Kinder-Impfungen: Vor- und Nachteile

Impfungen schützen vor vielen gefährlichen Krankheiten. Nichtdestotrotz wägen viele Eltern die Vor- und Nachteile des Impfens sorgfältig ab. Wir räumen mit Impf-Mythen auf und informieren Sie über das Pro & Contra des Impfens.


(0)

Melden Sie sich in unserer Community an, um Beiträge zu Ihren Favoriten hinzuzufügen.

Jetzt anmelden

Impfungen – Schutz vor lebensgefährlichen Krankheiten


Impfungen sind eine hilfreiche, lebensrettende Erfindung! Bei einer kleinen Wunde sind wir dank der Tetanus-Impfung vor Wundstarrkrampf geschützt. Die Hib-Impfung schützt unsere Kinder vor gefährlichen Krankheiten wie der Kehldeckelentzündung und der Hirnhautentzündung. Und viele Krankheiten kennen wir dank der guten Impfquote nur noch vom Hörensagen, so zum Beispiel bei Diphterie und Polio.

Impfen Vor- und Nachteile


© Getty Images / Ian Hooton
Aber: Die Zahl der Impfungen, die Kinder zum Großteil im ersten Lebensjahr erhalten, ist hoch. Auf der Liste der von der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO) empfohlenen Impfungen stehen aktuell 13 Krankheiten, gegen die Babys und Kinder geimpft werden können. Dabei werden Eltern schon früh mit der Impffrage konfrontiert: Die erste Impfung steht bereits im zarten Alter von zwei Monaten an. Für die, die sich fürs Impfen entscheiden bedeutet das: viele Arztbesuche, viele Spritzen. Lässt man sein Kind durchimpfen, kommt man bis zum Ende des 14. Lebensmonats auf 29 Impfungen. Als Leitlinie gelten hier die Empfehlungen der Impfkommission, nach denen sich auch unser Impfkalender richtet:

 Das könnte Sie interessieren: Impfkalender

Ganz leicht mit drei Klicks einen persönlichen Impfkalender für Ihr Kind - zum Ausdrucken und an den Kühlschrank hängen.


Impfen: Ja – oder nein?

Nicht wenige Eltern fragen sich: Sollen wir unser Kind überhaupt impfen? Abhängig davon, wen man in dieser Sache um Rat fragt, fallen die Antworten völlig gegensätzlich aus. Impf-Befürworter sind dafür, das ganze Programm zu impfen, gemäß den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO). Auch die deutliche Mehrheit der Ärzte empfiehlt, sich an diese Richtlinien zu halten. Impf-Skeptiker weisen dagegen auf die potentiell möglichen Probleme hin, die Impfungen mit sich bringen können. Eltern müssen sich im Dschungel der vielen Meinungen und Informationen zu Recht finden und für ihr Kind entscheiden, ob und gegen welche Krankheiten sie impfen. Wer sein Kind in einer privaten Betreuungseinrichtung unterbringen möchte, steht oftmals gar nicht mehr vor der Frage "Impfen ja oder nein?"ein ausgefüllter Impfpass ist hier inzwischen teilweise Voraussetzung für die Aufnahme des Kindes.
Pro und Contra Impfen: Argumente für das Impfen

➤ Das schwerwiegendste Argument für das Impfen ist der Schutz vor gefährlichen Krankheiten und gesundheitlichen Schäden.

➤ Nur wenn der allergrößte Teil der Bevölkerung geimpft ist, kann eine Rückkehr von Krankheiten, die es in anderen Ländern noch gibt, minimiert werden.

➤ Für die Ausrottung einer Krankheit müssen 95 Prozent der Bevölkerung geimpft sein. Bei Pocken ist das in Deutschland in den 70-er Jahren erfolgreich geschehen. Die Krankheit wurde ausgerottet.

