Makrosomie: Warum bringen manche Frauen Riesen-Babys zur Welt?

Alle paar Jahre, ja manchmal sogar alle paar Monate gibt es neue Schlagzeilen von Riesen-Babys, die schon bei der Geburt so viel wiegen, wie andere Kinder mit sechs oder acht Wochen. Woran liegt es, dass manche Frauen so große Babys zur Welt bringen?


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Riesen- oder Sumo-Babys: Kleine Schwergewichte


Regelmäßig gibt es Meldungen über Säuglinge, die bereits bei ihrer Geburt über sechs, sieben oder gar acht Kilo wiegen. Welches nun wirklich das bisher schwerste Neugeborene der Welt war, das lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Im Guiness Buch der Rekorde ist zumindest von einem italienischen Jungen die Rede, der 1955 mit einem Gewicht von 10.200 Gramm zur Welt gekommen sein soll. 2017 machte die Nachricht die Runde, eine Australierin habe sogar ein 18 Kilogramm schweres Kind zur Welt gebracht – der Wahrheitsgehalt dieser Meldung darf jedoch angezweifelt werden.

Makrosomie: Gesundes Neugeborenes

Laut der WHO liegt das Geburtsgewicht gesunder Babys im Durchschnitt bei 3.480 Gramm. Makrosome Neugeborene bringen teilweise mehr als das Doppelte auf die Waage.


© iStock
Trotzdem sind Kinder mit einem stark erhöhten Geburtsgewicht längst keine einmalige Seltenheit mehr. Mediziner nennen es fetale Makrosomie (Großwuchs), wenn das Geburtsgewicht eines Kindes über 4.500 Gramm beziehungsweise über der 90. Perzentile liegt. Umgangssprachlich ist dann häufig von Riesen-Babys oder Sumo-Babys die Rede. Was man bei all dem Staunen über die schweren Rekordjäger nicht vergessen darf: Mit steigendem Geburtsgewicht steigen auch die gesundheitlichen Risiken für Mutter und Kind.
Die Risiken einer Makrosomie
Wie man sich sicher vorstellen kann, besteht für schwangere Frauen ein hohes Verletzungsrisiko bei der vaginalen Geburt eines makrosomen Kindes. Die größten Gefahren gehen von einer möglichen Uterusruptur (Gebärmutterriss) und einer unvollständigen Plazentaablösung nach der Geburt aus. In beiden Fällen kann es zu lebensgefährlichen Blutungen kommen. Außerdem sind Verletzungen des Genitalbereichs und schwere Dammrisse zu befürchten. Für das Kind bestehen bei einer natürlichen Geburt die Gefahren von Schulter- und Halswirbelverletzungen und einer Sauerstoffunterversorgung. Zudem geben Studien Hinweise darauf, dass makrosome Säuglinge im späteren Leben häufig mit Fettleibigkeit, Stoffwechselerkrankungen und Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems zu kämpfen haben.

Bei den potentiellen Gefahren einer vaginalen Entbindung liegt es nahe, dass Ärzte beim Verdacht auf ein überdurchschnittlich großes Kind eher zu einer Geburt per Kaiserschnitt raten. Das Problem dabei: Die fetale Makrosomie lässt sich nur schlecht vorhersagen, da bis heute keine Untersuchungsmethode das voraussichtliche Geburtsgewicht genau bestimmen kann. Die Ärzte können anhand von Ultraschalluntersuchungen im 3. Trimester lediglich schätzen, wie schwer das Kind zur Geburt sein wird.

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Die Ursachen der Makrosomie

Doch woher kommt das Großwachstum mancher Föten im Mutterleib? Wissenschaftler machen als Hauptursache einen gestörten Blutzuckerhaushalt der Mutter verantwortlich. Das tritt insbesondere bei Frauen auf, die an Diabetes mellitus oder einem Gestationsdiabetes leiden und/oder fettleibig sind. Bei ihnen ist aufgrund einer Insulinresistenz der Blutzuckerspiegel regelmäßig erhöht. Die hohen Blutzuckerwerte gelangen durch die Plazenta zum Fötus und regen seine Insulinproduktion an. Schließlich fördern die erhöhten Insulinwerte das Wachstum des Kindes. In der Regel entwickeln sich die betroffenen Kinder bis zur 21. SSW normal, erst dann legen sie gegenüber nicht-betroffenen Föten an Gewicht und Größe zu.

Doch nicht ausschließlich diabetische oder fettleibige Mütter bringen Riesen-Babys zur Welt. Auch eine genetische Veranlagung wird von den Wissenschaftlern vermutet. War die Mutter bei ihrer Geburt selbst sehr groß und schwer, wird sie mit hoher Wahrscheinlichkeit auch ein großes und schweres Kind zur Welt bringen. Gleiches gilt, wenn sie bereits ein makrosomes Kind zur Welt gebracht hat. Zudem kann eine Übertragung über den errechneten Geburtstermin hinaus das Risiko für ein überdurchschnittlich großes Kind erhöhen.
Kann man einer fetalen Makrosomie vorbeugen?
Da die Ursachen für das Großwachstum nicht eindeutig sind und sich aus mehreren Risikofaktoren zusammensetzen, kann man einer Makrosomie nicht immer vorbeugen. Diabetische Mütter sollten ihre Blutzuckerwerte regelmäßig kontrollieren und die angebrachte Diät einhalten. Gleiches gilt für Schwangere, bei denen ein Schwangerschaftsdiabetes festgestellt wird. Frauen ohne diabetische Erkrankung, insbesondere fettleibige Schwangere, sollten auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung sowie regelmäßige Bewegung achten, um die Blutzuckerwerte und die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft auf einem normalen Level zu halten.

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