Betreuung des kranken Kindes: Welche Rechte haben Eltern?

Kaum läuft bei den Kleinen die Nase, werden berufstätige Eltern unruhig. Zu den Sorgen um das kranke Kind kommt die Frage: Was, wenn das Kind morgen nicht wieder fit ist und in die Kita kann? Darf ich einfach von der Arbeit daheim bleiben, um mein krankes Kind zu pflegen? Was passiert mit meinem Job? Hier erfahren Sie, was Ihre Rechte sind und welche Möglichkeiten Sie haben, das Problem "Krankes Kind & Job" zu lösen.


(0)

Melden Sie sich in unserer Community an, um Beiträge zu Ihren Favoriten hinzuzufügen.

Jetzt anmelden
Kleine Kinder schleppen eine Krankheit nach der anderen an. Völlig normal, der kleine Körper muss erst lernen, mit den vielen Viren und Bakterien fertig zu werden. Jeder der lästigen Infekte bedeutet aber nicht nur Sorgen für die Eltern – sondern auch schlichtweg eine Organisationsfrage: Was tun, wenn das Kind krank ist?

Das Kind ist krank - was nun?


© iStock
Jede Krankheit – von Husten über Magen-Darm bis zum Läusealarm - kommt einem organisatorischen Kraftakt gleich. Wenn die Großeltern als Betreuung im Krankheitsfall ausfallen, müssen Mama oder Papa zu Hause bleiben. Aber geht das einfach so? Dürfen Eltern einfach daheim bleiben, um ihr krankes Kind zu betreuen? Ja, sie dürfen! Zumindest unter bestimmten Bedingungen.

Krankes Kind: Wann dürfen Eltern zu Hause bleiben?


Im Prinzip ist die Sache ganz einfach: Wenn ein Kind krank ist, muss es von seinen Eltern betreut werden. Und die können dann nicht arbeiten. Das ist gesetzlich klar geregelt im §45 des Sozialgesetzbuches V. Sinngemäß steht hier: Jedes Elternteil darf für die Betreuung seines kranken Kindes zehn Tage im Jahr zu Hause bleiben.
Wichtig zu wissen
• Das Kind darf nicht älter als zwölf Jahre sein.
• Der betreuende Elternteil muss gesetzlich krankenversichert sein.
• Auch das Kind muss gesetzlich krankenversichert sein.
• Ein ärztliches Attest muss vorliegen – und zwar ab dem ersten Krankheitstag!
• Im Haushalt darf keine andere Person leben, die das kranke Kind betreuen könnte (Au-Pair-Mädchen, Großeltern).
• Das Gesetz gilt auch für Stiefkinder und Adoptivkinder.
• Bei zwei Kindern darf jeder Elternteil 20 Tage daheim bleiben.
• Alleinerziehenden stehen doppelt so viele Krankheitstage zu (bei einem Kind also 20 Tage).
• Wenn beide Eltern eine private Krankenversicherung haben, erhalten sie kein Kinderkrankengeld.
• Privatversicherte haben die Möglichkeit, ein sogenanntes Krankentagegeld als Zusatzversicherung abzuschließen.
Wer zahlt das Gehalt, wenn mein Kind krank ist?
In der Regel zahlen Arbeitgeber das Gehalt für fünf Ausfalltage weiter, zum Beispiel wenn das Kind krank ist – basierend auf dem §616 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB). Allerdings ist diese Regelung gesetzlich nicht bindend – und gerade kleinere Unternehmen agieren hier nicht immer großzügig. In nicht wenigen Arbeits- und Tarifverträgen ist der BGB-Paragraph ausgeschlossen. Das ändert aber nichts an Ihrem Recht, jährlich zehn Tage auf Ihr krankes Kind aufzupassen!

