Interview mit Sabrina Hennersdorf, Kurberaterin bei der Kurberatung Deutschland

Die Kurberatung Deutschland hilft Müttern und Vätern kostenfrei dabei, eine Mutter-Kind-Kur zu beantragen. Wir haben uns mit der Kurberaterin Sabrina Hennersdorf darüber unterhalten, wann eine Mutter-Kind-Kur Sinn macht und was bei der Antragsstellung zu beachten ist.


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Gestresst sind wir ja irgendwie alle. Wann sollte eine Mama oder ein Papa aber darüber nachdenken, eine Kur zu beantragen? 
Eigentlich ist das schon der Punkt, an dem man überlegen sollte, eine Kur zu beantragen, denn diese kann im Vorfeld eine weitere Verschlechterung des Gesundheitszustands verhindern. Wenn man etwas als Belastung empfindet, worüber man sich vielleicht Tage vorher noch darüber gefreut hätte, wie ein Besuch bei Freunden, ein Ausflug am Wochenende, Ferienzeiten im Kindergarten oder der Schule, ein bevorstehender Urlaub, häufige Infekte, das sind alles Zeichen um in die Antragstellung zu gehen.
 
Was sind die häufigsten Gründe für eine Mutter-Kind-Kur? 
Das kann man so pauschal nicht sagen, das sind sehr “heftige” Gründe, von Trauer, Traumata, körperlichen Übergriffen, aber auch “nur” finanzielle Sorgen, Erziehungsschwierigkeiten, Mobbing, Partnerschaftsprobleme, Erschöpfung. Jeder, der in der jeweiligen Situation ist, empfindet seine Situation am belastenden.
 
Was ist beim Gespräch mit dem Arzt, der die Kur verschreibt, wichtig zu beachten?
In der Regel kennen sich die Ärzte mit Mutter-Kind Kuren recht gut aus,  wir würden uns nur wünschen, dass nicht immer Seeklima angekreuzt wird. Allgemein sollte man die Erschöpfung, die mit den anderen Belastungen einhergeht, an erste Stelle stellen. Bei Bedarf und Fragen darf sich jeder Arzt gerne an uns wenden.
 
Wie kann man die Chancen auf eine Bewilligung erhöhen?
In dem man in einer sehr ausführlichen Selbstauskunft schildert, wo momentan der Schuh drückt und was man sich realistisch von der Kur erwartet. Dafür stehen wir den Eltern natürlich zur Seite.

Wie findet man die für sich passende Klinik?
Unsere Chefin kennt fast alle Kliniken persönlich. Ihre Ansicht: Mit der Klinik ist es wie mit einem Brautkleid - eine passt garantiert zu 100 Prozent. Leider spielen die Kassen da nicht immer mit, da es hier oft um günstige Tagessätze geht und nicht um die persönlichen Wünsche und Bedürfnisse des Elternteils.
 
Was kann ich tun, wenn der Antrag abgelehnt wird?
Wir haben einen für die Eltern kostenfreien Kooperationsanwalt, der von der Kurberatung getragen wird. Dieser übernimmt den Widerspruch. Das gilt auch für Eltern, die die Kur nicht über uns beantragt haben.
 
Wie viele Väter beantragen eine Kur? Gelten für sie andere Richtlinien als für Mütter?
Sehr wenige leider. Allgemein ist eine Kur eine Pflichtleistung für das Elternteil, welches in der Haupterziehungsverantwortung steht und einer belastenden Situation ausgesetzt ist.
 
Was, wenn das Kind krank ist? Wird dann auch eine Mutter-/Vater-Kind-Kur beantragt?
Das kommt auf die Krankheit an, ob eine Kinder-Reha dann nicht sinnvoller ist. Bei einer Mutter-Kind-Kur steht die Mutter im Vordergrund, allerdings kommt die Belastung nicht selten durch das Kind. Gerade Trotzalter und Pubertät sind wiederkehrende Themen. Aber auch natürlich Down Syndrom, Autismus oder wenn das Kind ständig erkrankt ist. Das ist belastend für die Familie und hier ist eine Mutter-Kind Kur dann meist sinnvoller. Das muss man aber fallbezogen mit der Mutter und dem Arzt betrachten.
 
