Radiusköpfchen-Subluxation: Die Sache mit dem fragilen Ellenbogen

Viele Kleinkinder müssen wegen eines teilweise ausgerenkten Ellenbogens behandelt werden. Warum diese sogenannte Radiusköpfchen-Subluxation leider schneller passiert, als Eltern lieb ist.


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Ein kleiner Knirps, noch keine vier Jahre, muss zum Arzt, weil sein Ellenbogen teilweise ausgerenkt ist. Was so brutal klingt, ist leider schneller passiert, als Eltern lieb ist. Bereits ein für das Kind unerwarteter, ruckartiger Zug am Arm kann da genügen. Doch als Eltern wissen wir, dass es mit Kleinkind immer wieder solche Situationen gibt, in denen wir einfach automatisch reagieren und dabei unabsichtlich stark an den Ärmchen reißen. Zum Beispiel, wenn wir das Kind hochziehen, um es vor einem Sturz zu bewahren, oder wenn wir es am Arm packen, bevor es auf eine Straße zu rennt. Machen Sie sich also bitte keine allzu großen Vorwürfe, falls das auch Ihnen einmal passieren sollte. Wichtig ist jetzt, dass Sie richtig reagieren und die Anzeichen richtig deuten.

Engelchen flieg schuld an Radiusköpfchen-Subluxation?

"Engelchen flieg" schuld an Radiusköpfchen-Subluxation?


© iStock

Bei Kleinkindern zwischen zwei und vier Jahren ist das Risiko besonders hoch, dass der Ellenbogen teilweise ausgerenkt wird. Bei ihnen sind die Bänder, die den Ellenbogen umspannen, noch recht schwach und dehnbar. Durch einen starken Zug am Arm rutscht ein Teil des Ellenbogens, das sogenannte Radiusköpfchen der Speiche aus seiner Gelenkverankerung. Das umliegende Gewebe (Ringband) rutscht in den entstandenen Spalt und wird dort zwischen den Knochen eingeklemmt. Man nennt das eine Radiusköpfchen-Subluxation. Und die ist für das Kind äußerst schmerzhaft.

Deutliche Anzeichen Radiusköpfchen-Subluxation


Nach dem ersten tränenreichen Schock wird Ihr Kind den betroffenen Arm sofort in eine Schonhaltung nehmen. Typischerweise hält das Kind den betroffenen Arm halb gebeugt vor dem Körper mit dem Handrücken nach oben und bewegt ihn kaum. Er scheint wie gelähmt. Diese Haltung heißt unter Medizinern deshalb auch Chassaignac-Lähmung. Sie ist ein typisches Symptom bei einer Radiusköpfchen Subluxation. Das und die Verletzungsursache, das Reißen am Arm, machen es Ärzten meist leicht, eine Diagnose zu stellen. Sie sollten also auf jeden Fall ehrlich sein, wenn Sie der Arzt danach fragt, was passiert ist. Manche Eltern erfinden aus Scham Geschichten, das Kind sei gestürzt oder hätte sich den Arm heftig gestoßen. Dann folgen meist unnötige Untersuchungen. Stress, den Sie Ihrem Kind auf jeden Fall ersparen sollten.

Ist die Diagnose „Radiusköpfchen Subluxation“ gestellt, dann ist auch die Behandlung recht einfach. In einem sogenannten Repositionsmanöver lässt der Arzt das Radiusköpfchen wieder in seine Gelenkverankerung springen. Dafür ist ein erneuter kräftiger Zug am betroffenen Arm nötig. Dabei wird er gleichzeitig gedreht. Springt das Radiusköpfchen daraufhin wieder an seinen richtigen Platz, ist ein Knacken oder Ploppen zu hören. Ganz ohne Tränen wird dieses Prozedere aber sicher nicht bleiben. Die Behandlung ist unangenehm und kann durchaus etwas erschreckend wirken - auch für die Eltern. Aber dafür dauert sie wirklich nur kurz.

Grafik eines Ellenbogengelenks

Grafik eines Ellenbogengelenks


© ddp images/iStock/Vision Net
Ist der Ellenbogen eingerenkt, ist Ihr Kind sofort beschwerdefrei, fast so, als wäre nie etwas gewesen. Eine weitere Behandlung ist in der Regel unnötig. Nur, wenn die Radiusköpfchen Subluxation erst spät festgestellt wurde, kann der Arzt unter Umständen eine Armschlinge empfehlen. Dauerhafte Schäden sind aber dennoch nicht zu erwarten. Allerdings steigt das Risiko einer erneuten Radiusköpfchen Subluxation, wenn der Ellenbogen schon einmal teilweise ausgerenkt war. Sie sollten das auf jeden Fall im Hinterkopf behalten.
Ist "Engelchen flieg" gefährlich?

Häufig hört man auch davon, dass der Ellenbogen bei dem Spiel „Engelchen flieg“ ausgerenkt wird. Das ist zum Teil richtig. Ist das Spiel besonders wild oder ist das Kind nicht darauf eingestellt, kann auch dabei das Radiusköpfchen aus dem Gelenk springen. Beim normalen Spiel passiert das aber eher selten. In der Regel spannt das Kind beim Abheben die Armmuskulatur an, so dass der Zug nicht direkt auf das Gelenk wirkt, sondern abgeschwächt wird. Dennoch sollten Sie es mit dem „Engelchen flieg“ natürlich nicht übertreiben. Gerade bei Kleinkindern ist es ratsam, es besser unter den Armen zu halten, als am ausgestreckten Arm.

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