Dem Immunsystem schaden Antibiotika nicht

Viele Eltern scheuen den Einsatz von Antibiotika bei Ihrem Kind, aus Angst vor schädigenden Wirkungen. In manchen Fällen bleibt dem Kinderarzt aber keine andere Möglichkeit, als die Behandlung mit einem Antibiotikum.


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Dem Immunsystem schaden Antibiotika nicht



Immunsystem Baby: Antibiotika nicht schädlich


© Thinkstock
Viele Infekte werden mit Antibiotika behandelt, zum Beispiel eine Mittelohrentzündung. Können die Medikamente das Immunsystem schwächen? „Vernünftig eingesetzt: nein. Aber zu viel Antibiotika, vor allem unbegründet eingesetzt, führen zur Züchtung resistenter Bakterien“, sagt Volker Wahn. Und gegen die helfen Antibiotika nicht mehr. Sein Rat: „Man sollte sie daher nur zur Behandlung von sicher durch Bakterien verursachten Infektionen einsetzen.“

Allerdings bleibt oft nicht viel anderes übrig, als sich auf die Diagnose des Kinderarztes zu verlassen. „Meist hat der aber genug Erfahrung, um die Notwendigkeit von Antibiotika sicher einschätzen zu können“, erklärt Speckmann. Eine geplatzte eitrige Mittelohrentzündung etwa sollte immer mit einem Antibiotikum behandelt werden. Ebenso Scharlach, gegen das es keine Impfung gibt. Die Infektion mit Streptokokken kann sonst zu Herz- und Nierenschäden führen.

Die Behandlung stört das Immunsystem aber nicht. Im Gegenteil: „Die Antibiotika töten Erreger und helfen so dem Immunsystem“, erklärt Werner Solbach. Und Volker Wahn betont: „Jede durchgemachte Infektion beim Immungesunden führt über das immunologische Gedächtnis zu bleibendem Schutz, der oft viele Jahre anhält.“ Auch eine Infektion, die mit Antibiotika behandelt wurde. Aber: Sie können die Darmflora schädigen und zu Durchfall führen. Wenn Antibiotika-Behandlungen über zwei oder mehrere Monate ohne Effekt bleiben, kann das auch ein Hinweis auf eine Immunschwäche sein, also ein Warnzeichen, das mit dem Kinderarzt besprochen werden sollte.
Das Immunsystem muss reifen
Das Immunsystem muss reifen, wie die meisten Organe auch. Dafür braucht es Infekte, um sich mit verschiedenen Viren, Bakterien und Pilzen auseinandersetzen zu können. Und es braucht viel Zeit. „Kinder haben deshalb mindestens bis zum Schulalter mehr Infekte als Erwachsene“, sagt Carsten Speckmann von der Uniklinik Freiburg. Kein Wunder - gibt es doch immer wieder neue Krankheitserreger, mit denen der Körper konfrontiert wird.


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