➤ Die Impfquoten in Deutschland sind momentan zu niedrig! Diese Impfmüdigkeit kann gefährlich werden: In den letzten Jahren gab es immer wieder Masern-Epidemien – eine Kinderkrankheit, die schon fast als ausgerottet galt. Kinder und Erwachsene mussten in großer Zahl ins Krankenhaus. Auch darüber hinaus steigen sowohl bei Masern wie auch bei Keuchhusten die Zahlen der Erkrankungen wieder.

Mit einer Impfung schützt man nicht nur sich selbst, sondern auch Kinder und Erwachsene, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können. So sind zum Beispiel Röteln für Kinder ungefährlich, bei Schwangeren kann eine Erkrankung aber zu einer Fehlbildung beim ungeborenen Kind führen. Eine Masernimpfung, die erst am Ende des ersten Lebensjahres möglich ist, schützt auch Säuglinge, für die Krankheit besonders gefährlich wäre. Impfen hat also etwas mit Solidarität zu tun. "Wer in Anbetracht dessen nun das geringe Impfrisiko für seine Kinder scheut oder schlicht nachlässig wird, erweist sich als moralischer Trittbrettfahrer, der ohne eigenen Einsatz von dem der anderen profitiert"*, so der Dr. Dr. Rainer Erlinge.

➤ Kinderkrankheiten – das klingt ein bisschen nach "Kinderkram". Viele Krankheiten werden heute unterschätzt, ihre Risiken nicht ernst genommen. Das liegt unter anderem auch daran, dass es heutzutage kaum Todesfälle gibt. Der letzten Epidemie der Kinderlähmung sind 1961 noch mehr als 300 Menschen erlegen.
Argumente gegen eine Impfung
Zwei Argumente sind hier am häufigsten zu hören: "Krankheiten muss man durchmachen, sie gehören zum Leben dazu." – und dann sind da noch die Nebenwirkungen, gerne mal reißerisch als "Impfschäden" bezeichnet, die immer wieder durch die Medien geistern. Dabei werden Impfungen beispielsweise mit Autismus in Verbindung gebracht. Eine Vielzahl wissenschaftlicher Studien ist sich aber einig: Dem ist nicht so. Und auch die Behauptung, dass Impfungen Allergien befördern, ist wissenschaftlich höchst umstritten. Es stimmt zwar, dass es heute mehr Impfungen UND mehr Allergien gibt. Aber es spricht vieles gegen einen Zusammenhang der beiden Entwicklungen. So gab es in der ehemaligen DDR eine hohe Impfquote dank der gesetzlichen Impfpflicht – andererseits aber kaum Allergien. Nach der Wende nahmen die Allergien zu – und die Impfrate ab.

Moderne Impfstoffe gelten als gut verträglich und sicher. Bevor sie eingesetzt werden, durchlaufen sie ein aufwendiges systematisches Verfahren und werden auch in der Anwendung laufend überprüft. Nichtsdestotrotz gilt auch beim Impfen: Keine Wirkung ohne Nebenwirkung. Gesundheitliche Probleme nach einer Impfung sind zwar sehr selten – aber es gibt sie. Allermeist sind sie völlig undramatisch. Dadurch dass der Impfstoff die körpereigene Abwehr anregt, kann es zu Reaktionen an der Einstichstelle kommen: Eine Rötung oder Schwellung liegt durchaus im Bereich des Möglichen. Auch können Kinder nach der Impfung Fieber oder Gelenkschmerzen bekommen. Wenn Lebendimpfstoffe geimpft werden, kann eine sogenannte Impfkrankheit ausbrechen: Das geimpfte Kind bekommt die Krankheit, vor der es eigentlich geschützt werden sollte – allerdings in der Light-Variante. Zu dauerhaften Schäden führt das allerdings nicht!

