Wie viel Lärm verträgt ein Kind?


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Baby mit Spielzeugtelefon

Risiko Spielzeug: "Kinder erkennen Lärm nicht als Lärm und können ihr Gehör daher nicht ausreichend schützen", erklärt die Daniela-Simone Feit. Foto: Thinkstock


familie.de: Ab wann wird ein Geräusch zu Lärm? Daniela-Simone Feit: Sobald es einen Pegel erreicht, der den Menschen belästigt oder gesundheitlich schädigt. familie.de: Welche Dezibel-Zahlen können zu einer Hörschädigung führen? Und gibt es diesbezüglich einen Unterschied zwischen Kindern und Erwachsenen? Daniela-Simone Feit: Ob Lärm für das Gehör schädlich ist, hängt von der Dauer und Intensität des Geräuschpegels ab. Bei einer Beschallung von 100 dB riskiert man schon bei 20 Minuten pro Tag eine Hörminderung – das entspricht dem Lärmpegel in einer Disko oder einem maximal aufgedrehten MP3-Player. Wie bereits erwähnt erkennen Kinder Lärm nicht als Lärm und können ihr Gehör daher nicht ausreichend schützen. Trifft ein hoher Lärmpegel ungehindert in die Cochlea (Haarsinneszellen), können irreparable Schädigungen hervorgerufen werden. Meist hilft dann nur ein Hörgerät. familie.de: Wie laut darf ein Spielzeug maximal sein? Daniela-Simone Feit: Es gibt zwar eine europäische Norm zur Sicherheit von Spielzeug, deren Schutzwirkung ist jedoch zweifelhaft, wie die Messbedingungen zeigen: Die Lautstärke der Spielsachen wird in einem halben Meter Abstand gemessen. Man darf nicht vergessen, dass sich Kleinkinder Spielsachen mit Musik oder anderen Geräuschen gerne direkt ans Ohr halten. Außerdem sind Kinderarme oft kürzer als 50 cm.  Das eigene Lärmempfinden ist ein guter Gradmesser, d.h. Eltern sollten das Spielzeug vor dem Kauf am eigenen Ohr testen. Ist es unangenehm laut oder erschrickt man gar, sollte man das Spielzeug auf gar keinen Fall kaufen. familie.de: Wie laut dürfen Kinder und Jugendliche Musik hören? Daniela-Simone Feit: Der Lieblingssong wird meist gerne laut gehört. Verhindern können die Eltern das sowieso nicht. Wichtig ist aber, dass die Kinder über die Risiken aufgeklärt werden. Ein Hörverlust lässt sich nicht rückgängig machen. Die 60/60 Regel ist beim Musikhören über Kopfhörer ein ganz gutes Maß: Täglich nicht länger als 60 Minuten Musik über Kopfhörer hören und dabei nicht über 60 Prozent des Maximalvolumens des Geräts aufdrehen. Ab und zu bewusst den Ohren akustische Ruhepausen gönnen. familie.de: Welche Kopfhörer empfehlen Sie? Daniela-Simone Feit: Alle, die über eine regelbare Lautstärkeeinstellung verfügen. familie.de: Kann das Gehör durch permanentes Musikhören mit dem MP3-Player geschädigt werden? Daniela-Simone Feit: Ja, aber das hängt eben von der Dauer der Beschallung und der Lautstärke ab. familie.de: Welche Schädigungen können durch zu laute Spielzeuge oder MP3-Player entstehen? Daniela-Simone Feit: Sind die empfindlichen Haarsinneszellen im Ohr einmal durch lautes Spielzeug bzw. durch zu lautes Musikhören über Kopfhörer geschädigt, können sie keine Impulse mehr an das Gehirn senden. Man spricht dann von der so genannten Innenohrschwerhörigkeit, die nicht operabel ist. Sie kann nur durch Hörgeräte ausgeglichen werden. familie.de: Gibt es eigentlich einen Unterschied zwischen Hörhilfen für Kinder und Hörgeräten für Erwachsene? Hans-Jürgen Bührer: Die Anforderungen an ein Hörgerät sind bei Kindern ganz anders. Sie müssen wasserresistent, besonders robust und strapazierfähig sein. Für den Schutz des Kindes benötigen kindgerechte Hörgeräte eine Batteriefachsicherung und natürlich auch ein auf Kinderwünsche ausgelegtes Design. Wichtig ist auch der sogenannte Audioeingang. In Verbindung mit Audioschuhen können hier Zubehöranlagen wie FM-Systeme angeschlossen werden, die eine verbesserte Übertragungsqualität z.B. in der Schule ermöglichen. Reinigungs- und Pflegemittel, Otoplastiken sowie Batterien, Batterietester und ein Stethoclip zum Kontrollieren der Hörgeräte für die Eltern sind wichtiges Zubehör.
(Interview: Tanja Thurner)

Unsere Experten zum Thema Hörverlust und Schwerhörigkeit bei Kindern:


Daniela-Simone Feit ist stellvertende Leiterin Audiologie bei Phonak (www.phonak.de) und Pädakustikerin.
Hans-Jürgen Bührer ist Hörakustikmeister und Pädakustiker bei Frey & Bührer Hörsysteme GmbH, www.fb-hoersysteme.de.