Blasenentzündung und Harnwegsinfekte bei Kindern

Eine Blasenentzündung kennen vor allem Frauen aus eigener Erfahrung: Das Wasserlassen schmerzt und brennt äußerst unangenehm. Auch Kinder leiden häufig unter einer schmerzhaften Entzündung der Harnwege - die Symptome können allerdings auch anders aussehen. Schnelles Handeln ist bei einer Blasenentzündung wichtig, damit sich die Entzündung nicht weiter ausdehnt.


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Wenn das Pipimachen weh tut


Bei einer Blasenentzündung sind die unteren Harnwege (Harnleiter, Harnblase, Harnröhre) entzündet. Ausgelöst wird die bakterielle Infektion meist durch Darmbakterien, die vom After in die Harnröhre gelangen. Die häufigsten Auslöser von Blasenentzündungen sind Escherichia coli-Bakterien (Darmbakterien).


© iStock
Vor allem Mädchen sind von Blasenentzündungen betroffen. Der Grund liegt ganz klar in der Anatomie: Bei ihnen ist das Risiko größer, dass die Bakterien nach dem Gang zur Toilette in Richtung Harnröhre gewischt werden und sich dort dann ausbreiten. Der Abstand zwischen Darmausgang und Scheide ist klein – und bei ihnen ist die Harnröhre deutlich kürzer bei als bei Jungs. Auch bei vollen Windeln, die zu selten gewechselt werden, können die Darmbakterien in die Blase gelangen. Und unsere Oma hat Recht: Wenn man zu lange auf einem kalten Mäuerchen sitzt oder die nasse Badehose nach dem Baden nicht wechselt, kann das erst zu einer Unterkühlung und dann zu einer Blasenentzündung führen.
Woran erkennt man eine Blasenentzündung?
Bei Erwachsenen sind die Symptome für eine Blasenentzündung (Zystitis) relativ eindeutig: Wir rennen unentwegt auf die Toilette, häufig kommen dann aber nur ein paar Tröpfchen Urin. Und: Das Wasserlassen brennt und schmerzt. Äußerst unangenehm! Der Urin riecht bei einer Blasenentzündung häufig streng und ist nicht klar, sondern eingetrübt. Die Hinweise auf eine Blasenentzündung können bei Kindern ähnlich sein: Sie rennen häufiger als sonst auf die Toilette und klagen eventuell über Schmerzen beim Wasserlassen. Bei Kindern können aber auch ganz andere Symptome auftreten:

● Schmerzen im Unterbauch und Bauchbereich
● plötzliches Einnässen bei Kleinkindern, die schon längst trocken waren
● Babys können das Brennen und die Schmerzen noch nicht in Worte erfassen, sie kratzen sich bei einer Blasenentzündung zwischen den Beinen.
● Unruhe, Gereiztheit (vor allem bei Babys)
Fieber
● Erbrechen
● Blut im Urin (bei einer fortgeschrittenen Blasenentzündung)
Hausmittel, die Kindern bei einer Blasenentzündung helfen
Eine leichte Blasenentzündung kann durchaus mit Hausmitteln behandelt werden. Wenn Ihr Kind Fieber hat oder Sie Spuren von Blut im Urin erkennen, sollten Sie mit Ihrem Kind auf jeden Fall zum Arzt gehen.

Die wichtigste Maßnahme: Viel trinken! Auch Kinder sollten mindestens zwei Liter am Tag trinken. Am besten geeignet sind Wasser und spezielle Blasentees für Kinder. Wirkungsvoll ist aber auch Hagebuttentee, der Kindern meist besser schmeckt als Blasen- und Nierentees. Die Flüssigkeit hilft, die Harnwege gründlich durchzuspülen und die Bakterien auszuspülen.
Wärme in Form einer warmen Wärmflasche auf dem Bauch oder ein warmes Bad tun gut.

Tritt nach 24 Stunden keine deutliche Besserung ein, sollten Sie schnell einen Termin beim Kinderarzt vereinbaren.
Wie behandelt der Arzt eine Blasenentzündung?
Im ersten Schritt fragt der Kinderarzt die Symptome ab: Wie funktioniert das Wasserlassen? Hat der kleine Patient Fieber? Hat er Schmerzen? Werden die beiden letzteren Fragen bejaht, könnte es sich um eine Infektion handeln, die von den unteren Harnwegen aufsteigt und zu einer Nierenbeckenentzündung wird.
Zusätzlich wird der Arzt den Urin auf Keime und weiße Blutkörperchen untersuchen. So lässt sich auch erkennen, ob es sich "nur" um eine Blasenentzündung oder vielleicht sogar um eine schwerwiegendere Nierenbeckenentzündung, handelt. In diesem Fall wird der Kinderarzt ein Antibiotikum verschreiben. Bei einer leichten Blasenentzündung dagegen muss nicht zwingend sofort ein Antibiotikum verabreicht werden. Viel Wärme und viel Flüssigkeit können helfen, die Infektion in den Griff zu bekommen. Tritt nach 24 Stunden aber keine Besserung ein, werden die meisten Kinderärzte zu einem Antibiotikum raten. So kann verhindert werden, dass die Entzündung sich auf die Nieren ausweitet. Wenn der Arzt Ihrem Kind ein Antibiotikum verschreibt, sollten Sie das Medikament unbedingt streng nach Verordnung geben und nicht vorzeitig absetzen. Es drohen eine Antibiotikums-Resistenz und ein erneutes Aufflammen des Infekts.

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Sollte Ihr Kind häufiger unter einer Blasenentzündung leiden, müssen weitere Untersuchungen durchgeführt werden. Mittels einer Ultraschalluntersuchung kann geklärt werden, ob Blase und Niere arbeiten wie sie sollen und ob Ihr Kind beispielsweise einen sogenannten Reflux (Rückfluss von Urin von der Blase in die Harnleiter) oder Engstellen im Harnleiter hat.
Tipps für die Urinprobe bei Kindern
● Wenn Sie den Verdacht auf eine Blasenentzündung schon im Hinterkopf haben, können Sie eine Urinprobe in einem fest verschlossenen Glas mit Schraubdeckel bereits mit in die Arztpraxis nehmen. Bei Kindern klappt das Wasserlassen auf der Toilette in der Praxis oft nicht auf Anhieb – und so sparen Sie sich den nochmaligen Gang, um die Urinprobe am nächsten Tag abzugeben.

● Bei Babys kann eine Urinprobe mit Hilfe eines Urinklebebeutels gewonnen werden.

● Wenn Sie noch ein Töpfchen daheim haben, können Sie auch größere Kinder überreden, nochmals ins Töpfchen zu machen – so kommen Sie am unkompliziertesten zu einer Urinprobe.

● Für die Untersuchung reicht übrigens schon eine kleine Menge Urin aus.
Wie kann man einer Blasenentzündung bei Kindern vorbeugen?
➤ Windeln regelmäßig wechseln und den Po sorgfältig reinigen. Dabei gilt: Immer von vorne nach hinten wischen!

➤ Nasse Badesachen zügig ausziehen und trockene Kleidung anziehen.

➤ Kinder generell warm halten und kalte Füße vermeiden.

➤ Erklären Sie Ihren Kindern von Anfang an, wie die korrekte Toilettenhygiene aussieht: Mädchen sollten nach dem großen Geschäft immer von vorne nach hinten abwischen.
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