Fragen & Antworten rund ums Impfen

Welche Impfungen sind wichtig? Warum gegen Krankheiten impfen, die es bei uns nicht mehr gibt? Eltern, die sich überlegen, gegen welche Krankheiten sie ihr Kind impfen lassen möchten, haben viele Fragen. Wir haben die Antworten auf die häufigsten Fragen und Vorurteile rund ums Thema Impfen.


(0)

Melden Sie sich in unserer Community an, um Beiträge zu Ihren Favoriten hinzuzufügen.

Jetzt anmelden

FAQs zum Impfen

➤ Warum sollen wir gegen Krankheiten wie Diphterie und Polio impfen, die es bei uns nicht mehr gibt?
Die Tatsache, dass es einige Krankheiten bei uns kaum noch gibt, führt zwangsläufig zu der Frage: Warum sollen wir gegen eine Krankheit impfen, die es bei uns gar nicht mehr gibt? Dr. med. Hedwig Roggendorf vom Institut für molekulare Immunologie am Klinikum rechts der Isar in München erklärt "Diese Erkrankungen gibt es aber nur deshalb nicht mehr, weil geimpft wird. So konnte beispielsweise Polio bei uns ausgerottet werden. Solange eine Erkankung nicht weltweit eliminiert ist, muss konsequent weitergeimpft werden, sonst kann es wieder zu Ausbrüchen kommen." Krankheiten wie Diphterie und Kinderlähmung kommen durchaus noch in anderen Ländern unserer Erde vor und können von Urlaubern oder Geschäftsreisenden importiert werden. Am Beispiel Masern zeigt sich: Seit die Impfquoten bei uns zurückgehen, kommt es immer häufiger zu großen Masern-Ausbrüchen. Dabei darf nicht vergessen werden: Masern sind eine potentiell tödliche Krankheit. Weltweit sterben noch immer täglich 400 Menschen an Masern. Laut UNICEF sind die Masern eine der häufigsten Todesursachen in den Entwicklungsländern.


© iStock
Eine hohe Durchimpfungsrate ist aber auch aus einem anderen Grund wichtig: „Eine hohe Durchimpfungsrate stellt sicher, dass auch nicht immunisierte Kinder vor einer Erkrankung geschützt sind“, erläutert die Epidemiologin Professor Dr. Christel Hülße das Prinzip der Herdenimmunität: möglichst viele Menschen durch Impfung zu „Nicht-Überträgern“ zu machen und somit die Ausbreitung einer Krankheit zu erschweren.
➤ Welche Impfungen sind besonders wichtig?
Besonders gefährlich sind Keuchhusten, Pneumokokken und Haemophilus Influenza Typ B. Aber auch Masern, Diphterie und Tetanus können zu lebensgefährlichen Komplikationen führen. Dr. Roggendorf empfiehlt hier, sich an die Empfehlunge der STIKO zu halten, auf denen auch unser Impfkalender basiert:

 Das könnte Sie interessieren: Impfkalender

Ganz leicht mit drei Klicks einen persönlichen Impfkalender für Ihr Kind - zum Ausdrucken und an den Kühlschrank hängen.


➤ Kann man auf die Windpocken-Impfung verzichten?

Bei der Windpocken-Impfung gehen die Meinungen auseinander: Die STIKO empfiehlt die Impfung, die Experten der Stiftung Warentest raten ab. Ihre Begründung: Der Schutz der Impfung halte nicht unbegrenzt an, damit steige die Gefahr von schweren Verläufen bei Erwachsenen. Laut Stiftung Warentest-Experten kann sich die Häufigkeit von Gürtelrosen erhöhen, wenn aufgrund einer hohen Durchimpfungsrate Erwachsene seltener mit Windpocken-kranken Kindern in Kontakt kommen.
Fakt ist: Der Ausschlag verläuft bei Kindern zwar meist harmlos, der Juckreiz kann jedoch äußerst unangenehm werden. Je älter der Patient aber ist, umso schwerer der Krankheitsverlauf. Wer sein Kind mit einer Impfung vor Windpocken schützt, schützt damit auch Säuglinge und immungeschwächte Kinder und Erwachsene, die nicht geimpft werden dürfen, für die eine Infektion aber gravierend ist. Auch für Babys im Mutterleib kann eine Windpocken-Infektion der Mutter gefährlich werden.

 Das könnte Sie interessieren: Welche Infektion ist gefährlich?

