Gefährliche Arznei: Diese Medikamente sind nichts für Kinder!

Je weniger Medikamente Kinder einnehmen, umso besser! Aber manchmal sind Medikamente wie Hustensaft, Fieber- und Schmerz-Mittel und Antibiotika unumgänglich. Das sollten Eltern wissen!


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Medikamente für Kinder: Wichtig zu wissen


Husten, Schnupfen, Halsweh - hier wirkt nichts besser als die altbekannten Hausmittelchen. Manchmal muss es aber doch etwas Stärkeres her: Wenn sich der Husten gar nicht löst, wenn die kleinen Patienten hohes Fieber oder Schmerzen haben. Oder wenn Bakterien für eine schwerwiegendere Erkrankung verantwortlich sind. Wichtig: Wenn Ihr Kind krank ist, fragen Sie den Kinderarzt oder auch in der Apotheke um Rat und experimentieren Sie nicht eigenständig mit Mittelchen und Säftchen, die Sie noch im Arzneischrank gefunden haben.


© Immer wieder eine Herausforderung: Wie kommt die Medizin ins Kind?
Wenn das Kind Medikamente braucht

➤ Geben Sie Ihrem Kind nie eigenmächtig und nach "bestem Wissen und Gewissen" Medikamente. Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Ihre Organe sind noch nicht ausgereift und ihr Stoffwechsel funktioniert anders. Deshalb dürfen Medikamente für Erwachsene keinesfalls einfach auf das Gewicht des Kindes runtergerechnet werden, das kann gefährlich werden! Kinder benötigen teilweise ganz andere Wirkstoffe als Arzneimittel – einfach weil ihr Körper anders funktioniert.

Dr. med. Ursula Keicher


"Generell sollten für Kinder nur Medikamente verwendet werden, die ausdrücklich laut Beipackzettel geeignet und zugelassen sind. Diese sind explizit  für die jeweilige Altersgruppe getestet worden. Das gilt auch für pflanzliche Mittel. Allgemein ist es wichtig darauf zu achten, dass diese Medikamente  frei von Alkohol sind. Auch rezeptfreie Medikamente sollten nie länger ohne ärztlichen Rat eingenommen werden."
, rät die Kinder- und Jugendärztin Dr. med. Ursula Keicher.
Diese Medikamente sind nichts für Kinder!
➤ Acetylsalicylsäure (ASS, bekannt von Aspirin) ist für Kinder unter zwölf Jahren tabu! ASS kann bei Kindern das gefährliche Reye-Syndrom mit schweren Hirn- und Leberschäden auslösen.

Gut zu wissen: Fiebersenkende Mittel sind erst ab einer Körpertemperatur ab 38,5 °C sinnvoll. Wenn Sie die Temperatur unter den Achseln oder im Ohr messen, müssen Sie 1 °C abziehen, bei der Messung im Mund etwa 0,5 °C. Zu der Überlegung, wann man seinem Kind Paracetamol und wann Ibuprofen verabreichen sollte, lautet der Experten-Rat von Dr. med. Ursula Keicher: "Ob Paracetamol oder Ibuprofen besser ist, kann man nicht pauschal sagen, das ist von Kind zu Kind unterschiedlich. Bei manchen Kindern wirkt Ibuprofen besser (fiebersenkend, schmerzlindernd) und bei anderen Paracetamol. Ibuprofen kann als Nebenwirkung Blutungen im Magen-Darm-Tarkt haben, sodass es bei fieberhaften Magen-Darminfektionen eher nicht gegeben werden sollte."
Bei beiden Mitteln aber gilt: Bei einer Überdosierung können gefährliche Nebenwirkungen auftreten, verabreichen Sie Ihrem Kind also keinesfalls mehr als vom Arzt oder im Beipackzettel empfohlen.

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➤ Pflanzliche Mittel gelten oft als gut verträglich und völlig ungefährlich. Aber auch hier sind nicht alle Mittel für Kinder geeignet. Ätherische Öle wie Menthol, Pfefferminz und Eukalyptus sollten bei Babys und Kleinkindern unter zwei Jahren nur nach Rücksprache mit dem Arzt angewandt werden. Die ätherischen Öle können dazu führen, dass sich die Atemwege verkrampfen. Auch Sonnenhut (Echinacea) sollte erst bei Kindern ab zwölf Jahren angewendet werden.

Hustenstiller und Hustenlöser dürfen niemals gleichzeitig eingenommen werden. Für tagsüber empfiehlt sich ein schleimlösendes Medikament. Wenn Ihr Kind nachts gar nicht schlafen kann, kann ein Hustenstiller helfen. Generell sollten Sie beim Einsatz von Hustenstillern vorsichtig sein:

➤ Viele Hustenstiller, die vor allem bei starkem nächtlichen Hustenreiz eingesetzt werden, enthalten die Wirkstoffe Codein oder Dihydrocodein. Bei Babys unter einem Jahr können diese Hustensäfte zu einem Atemstillstand führen. Auch bei älteren Kindern müssen Sie unbedingt auf die korrekte Dosierung achten.

