Der erste Besuch beim Frauenarzt

Im Leben Ihrer Tochter ändert sich in der Pubertät vieles. Ihr Körper verändert sich, sie bekommt zum ersten Mal ihre Periode und Jungs üben plötzlich einen ganz neuen Reiz aus. Auch der erste Besuch beim Frauenarzt steht an. Für Mutter und Tochter ein schwieriger Moment. So überstehen ihn beide.


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Als erwachsene Frau ist der Besuch beim Frauenarzt zur Routine geworden – für Sie ist es ein Arztbesuch wie jeder andere auch. Ihrer Tochter wird es vor dem ersten Besuch aber noch grauen. Der Gedanke daran, seinen Intimbereich einer fremden Person so ungeschützt zu zeigen, kann Mädchen durchaus ängstigen. Sie als Mutter sollten versuchen, Ihrer Tochter diese Angst zu nehmen, auch wenn Sie selber mit gemischten Gefühlen kämpfen.

Denn schließlich bedeutet es auch, dass sich Ihre Tochter mit dem Thema Sex ernsthaft auseinandersetzt, wenn sie für sich entscheidet, zum ersten Mal zum Frauenarzt zu gehen. Bleiben Sie trotzdem locker und sehen es positiv: Ihre Tochter stürzt sich nicht unbedacht in sexuelle Abenteuer sondern lässt sich vorab medizinisch beraten. Unterstützen Sie sie also in Ihren Beschluss.


Mädchen beim Frauenarzt: das passiert beim erster Besuch beim Frauenarzt


© Thinkstock
Das passiert bei der ersten Untersuchung


Bei der Suche nach dem richtigen Frauenarzt muss sich Ihre Tochter ganz auf Sie oder eine andere Bezugsperson (Schwester, besten Freundin etc.) vertrauen. Seien Sie also ehrlich zu Ihr, wenn Sie mit Ihrem eigenen Frauenarzt nicht absolut zufrieden sind oder Bedenken haben, dass er im Umgang mit jungen Patientinnen nicht geübt ist. Vermutlich wird es Ihrer Tochter auch angenehmer sein, beim ersten Mal von einer Frau untersucht zu werden. Suchen Sie gemeinsam nach einer geeigneten Frauenarzt-Praxis, in der sich Ihre Tochter wohl fühlt.

Inzwischen bieten viele Frauenärzte dazu spezielle Teenagersprechstunden an. Bei diesen Sprechstunden findet noch keine gynäkologische Untersuchung statt. In einem Gespräch erklärt der Arzt, welche Untersuchungen in Zukunft anstehen, warum sie gemacht werden und was dabei genau passiert. So weiß Ihre Tochter ganz genau, was sie erwartet. Das nimmt die Nervosität.

Auf diese Fragen sollte Ihre Tochter vorbereitet sein:

➤ Welche Krankheiten hast du bis jetzt gehabt?
➤ Muss du regelmäßig Medikamente einnehmen?
➤ Welche Krankheiten gab es in deiner Familie (Krebs, Herzerkrankungen)?
➤ Wann hattest du deine erste Periode?
➤ Wann hattest du deine letzte Periode ?
➤ Ist deine Regelblutung regelmäßig?
➤ Hast du akute Beschwerden?
    (Perioden-Schmerzen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Zwischenblutungen)?

Bei der ersten richtigen Untersuchung kontrolliert der Frauenarzt wie bei Ihnen auch die inneren Geschlechtsorgane: Scheide, Eierstöcke und Gebärmutter. Oft werden für Mädchen die noch Jungfrauen sind extra Instrumente verwendet, etwa ein kleineres Spekulum. Das Jungfernhäutchen kann dabei also nicht verletzt werden. Hatte Ihre Tochter bereits Geschlechtsverkehr, dann wird dabei auch ein Abstrich gemacht.

Gab es in Ihrer Familie bereits Fälle von Brustkrebs, untersucht der Frauenarzt die Brüste Ihrer Tochter auch auf Knoten. Normalerweise gehört die Brustuntersuchung erst ab 30 Jahren zur pflichtmäßigen Routine. Bis dahin kann sie gemacht werden, muss aber nicht.


