Was ist ADHS?

Hier beantworten wir Ihnen, was genau eigentlich ADHS ist und welche Ursachen die Erkrankung hat. Außerdem erklären wir Ihnen, welche Therapien Experten bei ADHS empfehlen.


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Was genau ist ADHS?


Professor Michael Schulte-Markwort, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie erläutert:

„Die Ursache für ADHS ist eine Störung des Stoffwechsels. Durch eine Fehlregulierung chemischer Botenstoffe werden Informationen zwischen bestimmten Gehirnbereichen nicht richtig weitergeleitet. Betroffen sind vor allem Regionen, die beim Ordnen der Gedankenflut und der Aktivitätssteuerung eine Rolle spielen. Für Kinder mit ADHS bedeutet dies: Ständig prasselt eine Fülle unsortierter Eindrücke auf sie ein, die sie weder filtern noch in ihrer Wichtigkeit erkennen können. Darauf reagieren sie mit den typischen Symptomen.“
Welche Rolle spielen Gene und Erziehung bei ADHS?

ADHS: Rolle der Gene und der Erziehung

Die Erziehung kann die Ausprägung von ADHS beeinflussen.


© Thinkstock
„Zwillings-, Adoptions- und Familienstudien haben eindeutig gezeigt, dass ADHS einen genetischen Hintergrund hat“, betont Remschmidt. Diese Erkenntnis lässt Eltern zumindest in einer Hinsicht aufatmen: ihre Erziehung ist nicht ursächlich schuld am Verhalten ihres Kindes.

Doch ganz aus dem Schneider sind sie dadurch nicht. Denn auch in einem anderen Punkt sind sich die meisten Experten einig: die Lebensbedingungen eines Kindes sind für die Ausprägung von ADHS ganz entscheidend. Permanenter Stress, ständige Über- oder Unterforderung und inkonsequente Erziehung erhöhen das Risiko, dass Kinder mit einer genetischen ADHS-Veranlagung tatsächlich problematische Symptome entwickeln. Remschmidt formuliert es positiv: „Eine strukturiert-konsequente Erziehung kann einiges dazu beitragen, die Veranlagung zu Hyperaktivität und Konzentrationsschwäche einigermaßen in Schach zu halten.“
Bei ADHS ist frühe und individuelle Hilfe gefragt
Therapien können ADHS zwar nicht heilen, doch, so Schulte-Markwort, können spezielle Angebote den Kindern helfen, sich unbeschadet zu entwickeln: „Nur so können sie im Rahmen eines intakten Selbstbildes ein normales Verhaltensrepertoire aufbauen und positive soziale Erfahrungen machen.“ Und je früher die Hilfe bei ADHS kommt, desto besser, denn die Zahl der zusätzlichen Störungen nimmt mit dem Alter zu.

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Eine Studie des Tufts-New England Medical Centers in Boston zählte bei Kindern im Alter von sieben bis acht Jahren im Durchschnitt weniger als eine Begleiterkrankung, bei den 17- bis 18-Jährigen waren es schon drei. So individuell wie die Schwierigkeiten der Kinder, die an ADHS erkrankt sind, sollte auch ihre Therapie sein. Fachleute sprechen von einer multimodalen Therapie und meinen damit: In Abhängigkeit vom sozialen Umfeld, von der Intensität der jeweiligen ADHS-Symptome und den individuellen Begleitstörungen setzt sich die Hilfe aus verschiedenen Bausteinen zusammen. Oft erfordert dies eine enge Zusammenarbeit von Pädagogen, Psychologen und Ärzten.

Bewährt haben sich bei ADHS Verhaltenstherapien, die auch Familie, Lehrer oder Erzieherinnen mit ins Boot holen und sogenannte Elterntrainings. Hier üben Mütter und Väter, ihr Verhalten auf die besonderen Bedürfnisse ihres Kindes einzustellen. Störungen wie Depressionen, Legasthenie oder motorische Probleme machen spezielle Therapie-Module notwendig.


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