Inwiefern helfen Sie den Müttern und Vätern weiter?
Wir händigen die Antragsunterlagen aus. Denn das alleine scheint schon bei einigen Kassen nicht mehr der Fall zu sein: Die eh schon belasteten Eltern rufen dort an und  erfahren dann häufig, dass die Kasse gar nicht zuständig ist oder es wird den Eltern gleich mitgeteilt, dass dem Elternteil keine Kur zusteht.
Wir besprechen ausführlich Wünsche und Indikationen, aber auch die realistische Erwartungshaltung an eine Kurmaßnahme. Wir schauen, wo der Schuh am meisten drückt, versuchen den Schwerpunkt auf nur ein "Päckchen" zu legen, helfen bei der Zeit bis zur Kurmaßnahme und reichen alle Unterlagen bei der Kasse ein. Außerdem reservieren wir für die Eltern, insofern dies möglich ist, einen Platz bei der Klinik vor und leiten zeitgleich eine medizinische Aufnahmeprüfung ein. Das sind nur einige Aspekte - letzendlich sind wir die Schnittstelle zwischen den Eltern, den Kliniken, den Kassen und den Ärzten.
 
Was sind nach Ihrer Erfahrung die größten Hürden und die größten Probleme bei der Antragsstellung?
Die Kassen an sich. Manchmal meint man, dass die Sachbearbeiter selbst die Maßnahmen bezahlen müssten. Es geht immer nur um geringe Tagessätze und Wirtschaftlichkeit. Dass die Kurkliniken gar nicht mehr agieren können bei den aktuellen Tagessätzen und dass die gesamten Kuren noch nicht mal 4 % im Gesamtjahresbudget aller Kassen ausmachen, fällt dabei unter den Tisch. Natürlich gibt es auch sehr nette Sachbearbeiter und auch bessere Kassen als andere. Allgemein hat man aber oft das Gefühl dort kein Kunde zu sein, sondern Bittsteller.


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Haben Sie das Gefühl, dass sich viele Familien scheuen, eine Kur zu beantragen, weil sie sich schämen? Schließlich gehört es heute ja dazu, dass man gestresst ist…
Nein eigentlich nicht, wir haben eher das Gefühl, dass die Eltern sich selbst nicht wichtig genug nehmen. Zudem kommt dann Druck aus dem Bekanntenkreis dazu. Wie, Du beantragst eine Kur, hast Du das echt nötig? Man wertet heute viel, gerade von außen. Niemand sollte sich schämen, schließlich ist es nicht umsonst eine Pflichtleistung der Kasse - um die Eltern zu stärken und um Chronifizierung zu vermeiden. Wenn man sich selbst komplett isoliert hat oder nur noch durch den Tag schleppt, ist niemandem damit geholfen. Wichtig ist, dass der Gedanke “funktionieren” zu müssen, aus den Köpfen muss. Durch eine Kur lernt man wieder etwas für sich zu tun, und das ist doch letzendlich etwas Wunderbares, was wir alle ab und an brauchen, um nicht nur zu funktionieren, sondern wieder mit Herz und Seele Mama, Ehefrau, Arbeitnehmerin und eben auch eigenständige Person sein zu können.
Über Sabrina Hennersdorf
Sabrina Hennersdorf ist Kurberaterin bei der Kurberatung Deutschland.
Mail-Kontakt: sabrina.hennersdorf@kurberatung-deutschland.de

Die Kurberatung Deuschland händigt Antragsunterlagen aus, schickt diese an die Kasse, telefoniert mit den Sachbearbeitern und hilft bei der Suche nach einer geeigneten Klinik. Außerdem hilft die Kurberatung Deutschland mit Tipps und Infos Müttern und Väter weiter. Die Beratung ist kostenfrei, nur BKK-Versicherte zahlen 25 Euro.