Was tun bei einer Fütterstörung?

Wenn Sie die Hunger- und Sättigungssignale Ihres Babys ernst nehmen, können Sie langfristige Fütterstörungen vermeiden. Was Sie sonst noch vorbeugend und entgegenwirkend tun können und wann Sie sich professionelle Hilfe holen sollten.


(0)

Melden Sie sich in unserer Community an, um Beiträge zu Ihren Favoriten hinzuzufügen.

Jetzt anmelden

Kein Kind verhungert freiwillig


Solange Sie Ihrem Baby oder Kleinkind regelmäßig Essen anbieten, brauchen Sie sich keine Sorgen um eine Unterversorgung machen. Wenn keine organischen oder schwerwiegenden psychischen Ursachen für die Fütterstörung vorliegen, wird sich Ihr Kind früher oder später holen, was es braucht. Nehmen Sie seine Sättigungssignale ernst. Wenn er gerade einmal keinen Appetit hat, dann muss es jetzt auch nichts essen. Auf Zwang beim Essen sollten Sie verzichten.
Fütterstörung vorbeugen und entgegenwirken
Wenn Sie einige Grundregeln beim Füttern und gemeinsamen Essen beachten, können Sie mittel- bis schwerwiegenden Fütterstörungen recht gut vorbeugen:


Baby isst selbstständig

Wenn das Babys selbst essen möchte, lassen Sie es - auch, wenn gekleckert wird.


Positive und ruhige Atmosphäre beim Essen. Lassen Sie Ihr Baby so früh wie möglich beim Familienessen dabei sein und achten Sie auf eine entspannte und positive Atmosphäre beim Essen. Wenn Ihr Baby selbstständig essen möchte, unterstützen Sie es dabei. Dabei darf vom Kind auch experimentiert und gematzt werden. Haben Sie einen kleinen Mäkler am Tisch, behandeln Sie ihn nicht anders, als Ihre anderen Kinder. Ständige Ermahnungen und Vergleiche mit den Geschwistern wirken kontraproduktiv.

Nahrungsumstellungen erst, wenn das Kind bereit ist. Das Baby zeigt durch Interesse und erste selbstständige Essversuche, dass es für Löffelkost oder feste Nahrung bereit ist.

Geregelter Tagesablauf und regelmäßige Mahlzeiten. Nehmen Sie sich für die regelmäßigen gemeinsamen Mahlzeiten ausgiebig Zeit, ohne Ablenkung durch TV und Radio im Hintergrund.

Klare Trennung zwischen Essens- und Spielzeiten. So kommt es erst gar nicht zur Vermischung beider Aktivitäten und ggf. zur Konditionierung. Füttern Sie auch nicht nebenbei, sondern tun Sie beim Füttern nichts anderes.

Kein Essen zwischen den Mahlzeiten. Damit Ihr Kleinkind zu den eigentlichen Essenszeiten auch Appetit hat, sollten Sie darauf achten, dass es nichts zwischen den Mahlzeiten isst. Auch auf zuckerhaltige Getränke und Milch sollte zwischen den Mahlzeiten verzichtet werden. Ein wenig Obst ist aber ok.

Keine unnötige Diät für Kinder. Das angebotene Essen sollte Ihrem Baby bzw. Kleinkind schmecken und appetitlich angerichtet sein. Aufgezwungene Einschränkungen wie Vegetarismus oder Veganismus erhöhen die Chance für Essstörungen beim Kind.


Papa füttert sein Kind

Nehmen Sie sich Zeit für gemeinsame Mahlzeiten und das Füttern.


Das Kind entscheidet, was und wie viel es isst. Ihr Kind muss lernen, dass es beim Essen Regeln gibt. Sie als Eltern entscheiden so zum Beispiel, was auf den Tisch kommt! Aber: Bieten Sie Ihrem Kind eine Auswahl an altersgerechtem Essen an und lassen Sie es selbst entscheiden, was und wie viel es davon isst. Lassen Sie sich beim Essen aber auch ab und zu mal auf Kompromisse ein. Lehnt Ihr Baby ein Nahrungsmittel gänzlich ab, dann akzeptieren Sie das und bieten es ihm in einigen Tagen oder Wochen ggf. erneut an.

Bei Verweigerung: Mahlzeit beenden. Lehnt Ihr Baby oder Kleinkind gerade alles ab, dann beenden Sie die Mahlzeit ohne Vorwürfe zu machen oder Enttäuschung zu zeigen. Provoziert es Sie hingegen und versucht Sie mit seinem Essverhalten zu „erpressen“, dann ignorieren Sie dieses Verhalten. Widmen Sie sich einfach Ihrem eigenen Essen. Wenn Ihr Kind dann wieder aktiv Essen möchte, begegnen Sie diesem Verhalten positiv. Verweigert es sich jedoch aus Trotz völlig, beenden Sie die Mahlzeit. Aber: Essen ist kein Druckmittel! Einem Kind Essen als Bestrafung für beispielsweise trotziges Verhalten vorzuenthalten, ist unmenschlich und fahrlässig! Nur wenn Ihr Kind von selbst nichts mehr essen möchte, ist die Mahlzeit für es beendet.
Wann und wo professionelle Hilfe holen?
Professionellen Rat sollten Sie immer dann einholen, wenn Sie sich um die Gesundheit und die gesunde Entwicklung Ihres Kindes Sorgen machen. Wiegt es zu wenig oder nimmt an Gewicht ab, ist es schwächlich oder schnell erschöpft und/oder wirkt es bedrückt, dann konsultieren Sie einen Kinderarzt. In einem Extremfall der Störung können eine stationäre Überwachung der Kalorienaufnahme oder eine Sonderernährung des Kindes notwendig sein.

Auch wenn Sie sich mit der Situation überfordert fühlen, sollten Sie sich professionelle Hilfe suchen. Hält die Fütterstörung beispielsweise schon lange an, fühlen Sie sich als Eltern stark belastet, dreht sich zu Hause alles nur noch ums Essen und haben sowohl Sie als auch Ihr Kind aufgrund der Fütterstörung Angst vor und Stress während der Mahlzeiten, dann sollten Sie eine Therapie in Betracht ziehen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) stellt Hilfesuchenden auf ihrer Internetseite eine Adressliste für Beratungsstellen bei Fütterstörungen bereit.


mehr zum Thema
Psychologie Beikost