"Bio-Bag": Künstliche Gebärmutter für Frühgeborene

Bisher kann keine Maschine der Welt einem frühgeborenen Kind die Versorgungsleistung und den Schutz der Gebärmutter liefern, die es viel zu früh verlassen musste. Doch die Forschung schreitet voran. Neue Experimente an frühgeborenen Lämmern zeigen erste Erfolge mit einer künstlichen Gebärmutter.


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Kinder, die vor Abschluss der 37. SSW zur Welt kommen, gelten als frühgeboren. Moderner Wissenschaft und Technik ist es zu verdanken, dass die Überlebenschancen für Frühchen ab der 25. SSW heute relativ gut sind. Doch die Gefahr bleibender geistiger und körperlicher Beeinträchtigungen bleibt. Das größte Problem von zu früh geborenen Babys, vor allem von Frühgeburten im zweiten Trimester, ist die unfertige Lungenreifung. Die Lungen sind in diesem Entwicklungsstadium normalerweise noch mit Flüssigkeit gefüllt, da das Baby über die Nabelschnur mit Sauerstoff versorgt wird. Sie sind in dieser Phase kaum bereit dazu, selbstständig Luft zu atmen. 


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In Deutschland ist jedes 9. Baby eine Frühgeburt. Die Überlebenschancen sind gut - leider gibt es aber auch Spätfolgen.


Künstliche Gebärmutter "Bio-Bag" hält Lämmer am Leben


Um extrem frühgeborenen Kindern eine weitgehend natürliche Entwicklung ermöglichen zu können, arbeiten Wissenschaftler schon seit Jahren an einer künstlichen Gebärmutter. Einem Team von Medizinern der Universität Philadelphia sind nun erste wichtige Fortschritte gelungen, von denen sie im Fachmagazin Nature Communications berichten. Demnach konnten Neonatologe Alan W. Flake und seine Kollegen frühgeborene Lämmer in ihrer „Bio-Bag“ 28 Tage lang am Leben erhalten und besser noch, die Tiere wuchsen darin altersentsprechend heran. Sie entwickelten einen normalen Schlaf-Wach-Rhythmus und ihnen wuchs sogar Fell.


Bio-Bag Lämmer

Das frühgeborene Lamm wächst und gedeiht in der künstlichen Gebärmutter.


© Nature Communications

Die „Bio-Bag“ sieht aus wie ein großer stabiler Plastiksack mit allerlei technischem Equipment und Schläuchen. Gefüllt ist sie mit einer speziellen Flüssigkeit, die das natürliche Fruchtwasser imitieren soll. Die Lämmer wurden für das Experiment per Kaiserschnitt auf die Welt geholt, etwa in einem Entwicklungsstadium, das der 23. SSW beim Menschen entspricht. Sofort wurde ihre Nabelschnur mit einer künstlichen Plazenta verbunden, die sie während der gesamten Zeit mit Nährstoffen versorgte.
"Bio-Bag" bald auch für Menschen?


Künstliche Gebärmutter (Symbolfoto)

Sieht so vielleicht die Zukunft der Frühgeborenen-Medizin aus?


© iStock
So bahnbrechend diese Erfolge für die Wissenschaft sind - vom Lamm zum Menschenbaby ist es noch ein weiter Weg. Studienleiter Alan W. Flake betont, dass wohl noch zehn Jahre ins Land gehen, bevor ein menschliches Frühgeborenes in einer "Bio-Bag" versorgt werden kann. So ist beispielsweise zum aktuellen Zeitpunkt noch völlig unklar, wie man die menschliche Nabelschnur an eine künstliche Plazenta anschließen könnte.

Und doch bringen die Erkenntnisse aus den aktuellen Lämmer-Experimenten die Forschung auf dem Gebiet der künstlichen Gebärmutter einen großen Schritt voran.

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(26. April 2017)



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