Ärzte und Behörden warnen vor Waschmittel Caps

Eigentlich sollten sie uns den Haushalt erleichtern, doch die sogenannten Liquid Caps sind für Kleinkinder sehr gefährlich. Jetzt schlagen auch Augenärzte Alarm.


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Vergiftungsgefahr Liquid Caps

Die Zahl der Vergiftungsunfälle durch Waschmittel Caps steigt


© iStock
Auch Augenärzte schlagen jetzt Alarm. Sogenannte Liquid Caps, also die portionierten Kapseln für Flüssigwaschmittel, sind besonders für Kleinkinder gefährlich. Es besteht Vergiftungsgefahr. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt bereits seit 2014 davor.

Seit einigen Jahren wird Waschmittel in portionierten Folienkapseln verkauft, sogenannten Liquid Caps oder Gel Caps. Knapp ein Jahr nach der Markteinführung 2012 konnte das Bundesinstitut für Risikobewertung bereits 150 Vergiftungen durch eben diese Waschmittelkissen dokumentieren – betroffen waren vor allem Kleinkinder.* In Großbritannien, Frankreich und Italien, in denen die Caps schon länger auf dem Markt sind, werden jährlich ca. 400-500 Anfragen zu Vergiftungsunfällen mit „Liquid Caps“ gemeldet. Und auch eine aktuelle Studie, die im Fachblatt Jama Ophthalmology erschienen ist, bestätigt den gefährlichen Trend. Demnach sei in Amerika die Anzahl der Augenverletzungen von Kindern durch Waschmittel in den letzten Jahren um das 40-fache gestiegen. Im Jahr 2015 konnten 480 Fälle dokumentiert werden. Zum Vergleich: 2012 waren es gerade einmal zwölf.
Verwechslungsgefahr mit Süßigkeiten
Aufgrund der handlichen Größe, der bunten Farbe und der weichen, glänzenden Verpackung könne das Waschmittel leicht mit Süßigkeiten verwechselt werden, so die Warnung des BfR. Hinzu kommt, dass die chemischen Substanzen in Caps in deutlich höherer Konzentration vorhanden sind und daher schon in kleinen Mengen gefährlich werden können. Haben Kinder die Kapseln verschluckt, sind Husten, Übelkeit und Erbrechen typische Anzeichen. Über die Finger kann das Waschmittel durch Reiben auch in die Augen gelangen und die Schleimhäute verletzen.


„Fast alle dieser Verletzungen passieren zu Hause, deswegen ist es wichtig, die Mittel unzugänglich für Kinder aufzubewahren - und die Hersteller sollten weniger attraktive Farben wählen und eine stabilere Folie entwickeln....”

von Richard Sterling Haring

"Fast alle dieser Verletzungen passieren zu Hause, deswegen ist es wichtig, die Mittel unzugänglich für Kinder aufzubewahren - und die Hersteller sollten weniger attraktive Farben wählen und eine stabilere Folie entwickeln.", rät Studienleiter Richard Sterling Haring von der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore. Ähnliche Empfehlungen gibt auch der BfR: „Auf der Basis der deutschen Fälle und nach den Erfahrungen aus anderen Ländern sieht das BfR bei den „Liquid Caps“ Handlungsbedarf, um gesundheitliche Risiken für den Verbraucher zu vermindern. Das BfR hat die Hersteller aufgefordert, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um diese Produkte in Form, Farbe und Oberflächenbeschaffenheit für Kinder weniger attraktiv zu gestalten.“
Im Ernstfall Giftnotruf alarmieren

Für den Ernstfall empfehlen die Kinderärzte im Netz**: Den Mund sofort ausspülen, um möglichst alle Reste zu entfernen. Danach sollte Ihr Kind viel trinken, um die Giftstoffe verdünnen zu können. Aber bitte keine Milch geben. Das kann unter Umständen die Giftaufnahme beschleunigen. Auch das Erbrechen sollten Sie bei einer Vergiftung durch Haushaltschemikalien nicht erzwingen. Der dabei entstehende Schaum kann in die Lungen geraten und zu einer chemischen Lungenentzündung führen. Rufen Sie beim ersten Verdacht einer Vergiftung den Giftnotruf.

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* Neue Flüssigwaschmittel können Vergiftungsunfälle bei Kindern verursachen 07/2014, 31.03.2014
** Giftalarm in der Küche, 02.03.2017




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