So essen Kinder gesund

Kinder sind Feinschmecker. Wie Sie den Geschmackssinn Ihrer Kinder trainieren und ihnen gesunde Lebensmittel schmackhaft machen können.


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Klar: Über Geschmack lässt sich streiten. Oder eben nicht. Was der eine gerne mag, darauf kann der andere gut verzichten. Doch warum ist das so? Wie und wann entstehen eigentlich Vorlieben und Abneigungen beim Thema Essen?

Kinder müssen schmecken erst lernen


„Das Geschmacksrepertoire von Kindern entfaltet und entwickelt sich in den ersten sechs bis sieben Lebensjahren“, erklärt die Ernährungswissenschaftlerin Hanni Rützler, Autorin des Buches „Kinder lernen essen“ (Hubert Krenn Verlag).


So essen Kinder gesund: Babys Geschmack

Bäh, Bitteres mag ich nicht!


Dabei können schon Säuglinge von Anfang an die verschiedenen Geschmackseindrücke unterscheiden. Dazu zählen Wissenschaftler heute folgende fünf: süß, sauer, salzig, bitter - und umami. Mit dem japanischen Wort bezeichnen die Fachleute einen herzhaften, deftigen Geschmack. Sie diskutieren außerdem, ob auch Geschmacksrezeptoren für Fettiges existieren. Doch ob es nun fünf oder sechs verschiedene Geschmackseindrücke gibt, Babys sind sich einig: Süßes schmeckt am allerbesten. Bitteres finden sie dagegen scheußlich. Beides hat durchaus Sinn, denn der süße Geschmack kennzeichnet eine ungefährliche Kohlenhydratquelle, Bitteres dagegen könnte giftig sein. Dass auch bittere Sachen gut schmecken können, müssen Kinder erst lernen. Saures mögen sie in den ersten zwei Lebensjahren häufig auch nicht gerne. Dagegen kommen umami und ein milder salziger Geschmack schon früh gut an. Allerdings noch nicht im Säuglingsalter - was auch sinnvoll ist, da das Salz den unausgereiften Nieren und dem Wasserhaushalt der Babys Probleme bereiten könnte. Die Geschmacksvorlieben der Kleinsten sind also nichts anderes als ein ausgeklügeltes Überlebensprogramm.
Geschmack hilft beim Gesundbleiben
Der Genuss ist beim Thema „Schmecken“ nur eine angenehme Begleiterscheinung, denn entwicklungsbiologisch betrachtet, geht es um etwas völlig anderes: Mit dem Geschmack sollen die Qualität und die Verträglichkeit der Nahrung geprüft werden. Nur so kann der Körper gesund bleiben.

Für Kinder ist das während des Wachstums besonders wichtig und deshalb sind sie im Geschmacks-Check auch wahre Meister. „Kinder haben äußerst feine Geschmacksnerven, um die sie jeder erwachsene Gourmet beneiden würde“, sagt Hanni Rützler. Und sie setzen sie sehr kritisch ein. „Was der Bauer nicht kennt, dass isst er nicht“ - dieses Prinzip haben Kinder quasi erfunden.

Mit gutem Grund, denn schließlich können sie ja nicht sicher sein, ob ihnen die unbekannten Lebensmittel auch wirklich bekommen. Da ist Vorsicht eine kluge Strategie. Dafür können sie aber auch den fünften Tag hintereinander noch voller Genuss Spaghetti essen, weil sie damit auch die vergangenen vier Tage allerbestens gefahren sind. 
Neue Geschmäcker immer wieder anbieten
Wir Erwachsene wissen natürlich längst, dass neben Nudeln viele andere Speisen richtig gut schmecken. Kinder müssen diese Vielfalt erst kennenlernen. Gut zu wissen: Geschmacksvorlieben prägen sich nicht von einem Tag auf den anderen aus. Das braucht Zeit und immer wieder die Gelegenheit zum Ausprobieren. „Es reicht nicht, Kindern ein Lebensmittel oder eine Speise nur einmal anzubieten, um sie auf den Geschmack zu bringen“, sagt Hanni Rützler. Im Gegenteil: „Neuere Studien zeigen, dass Kinder Lebensmittel zwischen acht- und zehnmal testen, bis sie sich eine Meinung darüber gebildet haben, ob sie sie wirklich mögen oder nicht.“ Da brauchen Eltern vor allem eines: Geduld. Und Misserfolge sollten sie auf keinen Fall persönlich nehmen.
Geschmacksvorlieben können genetisch bedingt sein

Junge isst Obstsalat

Nichts geht über einen liebevoll angerichteten Obstsalat.


Vorlieben für bestimmte Speisen beruhen zwar häufig auf Gewohnheit, aber eben nicht nur. Denn es gibt genetisch angelegte Unterschiede. Nicht alle Menschen haben die gleiche Fähigkeit zu schmecken. Manche haben wesentlich mehr Geschmacksknospen auf der Zunge als andere - und reagieren damit auch viel empfindlicher auf Geschmacksreize. Besonders auf alles, was bitter schmeckt. Von herben Gemüsesorten wie Spargel oder Rosenkohl lassen sie sich deshalb oft überhaupt nicht begeistern.

Geschmack ist also subjektiv. Mit zunehmendem Alter nimmt die Fähigkeit zu schmecken allerdings ab - und damit auch die Empfindlichkeit. Wer auf den ersten Blick als schwieriger Esser erscheint, muss also gar nicht besonders verwöhnt oder gar stur sein. Viel wahrscheinlicher ist es, dass er schlicht besonders empfindlich schmeckt. Und allem Geschmackstraining zum Trotz lässt sich diese Grundausstattung natürlich nicht grundsätzlich verändern.




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