Impfungen können in (extrem seltenen!) Fällen starke Nebenwirkungen, bzw. echte Impfschäden nach sich ziehen. Immer wieder genannt werden hier Auto-Immun-Krankheiten wie zum Beispiel Multiple Sklerose. Aber die Tatsache, dass schwere Komplikationen bei der Krankheit 1000 Mal wahrscheinlicher sind als die Komplikationen nach der Impfung, zeigt: Impfen macht Sinn.
Krankheit durchmachen – oder besser impfen?
Egal ob Windpocken oder Masern: In den meisten Fällen heilen die Infektionen in der Tat ohne Komplikationen aus. Auf der anderen Seite sind da aber auch die Kinder, die beispielsweise nach einer Maserninfektion an einer Gehirnentzündung sterben. Zwar kann es auch nach einer Masern-Impfung zu einer Enzephalitis (Gehirnentzündung) kommen, aber nur bei 1: 1 Mio. Fälle. Bei einer Maserninfektion passiert das mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:1.000. Auch das führt zu dem Schluss: Impfen ist sinnvoll.

 Das könnte Sie interessieren: Elternirrtum Kinderkrankheiten

"Kinderkrankheiten sind nicht schlimm und müssen durchgemacht werden." - Dr. med. Martin Beck klärt über diesen Elterirrtum auf.


Auffrischen der Impfungen tut Not

Die Tatsache, dass der weitaus größere Teil der an Masern Erkrankten bei den letzten Masern-Ausbrüchen älter als zehn Jahre war, macht das Dilemma der weltweiten Impfstrategie deutlich: Während Babys und Kleinkinder im Rahmen der engmaschigen Vorsorgeuntersuchungen in der Regel noch alle wichtigen Schutzimpfungen erhalten, stellt sich spätestens nach der Einschulung eine gewisse Impfmüdigkeit ein. Kinder brauchen im Alter von fünf bis sechs Jahren und noch einmal zwischen neun und 17 Jahren Auffrischungen, damit die Vakzine ihre Wirkung entfalten können. "Die Erfahrung aber zeigt, dass nur noch jeder zweite bis dritte Jugendliche einen ausreichenden Impfschutz hat", so Epidemiologin Professor Dr. Christel Hülße. Achten Sie also auch bei Schulkindern darauf, dass alle Impfungen vollständig sind - und unterziehen Sie auch Ihren eigenen Impfpass mal wieder einem gründlichen Check. Ihr Hausarzt hilft Ihnen dabei, eventuelle Impflücken zu entdecken. Eine kleine Anleitung für einen Selbst-Check finden Sie hier: Selbst-Check "Wie gut sind Sie geschützt?".
Fazit: Impfen macht Sinn!
Die verständliche Angst vor möglichen Impfkomplikationen lässt viele Eltern zweifeln, ob Impfungen ihren Kindern nicht eher schaden als nützen. So berechtigt alle Gedanken und Zweifel sind, fest steht: Nur den Impfungen haben wir es zu verdanken, dass Krankheiten wie Kinderlähmung und Diphterie heute kaum noch vorkommen. Es ist als großes Glück zu bezeichnen, dass wir die Möglichkeit haben, unsere Kinder vor lebensgefährlichen Infektionskrankheiten schützen zu können. Beginnen wir jetzt, das regelmäßige Impfen und Nachimpfen zu vernachlässigen, besteht die Möglichkeit, dass diese und andere Krankheiten auch bei uns wieder zum Risiko werden. Wenn Sie Ihr Kind impfen lassen möchten, sollte es aber zum Zeitpunkt der Impfung gesund sein. Bei einer fieberhaften Erkältung muss abgewartet werden, bis die Krankheit überstanden ist.

 Das könnte Sie interessieren: Impfpflicht in Italien

Nach einer Masernepidemie hat Italien jetzt die Impfpflicht gegen insgesamt zwölf Krankheiten eingeführt.


Fragen & Antworten rund ums Impfen

Hier beantworten wir Ihnen die häufigsten Fragen rund ums Impfen: Welche Impfungen sind am wichtigsten? Was spricht für die Windpocken-Impfung? Und darf ich mich impfen lassen, wenn ich schwanger bin? Hier finden Sie die Antworten auf die häufigsten Fragen und Vorurteile zum Thema.
* Quelle: http://sz-magazin.sueddeutsche.de




mehr zum Thema
Gesundheitstipps Impfungen kontrovers
Artikel kommentieren
Login