Community an, um Beiträge zu Ihren Favoriten hinzuzufügen.

Jetzt anmelden

Rückbeildungsgymnastik nach der Schwangerschaft

Blasenschwäche nach der Schwangerschaft ist ein weit verbreitetes Phänomen. Übungen für die Beckenbodenmuskulatur können die Situation verbessern


© iStock
Während der Schwangerschaft und nach der Geburt werden Mütter geradezu mit gutgemeinten Ratschlägen und Hinweisen überhäuft. Tu das nicht, mach das unbedingt, vergiss das, aber jenes nicht – mal soll die Plazenta nach der Geburt gegessen werden, mal nicht. Mal sollen sie Käse und Sushi unbedingt meiden, mal sind diese Lebensmittel während der Schwangerschaft doch gar nicht so schlimm. Ein Rat der immer gegeben wird, ohne Wenn und Aber, ist, nach der Geburt der Kleinen, die Rückbildungsgymnastik nicht zu vernachlässig, um die Beckenbodenmuskulatur wieder zu stärken. Dennoch kommen viele junge Mütter diesem Ratschlag nicht nach und führen die Übungen, die ihnen Arzt und Hebamme verordnen, nur halbherzig oder gar überhaupt nicht aus. Klar, mit einem frischgeborenen Baby nimmt alles andere erst einmal eine hintere Position auf der Wichtigkeitsskala ein – auch die eigene Gesundheit. So ging es der zweifachen Mutter Suzanne Jannese: „Irgendwie vergas ich die Beckenbodenübungen einfach. Sie schienen mir, verglichen mit allem anderen, einfach nicht so wichtig – vor allem, wenn man ein neugeborenes Baby füttern, baden und am Leben erhalten muss.“ Das ist allerdings der komplett falsche Ansatz, wie auch Suzanne erfahren musste.

Beckenbodenübungen auch nach Kaiserschnitt

Die Bloggerin schreibt in ihrem Artikel auf babble, dass sie gedacht hatte, dass Beckenbodengymnastik für sie eh nicht so wichtig sei, da sie ihre zwei Kinder per Kaiserschnitt geboren hatte.

Doch da hatte sich Suzanne geirrt. Ungefähr ein Jahr nach der Geburt ihres ersten Kindes fingen die Schmerzen an. Sie versuchte, ihren Sohn aus der Badewanne zu heben und verspürte einen plötzlichen Schmerz in der unteren Rückengegend. In den folgenden Jahren wurden die Rückenschmerzen noch ausgeprägter und häufiger. Bis sie eines Tages gerade beim Sport war, einen Sprung gewagt hat und plötzlich – aua! Ihr Rücken hatte komplett aufgegeben. Sie konnte keinen einzigen Schritt mehr machen, ohne große Schmerzen zu spüren. Auch ein Besuch beim Chiropraktiker konnte der jungen Mutter nicht helfen, niemand konnte sich die Schmerzen erklären. Suzanne musste erst einmal strikte Bettruhe wahren. Schließlich unterzog sie sich einem MRT-Scan und einer Wirbelsäuleninjektion, nur so konnte sich ihr Rücken mehr oder minder erholen.
Eine Schwangerschaft verändert den Körper

Rückbildungsgymnastik für Mütter

Für die Rückbildungsgymnastik gibt es spezielle Kurse, aber auch Hebammen helfen Müttern bei der Orientierung


© iStock
„Ich fragte meinen Physiotherapeuten, wie ich meinen Rücken nur so schwer verletzten konnte. Ratet mal, was seine Antwort war? Grund ist mein Beckenboden“, schreibt Suzanne in ihrem Artikel. Ihre Physiotherapeutin Becky Aston erklärte ihr, dass eine Schwangerschaft den ganzen Körper verändert und die Bauch- und Beckenbodenmuskulatur streckt. Es ist also nicht die Art und Weise, wie das Kind geboren wird, die den Körper der Mutter verändert, sondern die Schwangerschaft an sich. Rückbildungsgymnastik in Form von Beckenbodenübungen sind also für jede Mutter wichtig, egal ob sie ihr Kind durch einen Kaiserschnitt oder durch eine natürliche Geburt zur Welt gebracht hat. Wer denkt, dass Beckenbodenübungen nur etwas für Frauen seien, die Probleme mit Inkontinenz nach der Geburt haben, liegt auch falsch. Denn der Beckenbodens ist Teil des Stabilitätssystems unseres Körpers. Er arbeitet zusammen mit den Rückenmuskeln, Bauchmuskeln und dem Zwerchfell daran, unseren Rücken und unser Becken zu stabilisieren. Funktion des Beckenbodens ist es also, „Druck“ zu bewältigen, der durch unseren Körper geht, wenn wir husten, hüpfen, reden oder niesen. Die Vernachlässigung der Beckenbodenmuskulatur kann zu Bauchwandbrüchen, Inkontinenz oder Rückenschmerzen führen, wie es bei Suzanne der Fall war, weil sie ihren Rücken jahrelang fehlbelastet hatte, um ihren schwächelnden Beckenboden auszugleichen.

Warum wird die Beckenbodenmuskulatur so vernachlässigt?


Zu dieser Frage hat Suzannes Physiotherapeutin eine Theorie, die leider kein schönes Bild auf unsere Gesellschaft wirft. Dr. Aston denkt, dass junge Mütter unter solch einem großem Druck stehen, nach der Geburt gleich wieder eine Top-Figur zu haben, dass sie gleich wieder ins Fitnessstudio rennen und hard trainieren, anstatt ihrem Körper genügend Zeit zu geben, sich von Schwangerschaft und Geburt zu erholen. Statt mit sanfter Rückbildungsgymnastik, fangen Frauen nach kurzer Zeit wieder mit intensivem Training an, das tut dem Körper alles andere als gut. Die Physiotherapeutin sagt dazu: „Ich vergleiche den Körper nach einer Schwangerschaft immer mit einem Kreuzbandriss – es braucht Monate, bis sich der Körper davon wieder erholt hat.“ Und diese Zeit zur Rückbildung sollte man sich selbst und seinem Körper auch geben. Ein sanfter Einstieg ist nach der Geburt der beste Weg, um Gesundheit und Körper etwas Gutes zu tun.

Übrigens: Es nie zu spät ist, die Beckenbodenmuskulatur zu stärken. Mit ein paar einfachen Übungen, können Sie schon viel erzielen. Und auch, wenn Sie keine Lust auf extra Übungen haben, hilft es schon, wenn Sie die Muskulatur einfach regelmäßig aktivieren, in dem Sie Ihre Muskeln so anspannen, als würden Sie auf der Toilette den Urinstrahl stoppen.

 Das könnte Sie interessieren: Hilfe, Blasenschwäche!

Lachen, Niesen, Husten, Hüpfen - nach der Geburt oft schwierig. Was Sie gegen die Blasenschwäche tun können.



von Nicole Metz




mehr zum Thema
Gesundheitstipps
Artikel kommentieren
Login