Keine Panik vor Infektionen in der Schwangerschaft. Nicht jede Krankheit kann Ihrem Baby schaden. Lesen Sie hier, wann es gefährlich wird.


➤ Wie wichtig ist die Impfung zum empfohlenen Termin?

In den ersten Lebensmonaten steht ein Impftermin nach dem anderen an – Eltern fühlen sich hier zuweilen leicht überfordert und schieben die anstehenden Impfungen auf "demnächst". Die empfohlenen Impfzeiten haben allerdings einen nachvollziehbaren Sinn: Wenn Kinder nicht rechtzeitig vor Krankheiten wie Masern etc. geschützt werden, kann es passieren, dass sie sich in einem Alter infizieren, in dem das Risiko für schwere Krankheitsverläufe erhöht ist.
➤ Können Impfungen zu einer erhöhten Allergieanfälligkeit führen?
Dieser Zusammenhang wird von Impf-Skeptikern immer wieder diskutiert. Da Allergien ganz unterschiedliche Auslöser haben, ist diese Frage nicht zweifelsfrei zu beantworten. Die Tatsache, dass es aber in der der Ex-DDR eine Impfpflicht für alle Kinder bei gleichzeitig deutlich weniger Allergien als in der BRD gab, lässt den Schluss zu: Nein, Impfungen führen nicht zu mehr Allergien.
➤ Was ist der Vorteil von Mehrfachimpfungen?
Eltern fürchten, dass die Mehrfachimpfung (Sechsfachimpfung im Alter von drei Monaten) für Babys des Guten zu viel ist. Die heutige Sechsfachimpfung ist allerdings ein moderner Impfstoff, der besonders gut verträglich ist und die den Organismus von Babys nicht überstrapaziert. Ein weiterer Vorteil: Ein Arzttermin statt vielen - und damit auch nur ein Pieks für das Baby. Noch etwas spricht für Mehrfachimpfungen: Dem Körper werden dabei nur einmal Zusatz- und Konservierungsstoffe (z.B. Aluminium) zugeführt.

 Das könnte Sie interessieren: FAQ zur Sechsfachimpfung

Überfordert eine solche Impfung das Baby? Mit welchen Nebenwirkungen ist zu rechnen? Wir haben bei einem Kinderarzt nachgefragt.


➤ Was sind typische Impfreaktionen?

"Typische Impfreaktionen sind eine Rötung oder Schwellung an der Impfstelle, muskelkaterartige Schmerzen oder leichtes Fieber.", so Dr. Roggendorf. Diese kleinen Komplikationen verschwinden allermeist schnell wieder und sind völlig ungefährlich.
➤ Darf ich mich impfen lassen, wenn ich schwanger bin?
"Grundsätzlich können Schwangere mit Tot-Impfstoffen (Polio, Hepatitis B, Hepatitis A, Influneza, Tetanus, Diphtherie, Meningokokken, Pneumokokken) geimpft werden. Dabei gilt: "So viel wie nötig, aber so wenig wie möglich." Lebend-Impfstoffe (Masern, Mumps, Röteln und Windpocken) sollen in der Schwangerschaft nicht geimpft werden. Allerdings gibt es keine Hinweise auf negative Folgen für das Ungeborene, wenn in Unkenntnis einer Schwangerschaft doch geimpft wurde.", so Dr. Roggendorf. Wichtig ist für Schwangere der Schutz vor Windpocken, Röteln und Masern, beide Krankheiten können zu Fehlbildungen beim ungeborenen Baby und zu Fehlgeburten führen. Bei Kinderwunsch sollte hier also rechtzeitig der Impfstatus überprüft werden.

 Das könnte Sie interessieren: Grippeimpfung mit Babybauch?

Grippeimpfung 2017/18: Ob sie dem Baby schadet, wie gut sie wirkt und was sie noch beachten sollten.


➤ Wo kann ich mich rund ums Impfen zuverlässig informieren?

Erster Ansprechpartner sollte Ihr Kinderarzt sein. Seriöse Kinderärzte nehmen sich Zeit für eine individuelle Impfberatung und die Fragen, die Sie bewegen.
Die Internetseite des Robert Koch Instituts (RKI) ist von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als seriöse Informationsquelle zertifziert worden. Auch unter www.impfen-info.de und bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) sind aktuelle und seriöse Informationen zu finden.


mehr zum Thema
Impfungen