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Ihre Tochter kann sich auch über die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs, die sogenannte HPV-Impfung, informieren lassen. Seit 2007 empfiehlt der Ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Instituts diese Impfung für junge Frauen zwischen 12 und 17 Jahren. Seit 2014 hat die Kommission das Mindestalter sogar auf neun herabgesetzt. Damit will man sicher gehen, dass Mädchen die Impfung auch wirklich vor dem ersten Geschlechtsverkehr abgeschlossen haben. Denn nur dann kann die HPV-Impfung auch zuverlässsig vor sexuell übertragbaren Viren schützen, die krebserregend sein können. Pflicht ist die HPV-Impfung nicht. Sie steht jedem Mädchen frei. Informieren Sie sich also zusammen mit Ihrer Tochter und treffen sie gemeinsam eine Entscheidung.

Was Sie wissen sollten


Beim Thema Frauenarzt müssen Sie sich und Ihre Tochter also definitiv nicht unter Druck setzen. Es gibt keinen fixen Termin, wann Ihre Tochter beim Frauenarzt gewesen sein muss. Notwendig wird eine Untersuchung nur:

Wann Ihre Tochter zum Frauenarzt sollte
  • 1 / 5
    Probleme mit der Periode

    Wenn Ihre Tochter Probleme mit der Periode hat, z.B. bei starken Menstruationsschmerzen, wenn die Periode bis zum 16. Lebensjahr noch nicht eingesetzt hat, oder wenn die Blutungen unregelmäßig auftreten oder ganz ausbleiben.

  • 2 / 5
    Akute Beschwerden

    Bei Juckreiz im Scheidenbereich, stark riechendem Ausfluss, Entzündungen in der Scheide und den äußeren Geschlechtsorganen und bei weiteren Beschwerden im Intimbereich.

  • 3 / 5
    Geschlechtsverkehr

    Wenn Ihre Tochter bereits Sex hatte, sollten Sie einen Besuch beim Frauenarzt vorschlagen.

  • 4 / 5
    Verhütungsmittel

    Wenn Ihre Tochter sich die Pille verschreiben lassen will oder sich vom Arzt über andere Verhütungsmittel informieren lassen möchte.

  • 5 / 5
    Mögliche Schwangerschaft

    Wenn Ihre Tochter Bedenken hat, schwanger zu sein oder wenn sie die "Pille danach" braucht.


Möchte Ihre Tochter schon vor ihrem 14. Geburtstag zum Frauenarzt, dann ist dieser gesetzlich dazu verpflichtet, Sie darüber zu informieren. Ab 16 Jahren kann Ihre Tochter den Besuch beim Frauenarzt theoretisch vor Ihnen geheim halten. Der Arzt unterliegt dann der Schweigepflicht. Sollte Ihre Tochter allerdings ernsthaft krank sein oder liegt ein anderer driftiger Grund vor, wird der Frauenarzt auch Sie darüber informieren.

Das gleiche gilt auch für die Pille. Es gibt kein Mindestalter ab dem die Pille verschrieben werden darf. Der Arzt entscheidet selbst, ob das Mädchen reif genug für einen verantwortungsvollen Umgang mit Sexualität ist. Er kann auch darauf bestehen, dass die Pille nur verschrieben wird, wenn die Einwilligung der Eltern vorliegt.

Das sind aber nur die rein rechtlichen Fakten. Wenn Sie mir Ihrer Tochter ein offenes, vertrauensvolles Verhältnis pflegen, dann wird Sie Ihnen vermutlich davon erzählen. Seien Sie aber nicht enttäuscht, wenn sie das dennoch zunächst für sich behalten möchte. Es wäre falsch, sie durch zu viel Nachfragerei zu nötigen, etwas zu erzählen. Ihrer Tochter war die Untersuchung sicher unangenehm und vor allem war es eine ganz neue Erfahrung. Geben Sie Ihr also Zeit das zu verarbeiten.

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