➤ Auch Kombi-Präparate wie Grippostad, WickMediNait oder ähnliches sind nichts für Kinder! Sie sind für Kinder nicht zugelassen und enthalten Stoffe, die starke Nebenwirkungen haben können.

➤ Auf Honig sollte bis zum Ende des ersten Lebensjahres unbedingt verzichtet werden. Der Grund: Honig ist in äußerst seltenen Fällen mit Bakterien verunreinigt, die bei Babys zu gefährlichen Lähmungen führen kann. Nach dem ersten Geburtstag stellt Honig keinerlei Gefahr mehr dar.

Durchfallmittel sind für Kinder ungeeignet, bzw. sollten nur eingenommen werden, wenn der Arzt sie ausdrücklich verordnet hat. Wichtig ist, dass die kleinen Patienten genug Flüssigkeit und Elektrolyte zu sich nehmen.

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➤ Antibiotika helfen nur gegen Bakterien, bei Viren sind sie nutzlos!

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Wie kommt das Medikament am besten in das Kind hinein?

Das richtige Mittel ist gefunden, die Dosierung ist auch geklärt – jetzt beginnt der oft schwierigste Teil der Übung: Wie kommt das Medikament in das Kind hinein? Kinder verweigern Medikamente, spucken sie aus oder müssen nach der Einnahme erbrechen. Diese Tipps helfen bei der Medikamenten-Einnahme:

● Tropfen und Säfte sollten immer im Sitzen oder Stehen eingenommen werden.

● Bei Tabletten oder Kapseln sollten Sie Ihrem Kind immer zusätzlich ein Glas Wasser zum Runterspülen geben. Beim Schlucken den Kopf nach hinten anlegen.

● Wenn eine Tablette mal gar nicht rutschen will, hilft es ein Stück Banane zu kauen – meist rutschen dann der Bananenbrei und die Tablette gemeinsam in Richtung Magen.

● Manche Kapseln können leicht geöffnet werden. Den Inhalt dann mit einem Löffel Joghurt einnehmen. Fragen Sie hier am besten Ihren Arzt oder Apotheker.

● Zäpfchen rutschen besser, wenn man sie vorher mit einer fetthaltigen Creme bestreicht.

● Wenn kleine Kinder die Arznei gar nicht schlucken wollen, hilft oft eine Pipette oder eine Spritze (natürlich ohne Nadel). Wenn man jetzt hinter die Backenzähne spritzt, erreicht das Medikament mit ein bisschen Glück die Geschmackspapillen nicht – das Schlucken fällt so vielen Kindern leichter.

● Bei größeren Kindern hilft es, wenn sie sich beim Einnehmen eines Saftes die Nase zuhalten.

● Bei Nasentropfen sollten Sie Ihrem Kind vor der Einnahme die Nase putzen. Bei der Einnahme den Kopf leicht nach hinten legen – und die Tropfen dann hochziehen.

● Ohrentropfen sollten Sie vorher leicht erwärmen (z.B. in der Hand oder in der Hosentasche). Wenn Ihr Kind den Kopf auf die Seite legt, können die Tropfen besser ins Ohr fließen.

● Halten Sie sich an die vom Arzt empfohlene Dosierung.

● Flößen Sie Ihrem Kind keine Medikamente unter Zwang ein. Kleine Belohnungen wie ein Gummibärchen oder Ähnliches sind aber natürlich erlaubt.

● Wenn Mama oder Papa unsicher sind, merkt das der Junior sofort. Strahlen Sie also eine große Selbstsicherheit und Bestimmtheit aus!

● 'Viel hilft viel gilt' nicht für die Anwendung von Medikamenten. Besser Sie wenden das Motto fürs Kuscheln und für heißen Tee an!
Hausmittel = wirksame Alternative zu Medikamenten

Es müssen nicht immer Medikamente sein – gerade bei Kindern sind Hausmittel wie Inhalieren, Kartoffelwickel, Zwiebelsäckchen und Wadenwickel besonders hilfreich.

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Wann zum Arzt?

➤ Heftige Schmerzen

➤ Wenn das Kind apathisch wirkt.

➤ Wiederholtes Erbrechen oder heftiger Durchfall

➤ Wenn Säuglinge oder Kleinkinder Fieber haben.

➤ Wenn das Fieber bei größeren Kindern länger als drei Tage dauert.

➤ Wenn das Fieber über 39,5 Grad steigt.

➤ Krämpfe

➤ Bewusstlosigkeit

➤ Atemnot

➤ Blut im Urin oder Stuhl



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