Nur die Bezahlung ist dann eine andere: Wenn der Arbeitgeber das Gehalt an den Krankheitstagen des Kindes nicht übernimmt, springt die Krankenkasse ein. Sie zahlt das sogenannte Kinderpflege-Krankengeld (auch Kinderkrankengeld genannt) aus. Um diese Leistung zu erhalten, muss ein Attest des Kinderarztes bei der Krankenversicherung vorgelegt werden. Kleiner Haken: Die Krankenkassen übernehmen nur 70 Prozent des Bruttogehalts, maximal 90 Prozent des Nettogehalts. Einmalzahlungen der vergangenen zwölf Monate – wie beispielsweise Weihnachtsgeld – werden bei der Berechnung anteilig berücksichtigt.
Darf ich mich selbst krankschreiben lassen?
Zehn Infekte im Jahr sind bei kleinen Kindern normal. Und wer selbst Kinder hat, weiß: Ein Infekt ist selten nach einem Tag vorbei. Bleibt die Frage: Was tun, wenn die zehn Krankheitstage ausgereizt sind? Manches Elternpaar spielt da mit dem Gedanken, sich einfach selbst krank zu melden oder krankschreiben zu lassen. Das ist aber definitiv keine gute Idee! Denn hier handelt es sich nicht um eine kleine Notlüge, sondern um einen Verstoß gegen geltendes Recht, der eine fristlose Kündigung nach sich ziehen kann.
Bleibt nur noch die Alternative, die wertvollen Urlaubstage für die Krankheitstage anzuknabbern. Wer aber offen mit seinem Chef spricht, darf vielleicht ausnahmsweise von zu Hause arbeiten oder Überstunden abbauen.
Tipps für den Umgang mit Arbeitgeber und Kollegen
➤ Informieren Sie Ihren Chef und die Kollegen so frühzeitig wie möglich, wenn Sie wegen Krankheit Ihres Kindes daheim bleiben müssen.
➤ Informieren Sie die Kollegen bestmöglich über anstehende Aufgaben und Termine.
➤ Bieten Sie an, für Rückfragen telefonisch erreichbar zu sein oder wichtige Dinge am Abend, wenn das Kind schläft, zu erledigen.
➤ Auch das Attest Ihres Kindes sollten Sie so schnell wie möglich an Ihren Arbeitgeber abschicken.
Notdienste betreuen kranke Kinder
Manchmal funktioniert das Daheimbleiben aber nicht: Wenn wichtige Termine anstehen oder man als Selbständiger keine Vertretung hat, ist schnelle Unterstützung gefragt. In vielen Großstädten gibt es Notdienste für die Betreuung kranker Kinder. Häufig sind das kinderliebe Seniorinnen, die sich dann ans Bett der kleinen Patienten setzen, vorlesen, Suppe füttern und Wadenwickel machen. Einige Anbieter:

Hamburg, Berlin, Frankfurt, München, Köln, Düsseldorf: www.notfallmamas.de
München: www.zu-hause-gesund-werden.de / www.mama-feuerwehr.de
Frankfurt, Berlin, Köln, Hamburg: www.notmuetterdienst.de
Köln, Bergisch Gladbach, Hamburg, Kassel: www.muetternotdienst.de

➤ Tipp: Am besten Sie informieren sich schon vor einem Notfall, wie die Notbetreuung funktioniert und ob sie für Sie in Frage kommen könnte.
Zehn Tage für die Kinderbetreuung: oft nicht ausreichend!
Die rechtliche Regelung ist eine feine Sache, keine Frage. Sie löst aber nicht das Dilemma, in dem sich Eltern – meistens die Mütter… - kleiner Kinder befinden: Wie soll man dem Chef und der gestressten Kollegin klarmachen, dass nach einer Mittelohrentzündung und den Windpocken jetzt auch noch der Magen-Darm-Virus grassiert – und man im Büro schon wieder mit Abwesenheit glänzt? Denn nicht jeder Arbeitgeber reagiert hier mit Verständnis und Kulanz. Vor allem kleinere Unternehmen stehen vor einem Organisationsproblem, wenn sich die Fehlzeiten der Mitarbeiter häufen. Hier hilft nur eins: Einen offenen Umgang pflegen, Alternativlösungen anbieten und den Partner in die Pflicht nehmen. Denn noch immer sind es meist die Mütter, die daheim bleiben und das kranke Kind pflegen und abends den Rechner hochfahren, um im Kampf mit dem schlechten Gewissen die wichtigsten Dinge in der Arbeit wegzuarbeiten. Das muss sich ändern! Väter haben dasselbe Recht auf Krankheitstage und wenn sie erst lernen, diese auch in Anspruch zu nehmen, verringert sich der Druck auf die Mütter. An dieser Stelle ein Trost, wenn auch ein kleiner: Sind Kinder erstmal im Schulalter, werden sie meist nur noch ganz selten krank.



mehr zum Thema
Vereinbarkeit Familienrecht Papa Mama
Artikel kommentieren
Login